Sonic The Hedgehog: Das blaue Wunder bleibt aus

Die Sonic-Verfilmung ist eine zu kurzweilige Actionkomödie auf der Suche nach ihrer Zielgruppe – eine Rezension.

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Ohne viel Sinn und Verstand rutscht Sonic im Film durch seine Abenteuer – eigentlich genau wie in den Spielen

(Bild: Paramount Pictures)

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Videospiel-Verfilmungen sind ja bekanntlich so eine Sache. Aus diesem Genre gibt es überhaupt nur eine Handvoll Filme, die man als wirklich gut bezeichnen würde. Sonic The Hedgehog ist keiner dieser Filme. Aber immerhin ist die Realverfilmung der altehrwürdigen Videospielreihe von Sega auch nicht so schrecklich, wie man vielleicht erwarten würde.

Hinweis: Dieser Artikel enthält Spoiler zum Plot von Sonic The Hedgehog. Allerdings ist die Geschichte des Films für Erwachsene so vorhersehbar, dass das eigentlich für niemanden eine Rolle spielen sollte. Wer Überraschungen erwartet, ist bei diesem Film sowieso falsch.

Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass Sonic The Hedghog keine absolute Katastrophe geworden ist. Der Film ist schließlich seit einem knappen Vierteljahrhundert durchgehend in der einen oder anderen Phase der Produktion. Eigentlich sollte er im November 2019 in die Kinos kommen, musste dann allerdings von Sega und Paramount Pictures hastig komplett überarbeitet werden, nachdem die Fan-Reaktion auf den ersten Trailer zum PR-Desaster für alle Beteiligten wurde. Das Aussehen der Hauptfigur Sonic in diesem ersten Trailer ließ dem Internet kollektiv die Haare zu Berge stehen.

Sonic vor (links) und nach (rechts) der kompletten Überarbeitung der Computer-Effekte

(Bild: Fabian A. Scherschel / Paramount Pictures)

Sega nahm sich ein paar weitere Monate Zeit und renovierte das Aussehen von Sonic komplett. Im fertigen Film sieht er nun auch ziemlich so aus, wie man ihn sich vorgestellt hätte, wenn man die Videospiele als Basis nimmt. An der ein oder anderen Stelle fällt es auf, dass die Figur wohl zuerst andere Körperabmessungen hatte, grundsätzlich kann man mit dem neuen Look aber leben. Wie Sega überhaupt auf die Idee kam, die erste Sonic-Version mit ihren angsteinflößenden Beinen und gruseligen Zähnen abzusegnen, wird man wohl nie verstehen. Die Fan-Reaktion hätte komplett erwartbar sein müssen.

Story? Welche Story?

Was ebenfalls erwartbar ist, ist die Tatsache, dass der Sonic-Film die generischste, abgedroschendste Geschichte hat, die man sich überhaupt nur vorstellen kann. Das kreativste, was die Autoren zustande gebracht haben, ist die Innovation, dass (Spoiler!) Sonics goldene Ringe eine Art portables Einweg-Stargate darstellen. Und das wars auch schon, der Rest der Geschichte des Films kann mit "Sonic muss von A nach B kommen und wird dabei von Doktor Robotnik verfolgt" ausreichend zusammengefasst werden.

Jim Carrey ist als Doktor Robotnik eine Augenweide

(Bild: Paramount Pictures)

Klar, man kann sich mit Popcorn und Drinks (am besten was alkoholisches) bewaffnet in den Kinosessel pflanzen und den Film von vorne bis hinten durchgucken, ohne dabei große Schmerzen zu haben. Aber man sollte bloß nicht anfangen, irgendetwas zu hinterfragen. Etwa warum niemand in einer vollen Bar einen riesigen blauen, außerirdischen Weltraumigel erkennt, wenn sich dieser als Tarnung lediglich einen Cowboyhut und eine Sonnenbrille aufsetzt. Oder warum die erste Reaktion des US-amerikanischen Militärs auf einen großflächigen Stromausfall darin besteht, einen verrückten Roboter-Experten um Hilfe zu fragen. Mit der Frage, warum ein Laser-Geschwindigkeitsmesser auch dann funktioniert, wenn man ihn gar nicht auf das zu messende Objekt hält, wollen wir gar nicht erst anfangen.

Der Sonic-Film ist ganz klar ein Film für Kinder. Erwachsene sollten wohl kaum für sowas alleine ins Kino gehen. Da offenbart sich allerdings ein gravierendes Problem: Für welche Altersgruppe genau ist dieser Film gedacht? Sonics Gemüt und die prominent vorkommende Kneipenschlägerei würden darauf hindeuten, dass der Film für Teenager um die sechzehn gemacht ist. Allerdings kann man wohl getrost vermuten, dass Jugendliche in diesem Alter genauso wenig Geduld mit dem vorhersehbaren Plot haben, wie Erwachsene.

Der erste Trailer (Quelle: Paramount Pictures)
Der überarbeitete Trailer (Quelle: Paramount Pictures)

Ist der Film also für jüngere Kinder gemacht? Wie jung sollten sie sein? Der Film ist ab sechs Jahren freigegeben, was anhand der vorher erwähnten Kneipenschlägerei doch etwas jung erscheint. Es ist schwer, diese Frage befriedigend zu beantworten. Wissen Kinder und Jugendliche heutzutage eigentlich überhaupt noch, wer Sonic ist? Werden die aktuellen Sonic-Spiele dafür genug gekauft? Den Kindern (meist zwischen zehn und vierzehn), mit denen sich der Autor die Pressevorführung geteilt hat, scheint es Spaß gemacht zu haben. Trotzdem beschleicht einen das Gefühl, dass frühere Generationen im gleichen Alter nicht so einfach zufrieden gewesen wären. Vergleicht man den Plot von Sonic The Hedgehog mit Filmen wie dem ersten Star-Wars-Teil, kommt Sonic dabei nicht besonders gut weg.

Immerhin muss man sich nicht fremdschämen, wenn man sich entscheidet, seine Kinder in den Film zu begleiten. Trotz aller Kritik ist der Film solide gemacht. Und Jim Carreys Rückkehr ins Rampenlicht ist immerhin ein kleines Highlight. Er spielt seine Rolle als Doktor Robotnik wirklich ausgezeichnet. Besonders die Veränderung der Figur nach der Verbannung auf den Pilzplaneten macht wenigstens ein bisschen Lust auf mehr.

Doktor Robotnik (Jim Carrey) nach seiner Verbannung auf den namenlosen Pilzplaneten

(Bild: Paramount Pictures)

Sega macht am Ende des Films sehr deutlich, dass man bereit wäre ein Sequel zu produzieren. Ob die dünne Story von Sonic The Hedgehog allerdings genug Zuschauer begeistert, um den Film zum Erfolg zu verhelfen, ist fraglich. Viele Vorwürfe kann man den Produzenten freilich nicht machen; die Geschichte der Sonic-Spiele war schließlich auch immer sehr dünn.

Sonic The Hedgehog ist ab Donnerstag, dem 13. Februar in den deutschen Kinos zu sehen. (fab)