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Technology Review

Soziale Medien verraten psychische Probleme

Taiwanische Forscher haben ein Verfahren entwickelt, mit dem sich aus Tweets Rückschlüsse auf eine bipolare Störung ziehen lassen.

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Soziale Medien verraten psychologische Probleme

(Bild: "Lithium is often used to treat bipolar disorder" / James Heilman / cc-by-sa-4.0)

Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt: Menschen mit bipolaren Störungen pendeln oft zwischen manischen, hyperaktiven Phasen und tiefen Depressionen – und nicht selten bleibt die Erkrankung unentdeckt. Ein Wissenschaftlerteam aus Taiwan will nun helfen, die Symptome frühzeitig zu erkennen und Menschen so schneller in Behandlung zu bringen – und zwar ausgerechnet mittels sozialer Netzwerke, berichtet Technology Review in seiner Online-Ausgabe ("Bipolare Störung per Twitter diagnostiziert").

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Die Forschergruppe um Yen-Hao Huang von der National Tsing Hua University in Taiwan hat eine Methode entwickelt, mit der sich Anzeichen für eine bipolare Störung aus Twitterfeeds erkennen lassen. Sie glauben, dass ihre Methode große Auswirkungen auf bisherige Diagnosemodelle haben könnte.

Der Beginn einer bipolaren Erkrankung beginnt meist ähnlich. Betroffene reden viel und über andere Personen hinweg, haben Schlafstörungen und starke Stimmungsschwankungen. Und wie sich zeigt, teilen viele Betroffene Details über ihren Zustand, darunter auch zu Diagnostikterminen, auf Plattformen wie Twitter.

Dies führte bei den Forschern zu der Frage, ob sich bereits zuvor aus Tweets Betroffener erkennen lassen könnte, dass sie später als bipolar diagnostiziert werden. Dazu analysierten sie rund 10.000 Tweets, die zwischen 2006 und 2016 von mehr als 400 Personen kamen, die mit einer bipolaren Störung diagnostiziert wurden. Diese Tweets wurden dann mit einer ähnlichen Anzahl von Personen verglichen, die zufällig ausgesucht als Kontrollgruppe dienten.

Verschiedene Daten wurden dann zum Trainieren eines Algorithmus aus dem Bereich des maschinellen Lernens verwendet, der zwischen Menschen mit und ohne früher bipolarer Störung unterscheiden lernen sollte. Das Ergebnis war ordentlich: Die Treffgenauigkeit lag schließlich bei mehr als 90 Prozent. Besonders gut funktionierte dabei ein phonologische Kriterium, bei dem die Wortwahl analysiert wurde. Hier erreichte der Classifier eine Quote von mehr als 91 Prozent.

Mehr dazu bei Technology Review Online:

[Update 18.01.18 11:50 Uhr:] Bipolare Störungen sind eine sogenannte affektive Störung und gehören nicht zu den Persönlichkeitsstörungen, da sie sich auf die Stimmung des Betroffenen auswirken. Der Beitrag wurde entsprechend angepasst. (bsc)

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