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Sonys Spotify-Vertrag: Tantiemen sind nur Teil des Puzzles

Gratis-Firmenanteile, Millionenpauschalen und kostenlose Werbeflächen: Spotify muss einiges geben, um Musik streamen zu dürfen. Tantiemen fließen dann auch noch.

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Spotify-Logo mit Kopfhörern

Ob und wie Sony Music seine Künstler am Gesamterlös beteiligt, ist nicht Gegenstand des Vertrags.

(Bild: dpa, Ole Spata)

Streaming entwickelt sich zum wichtigsten Standbein des Musikbusiness. Künstler klagen, dass sie dabei kaum etwas verdienen. Gleichzeitig zahlen Anbieter wie Spotify Millionen für die Streamingrechte. Ein von The Verge veröffentlichter Vertrag zwischen Sony Music und Spotify lässt vermuten, wie das zusammenpasst: Tantiemen muss Sony mit seinen Künstlern teilen, andere Einnahmen bleiben vielleicht in der Konzernkasse. Und die Tantiemen spielen in der Geschäftsbeziehung zwischen Sony und Spotify nur eine Nebenrolle.

Spotify Technology ist in Luxemburg registriert.

(Bild: Cayambe CC-BY-SA 3.0)

Der Vertrag galt für die USA und Kanada für zwei Jahre, wobei Sony Music eine Option für ein drittes Jahr ziehen konnte. Das Dokument wurde Anfang 2011 unterzeichnet und trat zu einem späteren Zeitpunkt desselben Jahres in Kraft. Es ersetzte einen früherer Vertrag zwischen Spotify und der Sony-Tochter IODA (heute: The Orchard). Wie Sony seine Einnahmen verteilt, ist nicht Gegenstand des Abkommens.

Spotify musste im ersten Jahr mindestens 9 Millionen US-Dollar zahlen, im zweiten Jahr mindestens 16 Millionen und im gegebenenfalls dritten Jahr mindestens 17,5 Millionen. Diese Beträge wurden als Vorauszahlungen für Tantiemen (Label Fees) verbucht. Bei geringeren Tantiemen gab es aber keine Rückerstattung. Nur aus dem ersten Jahr konnten maximal drei Millionen als Guthaben ins das zweite Jahr mitgenommen werden. Ansonsten verfielen nicht "verbrauchte" Vorauszahlungen.

Die Vorauszahlungen wurden außerdem angehoben, wenn irgendein anderes Label mehr bekommen sollte. Die Berechnung orientierte sich an den Anteilen an allen Streams in einem Jahr, die den jeweiligen Labels zuzurechnen waren – quasi die Marktanteile auf Spotify. Weil eine Senkung der Vorauszahlungen nicht vorgesehen war, führte jede Verschiebung von Marktanteilen zu höheren Zahlungen. Es dürfte für Spotify also immer teurer gewesen sein, als es die genannten Beträge scheinen lassen.

Zusätzlich musste Spotify Sony kostenfreie Werbefläche zur Verfügung stellen, die das Label ausdrücklich gewinnbringend weiterverkaufen durfte. Als rechnerischer Wert für die drei Jahre sind 9 Millionen Dollar vorgesehen. Maßstab ist aber nicht der vergleichbare Marktpreis, sondern der geringste Preis, den irgendein Spotify-Werbekunde zahlt – oder 50 Euro pro Eintausend Nutzerkontakten (CPM), was eben billiger war.

Die Zentrale von Sony Music in Manhattan.

(Bild: David Shankbone, cropped by Beyond My Ken CC-BY-SA 3.0)

Außerdem musste Spotify zehn Prozent des gesamten, nicht verkauften Werbeinventars kostenfrei Sony überlassen – oder die Hälfte aller nicht verkauften Werbeflächen im Umfeld von Sony-Streams, was immer mehr war. Diese Reklameplätze durfte Sony für Eigenwerbung nutzen. Für weitere Eigenwerbung konnte das Label Werbeschaltungen zum erwähnten Diskontpreis dazukaufen, bis zu einem Gesamtpreis von 15 Millionen Dollar.

Grundsätzlich hält Sony in dem Vertrag fest, dass es pro werbefinanziertem Stream einen hörbaren Werbespot erwartet. Allerdings wollten die Unternehmen gemeinsam verschiedene Reklamevarianten ausprobieren, so dass als Mindestgrenze ein 30-Sekunden-Werbeblock pro 20 Minuten Stream festgelegt wurde. Dazu kommt sichtbare Verbraucherinformation.

Als eigentliche Tantiemen musste Spotify mindestens 60 Prozent seines Bruttoumsatzes an die Label ausschütten. Davon bekam Sony dann seinen "Marktanteil". Doch Sony konnte auf einer alternativen Berechnung bestehen, falls diese mehr Geld einbrachte.

Dabei wurden 0,225 bis 0,25 Dollar-Cent je werbefinanziertem Stream, plus drei Dollar pro Monat und normalem Abonnenten, plus sechs Dollar und Monat je Premium-Abonnenten veranschlagt. Diese Sätze galten auch dann, wenn ein Abonnent Spotify in einem Monat überhaupt nicht genutzt hatte. Für länger im Voraus bezahlte Abos gibt es maximal 15 Prozent Rabatt.

Spotify verpflichtete sich dazu, mindestens eine Million zahlender Abonnenten in Nordamerika zu gewinnen. Gleichzeitig mussten mindestens zehn Prozent aller User zahlende Abonnenten sein. Indirekte Abonnenten, die etwa über einen Mobilfunkvertrag zu Spotify kamen, wurden nur teilweise angerechnet. In jedem Monat, in dem Spotify diese Ziele nicht erreicht hat, wurden "Top-Up Fees" fällig. Sie waren zusätzlich zu den Vorauszahlungen und Tantiemen zu entrichten.

Der Vertrag enthält zudem Regelungen über den Dienst selbst: Beispielsweise sind Testabos auf sieben Tage beschränkt, der werbefinanzierte Dienst darf nicht auf mobilen Endgeräten oder Braunware laufen, und ab dem 7. Monat darf ein Hörer der werbefinanzierten Variante jedes Musikstück höchstens fünf Mal abspielen. Und sollte irgendein anderes Label bessere Bedingungen für irgendeinen wichtigen Vertragsteil herausverhandelt haben, galt automatisch die bessere Variante auch für Sony.

Im Vertrag nicht angesprochen wird, dass Sony selbst Teilhaber von Spotify ist. 2009 berichtete Computer Sweden, dass sich die großen Label rund 18 Prozent an Spotify gesichert haben, und zwar praktisch gratis. Das mussten die Spotify-Gründer hinnehmen, um überhaupt Streamingrechte zu bekommen.

Sony BMG soll damals für 5,8 Prozent der Spotify-Aktien symbolische 2935 Euro bezahlt haben. Seit vergangenem Jahr suchen die Labels Berichten zu Folge einen Käufer für Spotify. Rufpreis: 10 Milliarden Dollar. Damit wären die 5,8 Prozent mehr als eine halbe Milliarde Euro wert. (ds)