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Sony Playstation Portable startet in Europa

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Ab dem morgigen Donnerstag, dem 1. September 2005, wird Sonys mobile Spielkonsole Playstation Portable (PSP) auch in Europa verkauft. Zum Preis von 250 Euro erhält man eine noble Gameboy-Alternative, die zudem noch Filme abspielen kann und -- dank neuer Firmware -- zum Surfen im Internet über WLAN taugt. Um die Qualitäten als Taschenkino zu unterstreichen, fällt der Startschuss der PSP am heutigen Mittwochabend bei der Abschluss-Gala des Filmfestivals Film und 50. Bei dem Festival hatten Regisseure und Schauspieler 50 Stunden Zeit, um einen Kurzfilm zu produzieren. Die besten 15 Filme sollen demnächst auf der Webseite zum Download für die PSP bereitstehen.

Taugt nicht nur zum Spielen: Sonys PSP kommt am 1. September in den Handel.

Die Zeit für den späten Einführungstermin in Europa hat Sony für die Programmierung einer neuen Firmware 2.00 genutzt, die einen Webbrowser und bessere Video-Codecs mitbringt. Auf dem Memory Stick Pro Duo gespeicherte Filme können nun auch im H.264/AVC-Codec abgespielt werden, der dem bisherigen MPEG-4-Codec überlegen ist. Die neue Firmware liegt den Geräten auf einer Demo-Disc mit Werbetrailern zu den Spielen bei. Installiert ist die Firmware 1.52, die das Abspielen von inoffizieller Homebrew-Software nicht erlaubt.

Technisch überzeugt die PSP durch ihr 4,3-Zoll-Display im 16:9 Format, das eine Auflösung von 480 × 272 Bildpunkten liefert. Die Helligkeit ist für Innenräume gut, im Sonnenschein allerdings etwas zu schwach. Einzig die langen Schaltzeiten von über 100 ms stören und machen sich in schnellen Spiel- und Filmszenen mit verschwommenen Schwarzflächen bemerkbar. Angetrieben wird die PSP von einem MIPS-R4000-Hauptprozessor, der aus Stromspargründen bisher nur auf 222 MHz getaktet ist und sein Potenzial von 333 MHz nicht nutzt. Je nach Anwendung hält die PSP vier bis sechs Stunden mit einer Akkuladung durch.

Der WLAN-Anschluss (IEEE 802.11b) kann neuerdings seine Daten nicht nur über WEP, sondern auch über das sicherere WPA (TKIP) verschlüsseln. Der Browser baut auf die Netfront-Engine von Access auf und meldet sich als Mozilla/4.0. Damit man auf größeren Webseiten nicht horizontal scrollen muss, kann der PSP-Browser die Darstellung auf die Seitenbreite anpassen oder einzelne Spalten untereinander abbilden. Zwar lassen sich bis zu drei Webseiten über Tabs ansteuern, dies kostet jedoch sehr viel Speicherplatz, sodass der Browser bei größeren Seiten den Ladevorgang mit "Out of Memory" quittiert.

Ohne Tastatur ist die Eingabe neuer Webadressen mühsam, da man auf einem Onscreen-Zehnerblock ähnlich wie bei einem Handy die Buchstaben durch Mehrfachtippen eingibt. Immerhin gibt es Abkürzungen wie http://www. oder .com.

Gegenüber MPEG-4 ist der neue Codec H.264/AVC mehr als doppelt so effizient und erlaubt Auflösungen von 426 × 240 Bildpunkten. Für eine gute Abspielqualität reicht bereits eine Datenrate von 256 KBit/s für den Film und 64 KBit/s für den Ton, sodass eine Stunde Film gerade einmal 140 MByte benötigt. Sony bietet auf seiner japanischen Webseite bereits eine Software "Image Converter 2.1 Plus" zum Konvertieren von Filmen an. Den gleichen Job mit mehr Einstellungsmöglichkeiten erledigt die kostenlose Software PSP Video 9.

Spiele

Der futuristische Racer "Wipeout Pure" hängt alle anderen Starttitel grafisch und spielerisch ab.

Wer zunächst nur ein einziges Spiel für die PSP kaufen will, dem sei der futuristische Racer "Wipeout Pure" empfohlen, der sich spielerisch und grafisch mit Leichtigkeit an die Spitze setzt. Mit Raketen und Bomben lassen sich Gegner gehörig ausbremsen. In den höheren Ligen steigert sich das anfangs noch gemächliche Spieltempo, sodass selbst Profis lange beschäftigt sind. Sony bietet in den kommenden Monaten zu den 16 integrierten Strecken 16 weitere zum Download an -- darunter vier exklusive Tracks für Europa.

Anfänger sind bei "Ridge Racer" besser aufgehoben. In puncto Streckenauswahl und Variationen fällt "Ridge Racer" allerdings ab. Wegen der schwammigen Steuerung und ruckelnden Grafik hat uns "Need for Speed: Underground Rivals" deutlich schlechter gefallen.

Tetris auf LSD: "Lumines" hypnotisiert den Spieler mit flotten Grooves und blinkenden Animationen.

Wer ungewöhnliche Geschicklichkeitsspiele sucht, wird bei "Lumines" und "Mercury" fündig: "Lumines" kann man am ehesten als Tetris auf LSD beschreiben: Aus herunterfallenden Klötzen müssen quadratische Blöcke aus vier gleichfarbigen Steinen geformt werden. Im Hintergrund laufen blinkende Videos und House-Musik-Loops ab, mit deren Rhythmus sich das Spieltempo ändert. Der hypnotischen Wirkung kann man sich nur schwer entziehen.

"Mercury" ist eine Variante von "Marble Madness", bei der ein Quecksilbertropfen nur mit dem analogen Steuer-Knopf auf Zeit durch ein Labyrinth gesteuert werden muss. Dabei aktiviert man Schalter und Tore, indem man den Tropfen teilt und einfärbt. Der Schwierigkeitsgrad ist gut abgestimmt, schade nur, dass man bereits nach 72 Kursen fertig ist.

Von den Sportspielen hat uns das eingängige "Everybody's Golf" mit seiner übersichtlichen Steuerung und wunderschönen 3D-Kursen überzeugt. Mit jeder gewonnenen Partie wird die Spielfigur besser und kann weiter schlagen oder mehr Spin auf den Ball bringen. Beim seriöseren "Tiger Woods PGA Tour" wird hingegen durch die krude Schlagsteuerung mit dem Analog-Knopf jeder Schlag zum Glückstreffer.

Taktiker spricht am ehesten "Metal Gear Acid" an, bei dem die Bewegungen des Agenten Snake anhand von Aktions-Karten in einzelnen Runden gesteuert werden. Snake infiltriert vor dem Hintergrund einer bizarren Flugzeugentführung einen geheimen Laborkomplex und muss dort Wachen, Kameras und Robotern ausweichen.

"Untold Legends" ist ein unspektakulärer Diablo-Klon in bester Hack-and-Slay-Manier. Obwohl die grundsätzliche Spielmechanik gut umgesetzt wurde, geht die Motivation, neue Höhlen zu erforschen und Monster zu verhauen, nach einiger Zeit verloren. Dazu tragen die langweilige Hintergrundgeschichte, die nur in Texteinblendungen erzählt wird, und das eintönige Design der zufallsgenerierten Level bei.

In MediEvil muss man als wandelndes Skellet hauptsächlich andere Skelette verkloppen.

"MediEvil Resurrection" trumpft dagegen mit skurrilen Leveln und aufwendiger Sprachausgabe auf. Im Kern muss man in der Mischung aus Jump-and-Run und Action-Adventure allerdings immer wieder Skelette und Untote aufs Neue verkloppen -- da bringen selbst die eingestreuten Mini-Spielchen nur wenig Abwechslung.

Action- und Shooter-Fans locken "Spider-Man 2" und "Fired up". Der Spinnenmensch schwingt sich gekonnt durch Häuserschluchten und vermöbelt Bösewichte. Allerdings bereitet ihm die störrische Kamera mindestens ebenso viele Probleme wie sein Erzfeind Dr. Octopus, und die 19 Missionen dauern jeweils nur fünf bis zehn Minuten -- bei einem Preis von 40 bis 50 Euro pro Spiel ist das deutlich zu kurz.

Warten auf GTA: Bevor die Gangster-Simulation Ende Oktober erscheint, liefert "Fired up" eine spaßige, wenn auch etwas zu kurz geratene Alternative.

Beim Auto-Shooter "Fired Up" hält die Solokampagne nicht wesentlich länger, durch die knackigen Zeitlimits erfordern sie allerdings mehrere Anläufe, bevor man alle Kurierfahrten erledigt und die gegnerischen Fahrzeuge abgeschossen hat. In der gelungenen Mischung aus "Smugglers Run" und "Twisted Metal" kann man über WLAN gegen menschliche Gegner kämpfen und online neue Kurse herunterladen.

Fazit

Mit der PSP bringt Sony ein mobiles Multitalent auf den Markt, das nur wenige Wünsche offen lässt. Wer bisher nur den Gameboy kannte, findet auf der PSP mobile Spiele auf einem neuen technischen Niveau, das den Vergleich zur Playstation 2 nicht zu scheuen braucht.

Das Zubehör des 250 Euro teuren "Value Pack" ist jedoch weitgehend nutzlos: Die Ohrhörer sind aufgrund von EU-Bestimmungen viel zu leise, lassen sich aber durch lautere ersetzen. Der 32 MByte große Memory Stick reicht allenfalls zum Speichern von Spielständen. Wer Filme, Musik oder Fotos mitnehmen will, legt sich besser einen 512-MByte- oder gar 1-GByte-Stick zu. Die Stoffhülle sollte man durch eine vollwertige Tasche ersetzen, die genügend Platz für UMDs und Ohrhörer mitbringt. Auf Sonys für die PSP entwickelte Format Universal Media Disc, mit dem der Konzern einen Standard für Filme auf mobilen Geräten schaffen will, bringt beispielsweise Fox Filme auch in Deutschland heraus.

Weitere Infos zur PSP und Tipps zum Kodieren von Videos finden Sie in c't 19/05 (ab Montag, dem 5. September 2005, im Handel). (hag)