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Soziologe: Das Internet bringt ständig neue Jugendszenen hervor

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Das Internet bringt nach Einschätzung des Dortmunder Soziologen Daniel Tepe immer mehr neue Jugendszenen hervor. "Es gibt Szenen, die vor allem im Internet stattfinden – wie zum Beispiel die der Online-Rollenspieler", sagte Tepe der dpa. Die Videoplattform YouTube spiele dabei eine große Rolle. "Die ist voll von Videos aus Jugendszenen", meinte der an der Universität Dortmund forschende Wissenschaftler. Alte Szenen würden verstärkt in die digitale Datenwelt abwandern. Dort entstehe etwa die moderne Version einer antifaschistisch orientierten Szene ("Antifa"). Aber auch neue Gruppen würden sich online zusammenfinden.

"Szenen entstehen um Musikstile, Modestile und Sportarten", erklärte Tepe. In diesen Freizeitwelten schlössen sich Jugendliche mit denselben Interessen zu Netzwerken zusammen. Das Szeneportal des Lehrstuhls für Allgemeine Soziologie an der Uni Dortmund stelle 21 solcher Szenen vor – darunter die "Junghexen", die sich mit Magie beschäftigen, oder eine Gruppe extremer Fußball-Fans namens "Ultras". Entstanden sei das Phänomen der Szene in den 70er-Jahren aus einem Bedürfnis nach Gemeinschaft und Spaßerlebnissen.

Zu den größten Szenen in der Bundesrepublik gehören Tepe zufolge die Hip-Hop-, Techno- und Skater-Bewegung. Genaue Zahlen ließen sich allerdings schwer bestimmen. So gibt es nach Schätzungen des von Tepe mitgegründeten Portals für Szenenforschung jugendszenen.com insgesamt mehr als drei Millionen Hip-Hop-interessierte Jugendliche in Deutschland. Die Zahl der Aktiven sei aber wesentlich geringer.

Derzeit schwappe ein neuer Trend aus Japan nach Deutschland: die "visual kei"-Szene. "Die "Visus" versuchen, ihre Vorbilder aus Mangas nachzumachen", sagte Tepe. Vor allem die extremen Frisuren oder Kostüme aus den japanischen Comics würden dort imitiert. Zu den "Visus" gehörten viele Mädchen, bisher sei die Szene in Deutschland jedoch recht klein. (Katharina Heimeier, dpa) / (jk)