Menü

Sozialpädagoge: Verteufelung von Computerspielen kontraproduktiv

vorlesen Drucken Kommentare lesen 192 Beiträge

Spielt ihr Kind exzessiv am Computer, hilft es nicht, wenn Eltern das Spiel verteufeln. Sätze wie "Das Spiel ist daran schuld, dass du sitzengeblieben bist" oder "Die Entwickler der Spiele müsste man verklagen" führten eher zu mehr Streit in der Familie, erläutert der Sozialpädagoge Jannis Wlachojiannis von Lost in Space, der Beratung für Computerspiel- und Internetsüchtige des Caritasverbandes Berlin. Stattdessen sollten die Eltern versuchen, mit ihrem Kind eine einvernehmliche Lösung über die Spieldauer zu finden.

Gut sei, wenn sich Betroffene und Angehörige auf eine bestimmte Stundenzahl pro Woche einigen, rät Wlachojiannis. Die sollte sich der Spieler aber selbst einteilen können. Ist die Spielzeit zum Beispiel schon vor dem Wochenende verbraucht, könne der PC erst wieder zum Wochenanfang genutzt werden. Wichtig sei, dass die Eltern auf die Einhaltung der Vereinbarung achten. Das lasse sich durch Software unterstützen. Im Internet gebe es benutzerfreundliche und teilweise kostenlose Software zum Herunterladen, mit denen Eltern die Nutzungsdauer des Computers und des Internets festlegen könnten.

Wlachojiannis unterbreitet seine Ratschläge in der vierteljährlich erscheinenden Zeitschrift Kinder- und Jugendschutz in Wissenschaft und Praxis der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz. Die nun erscheinende Ausgabe 1/2010 hat den Themenschwerpunkt "Internetsucht", kostet 16 Euro und enthält unter anderem Beiträge der Diplom-Psychologin Sabine Meixner, des Medienpädagogen Dr. Martin Geisler und des Sozialrichters Sigmar Roll. (anw)