SpaceX: Immense Erwartungen trotz heikler Finanzen

Der Raumfahrtkonzern SpaceX ist nicht an der Börse gelistet und muss deshalb seine Finanzen nicht offenlegen. Eine US-Zeitung hat nun trotzdem einen Einblick erhalten und demnach hatten die beiden gescheiterten Raketenstarts schwere finanzielle Folgen.

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SpaceX braucht am morgigen Samstag einen erfolgreichen Start.

(Bild: SpaceX<br>)

Von
  • Martin Holland

SpaceX macht offenbar seit 2015 und infolge von zwei gescheiterten Raketenstarts Verluste, nachdem das US-Raumfahrtunternehmen vorher jahrelang profitabel war. Das geht aus internen Zahlen des Konzerns hervor, über die das Wall Street Journal berichtet. Die stammen demnach aus dem Frühjahr 2016 und zeigen, dass das Unternehmen 2015 erstmals Verluste machte, was sich auch 2016 angesichts vieler aufgeschobener Raketenstarts und eines gescheiterten Starts nicht geändert haben dürfte. Das könne auch erklären, warum das Unternehmen den Hinweis es arbeite "profitabel und mit positivem Cashflow" von der eigenen Internetseite entfernt habe.

Die beiden Abstürze im Juni 2015 und im September 2016 bedeuteten demnach herbe finanzielle Rückschläge für SpaceX. Nachdem das Unternehmen bis 2015 auf 18 erfolgreiche Raketenstarts in Folge gekommen war, waren demnach für 2016 insgesamt 20 vorgesehen, von denen dann aber nur acht erfolgten. Der neunte Start scheiterte, danach folgte kein weiterer. Die Konkurrenten Boeing und Lockheed kommen demnach auf mehr als 100 erfolgreiche Starts in Serie, die europäische Arianespace immerhin auf 75.

Am morgigen Samstag will SpaceX zum ersten Mal seit dem letzten Crash wieder eine Rakete starten und damit die Aufholjagd beginnen, immerhin müssen viele Aufträge erfolgreich abgearbeitet werden. Obwohl SpaceX nie mehr als acht Starts pro Jahr geglückt sind, seien für dieses Jahr allein 27 geplant und für 2019 schon 52, also einer pro Woche. Angesichts dieser extrem ambitionierten Pläne ist es für das Unternehmen von entscheidender Bedeutung, dass der Start am Samstag klappt.

Die nun veröffentlichten Zahlen zeigen auch die weiterhin große Abhängigkeit von staatlichen Auftraggebern von Raketenstarts. So sei darin ein für 2016 erwarteter Umsatz von insgesamt 1,8 Milliarden US-Dollar aufgeschlüsselt, der zur Hälfte von der US-Weltraumagentur NASA (775 Millionen US-Dollar) und dem US-Verteidigungsministerium (115 Millionen US-Dollar) getragen werden sollte. Das dürfte nach den vielen abgesagten Starts aber nicht annähernd erreicht worden sein.

Die vom Wall Street Journal eingesehenen Zahlen geben auch einen Blick auf die Erwartungen des Unternehmens von Elon Musk. So setzt es immense finanzielle Hoffnungen auf das geplante Geschäft mit einem Satelliten-Internet. Schon 2020 soll der damit erzielte Umsatz den der Raketenstarts übertreffen und 2025 dann einen operativen Gewinn von 15 bis 20 Milliarden US-Dollar erwirtschaften. Ob der Markt tatsächlich so groß ist, muss sich noch zeigen, aber zumindest ist SpaceX nicht das einzige Unternehmen, das darauf setzt. So arbeitet etwa Airbus an einem ähnlichen Projekt mit, um Internet in entlegene Regionen zu bringen. (mho)