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Sommerzeit-Umfrage der EU-Kommission: Millionen Anfragen lassen Server ächzen

Viele, die online ihre Meinung zur Sommerzeit kundtun wollten, schauten auf Fehlerseiten. Techniker arbeiten noch dran, das Problem endgültig zu beheben.

Sommerzeit-Umfrage der EU-Kommission: Millionen Anfragen lassen Server ächzen

Sommerzeit ja oder nein, lautet die Frage einer Online-Konsultation der EU-Kommission, die seit Donnerstag viele Internetnutzer in Europa gerne beantwortet hätten. Doch viele von ihnen sahen statt eines Fragebogens nur eine Fehlerseite. Kurz nachdem am Donnerstag die Nachricht herauskam, war der Server der EU nicht erreichbar.

Die Fragen der Konsultation zur Sommerzeit.

(Bild: EU-Kommission)

Unter der Last der Anfragen sei "die Website instabil" geworden, heißt es aus Kreisen der EU-Kommission, mehr als eine halbe Million Antworten seien bisher registriert worden. Daher kann angenommen werden, dass weit mehr Nutzer an der Konsultation interessiert waren als bisher ihre Meinung abgeben konnten.

Die Techniker der Kommission hätten hart daran gearbeitet, die Probleme zu beheben, heißt es weiter aus Brüssel. Sie hätten die Serverkapazitäten vergrößern können, sodass die Konsultations-Website über das vergangene Wochenende besser erreichbar geworden sei. Nun arbeiteten die Techniker daran, weitere Probleme zu beheben, die stellenweise noch dafür sorgten, dass die Website nicht erreichbar ist. Zudem werde daran gearbeitet, dafür zu sorgen, dass ähnliche technische Probleme künftig nicht mehr auftreten.

"Auf Ersuchen vonseiten der Bürgerinnen und Bürger, des Europäischen Parlaments und bestimmter EU-Mitgliedstaaten hat die Kommission beschlossen, das Funktionieren der derzeitigen Sommerzeitregelung der EU zu prüfen und zu bewerten, ob sie geändert oder beibehalten werden sollte", bekamen jene zu lesen, die bis zur Umfrage durchdringen konnten. "In diesem Zusammenhang möchte die Kommission die Meinung der europäischen Bürgerinnen und Bürger, Interessenträger und Mitgliedstaaten zur derzeitigen Sommerzeitregelung der EU und zu möglichen Änderungen dieser Regelung einholen." Eine Entscheidung wird durch die Konsultation noch nicht herbeigeführt, sie dient zunächst lediglich als Meinungsbild.

Die EU-Kommission weist darauf hin, dass die Konsultation bis zum 16. August läuft. Es bleibe also noch ausreichend Zeit für die Bürger, ihre Meinung zu äußern. Privatpersonen und Unternehmen sollen drei Fragen beantworten und können auch Bemerkungen abgeben. Die Antworten sollen alle veröffentlicht werden. Dabei können die Teilnehmer festlegen, ob ihr Name mit veröffentlicht wird oder nicht.

Die EU-Kommission führt fünf Argumentationsfelder für beziehungsweise gegen die Sommerzeit an: Unkoordinierte Zeitumstellungen zwischen den Mitgliedstaaten wären für den Binnenmarkt schädlich, "denn sie würden zu höheren Kosten für den grenzüberschreitenden Handel, zu Unannehmlichkeiten im Verkehr, bei der Kommunikation und bei Reisen sowie zu einer geringeren Produktivität bei Gütern und Dienstleistungen führen."

Die gewünschten Energieeinsparungen durch die Sommerzeit seien nach den Erkenntnissen der Forschung nur marginal. Der Zeitumstellung würden positive Effekte durch mehr Möglichkeiten für Freizeitaktivitäten im Freien und damit für die Gesundheit zugeschrieben. Chronobiologische Forschungsergebnisse legten aber nahe, dass die Auswirkungen auf den menschlichen Biorhythmus stärker sein könnten als bisher angenommen.

Zur Wechselwirkung zwischen der Sommerzeitregelung und Unfällen im Straßenverkehr lägen noch keine gesicherten Erkenntnisse vor. Schlafverlust könnte aufgrund der Vorstellung der Uhren im Frühjahr das Unfallrisiko erhöhen. Es werde aber auch angenommen, dass sich die verlängerte Tageslichtphase an Sommerabenden positiv auf die Sicherheit im Straßenverkehr auswirkt.

Befürchtungen hinsichtlich der Störung des Biorhythmus der Tiere in der Landwirtschaft und der Verschiebung von Melkzeiten dürften dank der Einführung neuer Ausrüstungen, künstlicher Beleuchtung und Automatisierung weitgehend gegenstandslos geworden sein, schreibt die Kommission. Eine weitere Tageslichtstunde im Sommer könne auch vorteilhaft sein, da sie zusätzliche Arbeitsstunden für Tätigkeiten im Freien ermöglicht.

Das EU-Parlament hatte die EU-Kommission im Februar dieses Jahres aufgefordert, die halbjährliche Zeitumstellung zu prüfen. Seit 1980 gibt es die Sommerzeit in Deutschland, seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück.

Einige Mitgliedstaaten hätten die Frage der Zeitumstellung kürzlich angesprochen, teilte die EU-Kommission mit. Finnland habe gefordert, die halbjährliche Zeitumstellung abzuschaffen, während Litauen verlangt habe, die Regelung zu überprüfen, um regionalen und geografischen Unterschieden Rechnung zu tragen.

Das Europäische Parlament hatte in seiner Entschließung bekräftigt, "dass auch nach der Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung unbedingt eine einheitliche EU-Zeitregelung beibehalten werden muss". (anw)

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