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Sony BMG: "Wir haben uns blamiert"

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"Sony BMG hat sich nicht nur ziemlich, sondern sehr blamiert", räumte Europa- und Deutschland-Chef Maarten Steinkamp im Interview mit der Welt ein. Aber der Ansatz, "die freie Verfügbarkeit unserer Musik auf irgendeine Art und Weise regulieren zu wollen", sei richtig. Damit reagierte Steinkamp auf den Wirbel um das Kopierschutz-Rootkit seiner Firma für Musik-CDs, der am Wochenende eine Fortsetzung erfuhr. Steinkamp betonte in dem Interview, dass sein Unternehmen kein Produkt mit diesem Kopierschutzsystem produziert habe und auch kein solches produzieren werde.

Anfang November ging es zunächst darum, dass Sony BMG eine Software einsetzt, die sich vor neugierigen Blicken versteckt und potenzielle Sicherheitslöcher reißt. Dann hieß es, das mit Audio-CDs ausgelieferte Rootkit enthalte Teile der unter der freien Software-Lizenz LGPL veröffentlichten Audio-Encoder LAME und FAAC. Und schließlich wurden auch Spuren einer unter der strengeren GNU Public License (GPL) selbst veröffentlichten Software in dem Rootkit entdeckt.

Dessen ungeachtet meint Steinkamp, "der Blues ist vorbei". In den kommenden zwei Jahren werde sich im Musikmarkt mehr ändern als in den vergangenen 20 Jahren. Es gebe "teils verrückte" Geschäftsideen, die langsam marktrelevant würden. "Statt bloß die Pfründe zu wahren, besinnen wir uns gerade auf unseren eigentlichen Geschäftssinn. Wir müssen wieder Entrepreneure werden!" Steinkamp bekräftigte bei dieser Gelegenheit die auch kürzlich von EMI erneuerte Forderung nach flexiblen Preisen im iTunes Music Store von Apple. "Wir wollen flexible Preise. Angefangen von 79 Cent bis zu 1,29 oder 1,49 Euro. Und wenn Apple-Chef Steve Jobs sagt, wir seien gierig, ist das Quatsch. Er kann die Preise nicht diktieren." iTunes Australien sei daher ohne Sony BMG gestartet.

Weiter legte Steinkamp dar, Sony BMG habe in Deutschland nach der Restrukturierung die Renditeschwäche abgelegt. "Wir konnten die Rendite in Schwung bringen und machen dieses Jahr 15 Prozent." Im Jahr 2003 habe die Rendite dagegen nur 1,5 Prozent betragen. Sony BMG schließt gerade das erste volle Geschäftsjahr nach der Fusion ab. Laut Steinkamp erwirtschaftete die Musikfirma in diesem Jahr hierzulande 25 Prozent mehr Gewinn als Sony Music und BMG 2004 zusammengerechnet. Genaue Gewinnangaben machte er nicht. Sony BMG hatte sich in der Vergangenheit von zahlreichen Künstlern und Mitarbeitern getrennt.

Dagegen zeigte sich Steinkamp enttäuscht von der Umsatzentwicklung. "Sony BMG macht 2005 weniger Umsatz, als wir uns erhofft haben." Das Münchner Unternehmen schneide mit einem Jahresumsatz für 2005 in Höhe von 320 Millionen Dollar um 15 Prozent schwächer ab als geplant. Steinkamp führte dies vor allem auf Verzögerungen wichtiger Veröffentlichungen seiner Stars zurück. Damit erreiche Sony BMG einen deutschen Marktanteil von 22 Prozent. Steinkamp kündigte an, im kommenden Jahr 25 Prozent Marktanteil schaffen zu wollen.

Zu Sony BMGs XCP-Kopierschutz siehe auch: (anw)

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