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SoundFi: Mit Kopfhörer im Kino

Das US-Unternehmen SoundFi hat in Deutschland erstmals seine Audio-Technik vorgestellt, mit der jeder Kinogänger die Sprachfassung seiner Wahl hört.

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SoundFi: Mit Kopfhörer im Kino

(Bild: SoundFi)

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen im Kino und alle Zuschauer haben Kopfhörer auf. Genau dies konnten die Zuschauer am gestrigen Mittwochabend in einer Sondervorstellung des Stephen-King-Neuverfilmung "Friedhof der Kuscheltiere" (englischer Originaltitel "Pet Sematary") im Cinemaxx-Kino am Potsdamer Platz in Berlin erleben.

Demonstrieren wollte das Unternehmen SoundFi aus Arizona damit die Leistungsfähigkeit seines Systems "SoundFi". Dieses liefert passend zum Film auf der Leinwand über eine Smartphone-App und einen an Handy angeschlossenen Kopfhörer binauralen Sound in verschiedenen Sprachfassungen. Ein Zuschauer kann also beispielsweise den Film im englischen Original schauen, während der Nachbar die deutsche Synchronfassung hört.

Die Idee dahinter ist, auch Zuschauern den Kinobesuch zu ermöglichen, die die Landessprache nicht ausreichend beherrschen oder einfach Filme lieber in der Originalfassung anschauen. Ebenso könnten beispielsweise für seheingeschränkte Besucher spezielle Fassungen angeboten werden.

Der Ton wird nicht während der Vorführung zum Handy gestreamt, sondern muss über die firmeneigene App (verfügbar für Android und iOS) vorab als etwa 500 MByte große Datei heruntergeladen werden. Die Synchronisation läuft über ein für den Menschen nicht hörbares Signal, das während des Films im Kinosaal ausgestrahlt und vom Handy über dessen Mikrofon empfangen und ausgewertet wird.

Realisiert wurde die Vorführung in Berlin zusammen mit dem Hollywood-Studio Paramount Pictures und Sennheiser, die dafür geschlossene, ohrumschließende Kopfhörer vom Typ HD4.50BTNC mit Noise-Cancelling-Funktion zur Verfügung stellten. So lässt sich auf Knopfdruck das Rascheln und Flüstern der anderen Kinobesucher ausblenden.

Mehrsprachiger Trailer. (Quelle: oundFi 3D Sound)

Eine Audiokopie lässt sich nicht einfach ziehen: Die SoundFi-App deaktiviert Aufnahmefunktionen des Smartphones, zudem ist das analoge Audiosignal mit einem unhörbaren Audio-Wasserzeichen versehen, das Daten zur Vorstellung und die UDID des Handys enthält.

Wir entschieden uns für die englische Originalfassung, um die Lippensynchronität überprüfen zu können. Diese war über die Spieldauer von 101 Minuten fast durchgehend gegeben. Lediglich zweimal liefen Bild und Ton auseinander. Das System fing sich aber jeweils nach zwei, drei Sekunden wieder.

Die Tonqualität konnte insgesamt überzeugen, die von SoundFi und Sennheiser selbst angefertigte binaurale Abmischung kam durchaus räumlich rüber – inklusive einiger guter Höheneffekte. Kinoton-Enthusiasten mögen eventuell klare direktionale Effekte aus dem Rückraum vermissen, wie sie ein Raumklangsystem aus Surroundboxen liefern können. Dem Durchschnittszuschauer dürfte es aber wohl wichtiger sein, Filme in der gewünschten Sprache gucken zu können. (nij)