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Soziale Netzwerke: RTL schiebt "Wer kennt wen" aufs Abstellgleis

Das langsame Sterben der deutschen sozialen Netzwerke geht weiter. SchülerVZ gibt es schon nicht mehr und nun scheint dem einst auch sehr beliebten "Wer kennt wen" das gleiche Schicksal zu drohen.

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Das deutsche soziale Netzwerk "Wer kennt wen" (wkw) steht offenbar vor dem Aus. Eigentümer RTL will das Portal "ab Mitte des Jahres nicht mehr weiter betreiben", wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. RTL Interactive begründet den Schnitt mit massiven Reichweitenverlusten des Portals. Zwar laufen noch Gespräche mit möglichen Investoren, doch sieht es ganz danach aus, dass das Netzwerk im Sommer geschlossen wird. Für 40 Mitarbeiter bedeutet das eine ungewisse Zukunft.

Mit einem Relaunch im vergangenen Herbst hatte RTL noch versucht, "Wer kennt wen" für eine neue Zielgruppe zu positionieren.

(Bild: Screenshot)

Für einige der betroffenen Mitarbeiter "prüft" RTL "Alternativen im Konzern". Auch besteht offenbar die Hoffnung, einige Unternehmensteile samt Mitarbeitern bei Investoren unterzubringen. Bei den Gesprächen mit Investoren gehe es eher um Betriebsvermögen und Personal als um die Fortführung des Unternehmens, berichtet das Branchenblatt Werben und Verkaufen (w&v). Mitte des Jahres dürfte damit Schluss sein bei "Wer kennt wen".

2006 von zwei Studenten gegründet, etablierte sich "Wer kennt wen" bald als Nummer zwei hinter StudiVZ. RTL stieg 2008 bei dem Unternehmen ein und übernahm "Wer kennt wen" ein Jahr später komplett. Mit der Reichweite, die um 2010 ihren Höhepunkt erreicht hatte, ging es dann langsam bergab. Von den einstmals fast 10 Millionen registrierten Nutzern sind laut Comscore noch gut 2 Millionen aktiv. Zu besseren Zeiten verzeichnete das Netzwerk über 160 Millionen Besuche (Visits) pro Monat, im Januar 2014 waren es laut IVW noch knapp 14 Millionen.

RTL hatte mit einem Relaunch und einer Werbekampagne im Herbst 2013 versucht, das Netzwerk als "Heimat im Netz" für eine "weniger urbane, tendenziell ältere Zielgruppe" zu positionieren, wie w&v es formuliert. Keine schlechte Idee: "Wer kennt wen" hatte seine regionalen Stärken schon immer eher nicht in den Großstädten. Doch der Kurswechsel kam bei der Nutzerschaft nicht besonders gut an, die Visits brachen weiter ein.

Das Schicksal von "Wer kennt wen" gleicht dem des größeren Bruders "StudiVZ" und dessen Ablegern: Auch bei dem von Berliner Studenten gegründeten Netzwerk war ein großer Medienkonzern eingestiegen mit der Hoffnung, vom Boom sozialer Netzwerke langfristig profitieren zu können. Mit dem Einsteig von Facebook auf dem deutschen Markt änderte sich die Landschaft radikal, Facebook war schnell das Maß aller Dinge: Inzwischen nutzen jeden Monat über 25 Millionen Menschen in Deutschland Facebook (Stand September 2013). Auch Holtzbrinck hat sein soziales Netzwerk längst fallen gelassen wie eine heiße Kartoffel. (vbr)

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