Menü

Spam: 40 Jahre Werbe-Mails

Am 3. Mai vor 40 Jahren wurde die erste Spam-Mail an 320 Mail-Postfächer im Arpanet verschickt. Vor 20 Jahren endeten die Versuche der Firma Hormel Foods, ihr Markenzeichen "Spam" zu schützen.

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 53 Beiträge
40 Jahre Spam

(Bild: hormelfoods.com)

Vor 40 Jahren schickte der DEC-Verkäufer Gary Thuerk die erste Werbe-Mail an 320 Postfächer von Nutzern des damaligen Arpanets. Der Versuch, mögliche Interessenten für das DECSystem 20 zu einer Werbeveranstaltung einzuladen, glückte nur halb, denn nach 320 verschickten Mails stürzte das Mail-Programm SNDMSG ab.

Andererseits war er durchaus erfolgreich: Nach Angaben verkaufte er dadurch Hardware im Werte von 13 Millionen oder 14 Millionen US-Dollar. Davon können heutige Spammer nur träumen, die sich an Dearest wenden.

Dennoch kann mit dem Werbemüll Geld zusammenkommen, wenn Menschen auf Versicherungsangebote reagieren und Formulare mit ihren Daten füttern. Solche scheinbar harmlosen Vergleiche gehören derzeit zum gefährlichsten Spam, denn diese Daten werden anschließend an andere Betrüger verkauft.

In Deutschland ist Spam nach dem Telemediengesetz verboten. Was in der Inbox unserer Leser auftaucht, sind bedauerliche Einzelfälle, Tag für Tag für Tag. Hübsche Hinweise zum Geburtstag bitte ins Forum stellen.

Die andere Geschichte vom Spam beginnt in den 30er Jahren, als die Firma Hormel Foods einen zugkräftigen Namen für ihr "Frühstücksfleisch in Dosen" suchte. Dem Vernehmen nach war es der Schauspieler Kenneth Daigneau, der auf das hübsche Wort Spam kam, als mutmaßliche Schreibweise von Spiced Meat and Ham. Dieses bei uns auch als "Frühstücksfleisch in Dosen" bezeichnete Produkt war während des II. Weltkrieges ein wichtiger Bestandteil der Truppenversorgung sowohl der US-Armee wie auch der Roten Armee. Diese Geschichte vom Spam und seinen deliziösen Zubereitungen findet sich wieder in den Kriegserinnerungen, in denen Kellner pompöse Menükarten verteilten, nur um am Ende zu sagen: "Spam only. There's a war on, you know!"

Aus dieser absurden Situation entwickelten die Komiker von Monty Python ihren Spam-Sketch, der im Dezember 1970 erstmals ausgestrahlt wurde. In einer Kneipe, in der Wikinger dinieren, gibt es nur Gerichte mit Spam. Der Sketch mit dem Spam-Song gehört zu den bekanntesten Werken der Truppe und war 1978 bestens bekannt, als Gary Thuerk seine Werbeaktion startete. Wer als erster den Inbox-Müll als Spam bezeichnete, ist nicht bekannt. Großen Anteil an der Benennung des Werbemülls hatte jedenfalls Brad Templeton, der in seinem Netiquette-Ratgeber Emily Postnews die neckische Frage "Wie kann ich mein Werbeplakat an dem Information Superhighway stellen?" so beantwortete: "The best way to do it is to perform a spam. It's called that because everybody loves it as much as the customer in the Monty Python 'Spam' sketch loves his spam."

Hartnäckig bekämpfte der Dosenfleisch-Hersteller Hormel Foods mit dem Aufkommen der Vernetzung das negative Image von Spam als Werbemüll, das den Markenkern von Spam als "qualitativ hochwertige Fleischversorgung" (Hormel) untergrub. In populären Online-Diensten wie Compuserve schaltete man bei der Erwähnung von Spam Einblend-Hinweise, dass nicht das leckere Spam in Dosen gemeint sei, spammte also selbst.

Vor 20 Jahren erlitt Hormel die ultimative Niederlage: Im New Oxford Dictionary wurde Spam als unerwünschte E-Mail hochoffiziell Bestandteil der englischen Sprache, zusammen mit mouse potato und dem Kürzel LOL. Hormel versuchte noch, sein Markenzeichen Spam nach dem Wörterbucheintrag in Versalien als SPAM zu retten, doch vergeblich. Immerhin: Die agilen Werber ließen sich nicht verdrießen und startete mit der Website Spam.com einen Counter, der die verkauften Fleischdosen ab counter condita zählte. Die Website gibt es nach wie vor, mit Rezeptvorschlägen und des großen Rätsels Lösung: Spam steht für "Sizzle Pork and Mmm".

Das Dosenfutter gibt es immer noch, die unerwünschten Mails aber auch. Seit der Jahrhundertwende kommt der größte Müll nach wie vor aus Nigeria. Mit Lots of Fun wird aktuell in Berlin ein Bild von Eduardo Paolozzi aus dem Jahr 1971 ausgestellt, das einen afrikanischen Elefanten zeigt, der eine Spam-Dose jongliert und dabei das Sternenbanner zeichnet: Die wahre Kunst ist jedem Spam voraus.

(Detlef Borchers) / (anw)

Anzeige