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Sonys E-Book-Reader samt Büchern bei Libri und Thalia

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Sony hat heute zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse gemeinsam mit den Buchhändlern Libri und Thalia ihr Geschäftsmodell für den Deutschland-Start des E-Book-Readers im Frühjahr 2009 präsentiert. Der Elektronikhersteller wird den im letzten Jahr vorgestellten PRS-505 über den Buchgroßhändler Libri vertreiben, Thalia wird präferierter Einzelhändler. Als Verlage, die zukünftig auch Bestseller als E-Books zur Verfügung stellen werden, hat Libri große Namen wie Hanser, Bertelsmann oder Beltz ins Boot holen können.

Sonys E-Book-Reader samt Büchern bei Libri und Thalia (3 Bilder)

Sony E-Book-Reader PRS-505 ist 12 Zentimeter breit, 17 hoch und weniger als einen Zentimeter dick. Mit 260 Gramm Gewicht trägt er sich ähnlich gut oder schlecht wie normale Bücher. (Bild: Sony)

Das deutsche Vertriebsmodell des Readers unterscheidet sich von dem in den USA, wo Sony mit dem Online-Bookstore Connect und Konkurrent Amazon im eigenen Shop selbst die elektronischen Bücher für ihre Lesegeräte vertreiben: Hierzulande wird es keinen Sony-Shop geben, sondern Libri übernimmt den Vertrieb der Geräte und E-Books. Als erster Einzelbuchhändler wird Thalia beides ab Frühjahr 2009 in Läden und online anbieten. Für den Verkaufsstart bei Thalia soll in 170 der 240 deutschen Thalia-Filialen spezielle Verkaufsdisplays für den Kauf von Lesegeräts und E-Books aufgestellt und das Personal entsprechend geschult werden. Es gibt weder eine Content-, noch eine Vertriebsexklusivität, andere Buchhändler können in Kooperation mit Libri ebenfalls Lesegerät und Inhalt vertreiben.

Kleiner als eine DIN-A5-Seite ist Sonys Lesegerät.

(Bild: Sony)

Bei den Buchpreisen, so Dr. Pascal Zimmer von Libri, werde man sich an die Empfehlung vom Börsenverein des deutschen Buchhandels halten. Dieser hatte vor zwei Wochen klargestellt, das aus seiner Sicht die in Deutschland herrschende Preisbindung auch bei E-Books gilt. Die Verlage würden somit den Preis für die E-Books vorgeben, der aber durchaus günstiger als der für die gedruckten Ausgaben sein könnte.

Für geschützte Inhalte verwendet Sony nicht ihr in den USA eingeführte proprietäre Format BBeB, sondern setzt ganz auf den offenen Standard EPUB mit einem Digital Rights Management (DRM) von Adobe. Dabei bleibt es den Verlagen überlassen, ob und wie die E-Books mit digitalem Rechtemanagement geschützt werden, teilte Dr. Pascal Zimmer mit. Er machte aber kein Geheimnis daraus, dass die meisten der kooperierenden Verlage ihre Bücher schützen werden. Möglich sei eine Beschränkung auf den Nutzer, oder etwas enger auf eine begrenzte Anzahl von Lesegeräten. Freie Inhalte, beispielsweise in den Formaten TXT, DOC, PDF oder der freien Variante des EPUB-Standards zeigt das PRS-505 natürlich ebenfalls an.

Zu den kooperierenden Verlagen zählen große Namen wie Bebltz, Bertelsmann, Campus, dtv, Goldmann, Hanser, Heyne, Lübbe, Luchterhand, die Teile ihrer Editionen als E-Books im Frühjahr 2009 bei Libri verfügbar machen werden. Für die Inhalte erhält Libri kein Exklusivrecht.

E-Books können Text auf Wunsch vergrößern, haben aber trotz allen Fortschritten der Displaytechnik derzeit noch ein schlechter lesbares Bild als normales Papier.

(Bild: Sony)

Zum Einführungspreis des PRS-505 machte Jeffry von Ede, Geschäftsführer von Sony Deutschland, keine Angaben. Man werde sich beim Preis an Großbritannien orientieren, wo der PRS-505 für 200 britische Pfund über den virtuellen Ladentisch geht, was vielleicht auf einen Verkaufspreis von 299 Euro hinführt. Vorerst sei aber nicht geplant, den in den USA ab Mitte November verfügbaren Nachfolger PRS-700 in Deutschland anzubieten, der den PRS-505 um eine integrierte LED-Leseleuchte und einen Touchscreen erweitert.

Sony schweigt sich bisher aus, wie erfolgreich die E-Book-Reader in den USA und Großbritannien sind, und auch bei den Erwartungen für den deutschen Markt hielt Jeffry von Ede sich bedeckt. Man sei jedenfalls "bescheiden". Mit dem PRS-505 versucht sich nach dem (bei Libri erhältlichen) iLiad von iRex Technologies und dem Cybook 3Gen von Bookeen bereits ein dritter Hersteller von E-Ink-Geräten auf dem deutschen Markt. Die Partnerschaft mit Libri, Thalia und vor allem den Verlagen, die den Lesestoff liefern, klingt jedenfalls viel versprechend. Konkurrent Amazon muss jetzt nachziehen, um nicht den Anschluss zu verlieren. Bisher war von Amazon auf der Buchmesse nichts zu dem erwarteten Kindle-Start in Deutschland zu hören, das Gerät wurde lediglich in einer Präsentation für mögliche Partner aus den Reihen der Verlage vorgestellt.

Der PRS-505 setzt bei der Displaytechnologie auf elektronische Tinte (E-Ink) ohne aktive Beleuchtung. Damit benötigt man zwar eine Leselampe für den abendlichen Lesegenuss, dafür soll die Akkuladung nach Angaben von Sony für das Lesen von 6800 Seiten ausreiche – nur das Umblättern kostet bei E-Ink Strom. Das Display fällt mit 6 Zoll (9 cm × 12 cm) etwa 10 Prozent kleiner als eine bedruckte Taschenbuchseite aus und zeigt 800 × 600 Pixel an. Die Schrift wird in 167 dpi recht scharf dargestellt, acht Grautöne lassen sich anzeigen. Mit einem Gewicht von 250 (PRS-505) wiegt das Gerät nicht mehr als ein Taschenbuch. Großer Schwachpunkt gegenüber dem Amazon Kindle ist die fehlende Mobilfunkverbindung, die den Buchkauf auch im Park oder am Flughafen erlaubt. Wer sich einen Sony-Reader besorgt, muss Bücher per USB von einem PC auf das Gerät laden. Etwa 160 Bücher passen auf den internen Speicher, der sich per SD-Card, MemoryStick und USB-Stick erweitern lässt. (Achim Barczok/c't) (jow)