Spahn: Daten für Gesundheitsforschung nutzen

Der Bundesgesundheitsminister will Patientendaten anonymisiert zu Forschungszwecken einsetzen. Das Misstrauen gegenüber dem Staat sieht er problematisch.

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(Bild: kentoh / Shutterstock.com)

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Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich nachdrücklich für den anonymisierten Einsatz von Patientendaten in der medizinischen Forschung ausgesprochen. "Wenn tausende Patienten mit Diabetes, Krebs oder Demenz ihre Daten verfügbar machten, könnten wir daraus lernen. Daten können Menschen heilen", sagte Spahn am Samstag auf der Innovationskonferenz DLD in München. Man könne zwar über die Ethik der Datennutzung diskutieren – aber dann auch über die entgangenen Chancen, Menschen zu helfen.

Ein Problem sieht Spahn auch in dem Misstrauen gegenüber dem Staat, während US-Unternehmen bei ihrer Datensammlung freiere Hand hätten. Wenn er vorschlage, einen Rahmen für die Auswertung anonymisierter Abrechnungsdaten von Krankenversicherungen zu Forschungszwecken zu schaffen, werde daraus ein "großer, großer Skandal", beklagte sich der Minister. Wenn aber gleichzeitig der Internet-Riese Google den Fitnessarmband-Spezialisten Fitbit mitsamt der Daten übernehme, gebe es nicht mal eine Debatte darüber. "Solange es dieses grundsätzliche Vertrauen in große US-Konzerne gibt und das grundsätzliche Misstrauen gegenüber dem Staat, der die Datennutzung organisiert, werden wir in Deutschland und Europa keinen Weg finden, konkurrenzfähig zu sein".

Der Chef des Medizintechnologie-Start-ups Brainlab, Stefan Vilsmeier, der nach Spahn sprach, formulierte das Problem in noch schärferen Worten: "Daten nicht zu nutzen, tötet Patienten in großem Maßstab." (bme)