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SpaceX plant Riesenrakete für Linienverkehr zum Mars

Elon Musk will die Menschheit zur interplanetaren Spezies machen. In weniger als zehn Jahren will er ein von Himmelskörper zur Himmelskörper hüpfendes Raumschiff für Hundert Passagiere plus Cargo gebaut haben.

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Waagrechter Feuerstrahl aus Raketentriebwerk

Über 50 Raptor-Triebwerke (hier bei einem Test) würden benötigt.

(Bild: SpaceX)

Die Grundstruktur des Raumschiffs soll aus Kohlefaser bestehen.

(Bild: SpaceX)

In einer Aufsehen erregenden Präsentation hat SpaceX-Gründer Elon Musk am Dienstag seine Pläne zur kommerziellen Eroberung des Mars vorgestellt. Seine Firma arbeitet demnach an einem Interplantaren Transportsystem (ITS), das eines Tages Flüge zum Mars zum Median-Preis eines US-Eigenheims ermöglichen soll. Das Raumschiff muss dafür praktisch zur Gänze wiederverwertbar sein. Der Treibstoff würde für den Hinflug im Erdorbit eingefüllt, für den Rückflug am Mars erzeugt.

Das Raumschiff soll Platz für bis zu 100 Personen plus Cargo haben und insgesamt 300 Tonnen zum Mars befördern können. Der Flug besteht den Plänen zufolge aus mehreren Etappen: Zunächst bringt eine über 77 Meter hohe Antriebsstufe mit nicht weniger als 42 Raptor-Motoren das fast 50 Meter lange Raumschiff in einen niederen Erdorbit (LEO). Die Antriebsstufe kehrt dann zur Erde zurück, packt einen Treibstofftanker und fliegt damit erneut in den LEO.

SpaceX' Präsentationsclip für das Interplanetary Transport System – Quelle: SpaceX

Dort wird der Treibstoff in die Tanks des Raumschiffs gepumpt, das dann damit zum Mars aufbricht. Es hat neun Raptors, sechs davon für Schub im Vakuum. Die Antriebsstufe kehrt indes mit dem leeren Tanker erneut zur Erde zurück. Monate später landet das Raumschiff auf dem Mars. Dabei verwendet es seine eigenen Triebwerke als Bremsen.

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Aufgrund der geringen Marsanziehungskraft benötigt das Raumschiff keine große Antriebsstufe, um wieder abzuheben. Es kann mit seinen eigenen Raptor-Triebwerken ins All aufbrechen. Auf diese Weise wäre ein "Herumhüpfen" zwischen Planeten mit geringer Schwerkraft sowie Monden möglich, sofern dort jeweils genug Treibstoff produziert werden kann.

Als Treibstoff hat SpaceX Methan ausgewählt, das mit flüssigem Sauerstoff zusammengeführt wird. Auf dem Mars würde das Methan aus dem in der Marsatmosphäre verfügbaren Kohlenstoffdioxid erzeugt. Der flüssige Sauerstoff würde aus dem am Mars gefrorenen Wasser entnommen.

Die Antriebsstufe soll nicht weniger als 1.000 Starts aushalten, der Treibstofftanker Hundert und das Raumschiff immerhin ein Dutzend. So sollen die Beförderungskosten zum Mars pro Tonne auf 140.000 US-Dollar gedrückt werden. Ein Mensch werde eines Tages für weniger als 200.000 US-Dollar (180.000 Euro) zum Mars reisen können. Das ist ein Bruchteil der bislang projektierten Kosten.

Solche "Billigtickets" machten die Entstehung sowie das sich selbst finanzierende Fortbestehen von Menschenkolonien auf dem Mars sehr wahrscheinlich, glaubt Musk. Einen konkreten Finanz- und Zeitplan hat der Kanadier – wenig überraschend – noch nicht.

SpaceX berichtet von einer Pressekonferenz, die Musk nach seiner Präsentation auf dem International Astronautical Congress am Dienstag gegeben hat. Demnach ist derzeit nur ein kleiner Teil des SpaceX-Budgets für das Interplanetare Transportsystem vorgesehen, einige Dutzend Millionen Dollar. In etwa zwei Jahren soll aber der Großteil der Belegschaft am ITS arbeiten.

Dann würde SpaceX 300 Millionen US-Dollar pro Jahr investieren. In Summe werde die Entwicklung wohl in der Größenordnung von zehn Milliarden US-Dollar kosten. Musk hofft auf Mithilfe der öffentlichen Hand, ein "riesiges Public Private Partnership" also. Ende 2024 könnte die erste bemannte ITS-Mission starten und im Jahr darauf den Mars erreichen. Das ist sehr optimistisch, wie auch Musk zugab. Aber: "Ich glaube nicht, dass es signifikant später sein wird." (ds)

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