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Spahn: "Wir müssen die Blockchain verstehen"

Auf der Cube Tech Fair in Berlin erneuert Jens Spahn seine Kritik an der zu langsamen Entwicklung im Gesundheitsbereich. Aber auch den neuen Technologien will der Bundesgesundheitsminister Grenzen setzen.

Spahn: "Wir müssen die Blockchain verstehen"

Dimitra Papadopoulou, Moderator Klaus Stöckemann, Jens Spahn und Sally Daub (v.l.)

(Bild: heise online)

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will bei der Digitalisierung des Gesundheitssystems aufs Tempo drücken. „Wir müssen uns schneller bewegen als bisher“, betonte Spahn auf der Cube Tech Fair am Dienstag in Berlin. Menschen wollten Gesundheitsdienste mit ihrem Smartphone nutzen. „Der öffentliche Sektor ist zu langsam“, sagte Spahn mit Blick auf die Debatte um die elektronische Gesundheitskarte, die er zuletzt infrage gestellt hatte.

Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz oder die Blockchain werden auch im Gesundheitsbereich neue Geschäftsmodelle entstehen lassen. Spahn bringt da auch Erfahrungen aus seiner Zeit als Staatssekretär im Finanzministerium ein. „Bei Fintech und im Gesundheitsbereich haben wir einiges an Veränderung gesehen“, sagte Spahn.

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Bei den neuen Technologien sei es wichtig, sie zunächst einmal zu verstehen, meint der Minister. „Wir sollten versuchen, die Blockchain zu verstehen, und dann Einsatzmöglichkeiten suchen.“ Dabei müsse man sich stets fragen, was durch den Einsatz der Blockchain verbessert werde. Bisher gebe es dazu eine Menge Gerede und wenig konkrete Anwendungen.

Wenn es um Künstliche Intelligenz geht, ist die Entwicklung schon weiter. „In den kommenden Jahren werden KI-Anwendungen in Produkten sehen“, sagte Sally Daub, CEO des Healthcare-Startups Enlitic, das auf der Cube Tech Fair im vergangenen Jahr den Startup-Wettbewerb gewonnen hatte. „Da laufen gerade einige klinische Studien im Hintergrund.“

Wie so etwas aussehen kann, erläuterte am Vormittag Sebastian Guth vom Bayer-Konzern. Der Pharmariese arbeitet zusammen mit einem ungarischen Startup an Rechenmodellen, die traditionelle Laborarbeit ersetzen sollen. Die KI berechnet Laborergebnisse voraus und so kann sich Bayer im Labor auf die vielversprechendsten Versuchsreihen konzentrieren.

Mit dem Aufweichen des Fernbehandlungsverbots sieht der Minister auch eine Chance für neue Geschäftsmodelle von Startups. „Das ist eine große Chance für Online-Sprechstunden.“ Auch dabei könnte KI zum Einsatz kommen.Zugleich warnte Spahn vor einer übergriffigen KI, die einen ständig zu gesunderem Verhalten anhält. „Gerade im Gesundheitsbereich gibt es eine Grenze, die wir nicht überschreiten sollten“, mahnte der Minister zu Augenmaß.

Technik werde den Gesundheitssektor ebenso nachhaltig verändern wie sie es bei anderen Industrien passiert ist, meint Daub. Die Nachfrage werde die Entwicklung antreiben und schließlich auch Grenzen überwinden, die es jetzt noch gibt – etwa die unterschiedlichen Rechtssysteme. In Deutschland gebe es zum Beispiel dieses “sehr spezielle" Verständnis von Datenschutz.

Für Spahn gibt es also eine Menge zu tun. Denn die Entwicklung hat längst angefangen, auch wenn sie beim Verbraucher noch nicht angekommen ist. „Die Frage ist nicht, ob KI und die Blockchain kommen werden. Sie sind längst da“, sagte Dimitra Papadopoulou vom eHealth-Startup meHealthX. An Regulatoren wie Spahn hat sie die Bitte, Startups zu unterstützen: „Denn es sind nicht immer die großen Unternehmen, die dabei sind.“

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(vbr)
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