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Softwarepatent auf Datenbankstrukturen

Für sein System zum Informationsmanagement in größeren Unternehmen konnte das britische Softwarehaus Kalido Ltd. jetzt ein Patent durchsetzen, das unter der Nummer GB2343763 vom britischen Patentbüro veröffentlicht wurde. Dieses Softwarepatent wurde zwar in Großbritannien erteilt, gelte aber aufgrund des EU-Binnenmarktes europaweit, meint George Godsal, Sprecher von Kalido. Das Unternehmen hat für sein Softwaresystem auch in den USA einen Patentantrag gestellt.

Technisch handelt es sich hier um eine Data-Warehouse-Applikation, die disparate Datenquellen innerhalb eines Unternehmens zusammenfasst und auswertet. Einzelne Workstations sind sternförmig an einen Rechner angeschlossen, der die eingehenden Datenströme abspeichert. Die neunzigseitige Patentschrift hebt insbesondere die Datenstruktur der Software hervor, die eine riesige Anzahl zusammenhängender Dateneinträge beherrscht und deren Extraktion aus der Datenbasis mittels so genannter Queries ermöglicht. Start- und Enddaten bezüglich eines Eintrags indizieren dabei dessen Gültigkeitsdauer.

Wer sich jetzt peinlich an dBase II und den altehrwürdigen Clipper-Compiler erinnert fühlt, sollte sich noch die Presseerklärung von Kalido durchlesen: Auf drei Seiten führt der Spin-Off des Ölmultis Shell genüsslich aus, wie unvergleichlich seine Methode der Datenspeicherung unter zeitlich veränderlichen Rahmenbedingungen doch sei. Die Daten ließen sich einfach abfragen, um schnell auf geschäftliche Entwicklungen reagieren zu können.

Drei Jahre lang hat Kalido an seinem "Dynamic Information Warehouse" gearbeitet und ist stolz auf seine Referenzkunden. In über einhundert Ländern werde die Kalido-Software inzwischen benutzt, unter anderem von Firmen wie Unilever, Philips CE und dem Getränkehersteller Cadbury Schweppes.

Hartmut Pilch vom Förderverein für eine freie informationelle Infrastruktur (FFII), prominenter Gegner von Softwarepatenten, äußerte sich heise online gegenüber allerdings skeptisch und hält das Kalido-Patent nur für einen Versuch, "den Aktionären etwas vorzugaukeln". Das generelle Problem bei den Softwarepatenten ist immer noch der Gegensatz von Datenabstraktion und technischer Leistung. Wer Software schreibt, muss von den konkreten Daten abstrahieren. Wer technische Systeme baut, muss sich hingegen sehr konkret festlegen. Ein technisches System ist aus Sicht einer Software also immer trivial. Das sei die Crux bei den Softwarepatenten: der grundsätzliche Mangel an der Erfindungshöhe.

Der britische Patentanwalt David Musker von der Londoner Kanzlei R G C Jenkins & Co. feiert das Softwarepatent für Kalido dagegen als Erfolg: "Der Wert dieses Patents für Kalido kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. Es wird ihnen Wettbewerbsvorteile sichern und ihr geistiges Eigentum für die nächsten 20 Jahre schützen." (Holger Bruns) / (Holger Bruns) / (hos)

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