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Spamhaus.org setzt Österreichs Domainverwaltung unter Druck

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Der Spamjäger Spamhaus.org versucht, die österreichische Domainregistrierungsstelle nic.at massiv unter Druck zu setzen. Obwohl über die Einrichtungen von nic.at keine Spam-Nachrichten verschickt wurden, ist die IP-Range der E-Mail-Server von nic.at auf der Spamblock-Liste (SBL) gelandet. Mit den Einträgen auf der SBL versucht Spamhaus die Registrierungsstelle dazu zu zwingen, bestimmte .at-Domains zu löschen. Unter den inkriminierten Domains sollen Subdomains eingerichtet worden sein, die unter Phishing-Verdacht stehen. Spamhaus.org-CEO Steve Linford wollte gegenüber heise online keine Stellungnahme zu den Vorfällen abgeben.

Als Ergebnis des Eintrags auf der SBL werden die von nic.at versandten E-Mails von den meisten Mailservern nicht angenommen. Die SBL-Daten werden in der Regel automatisch unter der Annahme übernommen, dass darauf nur IP-Adressen verifizierter Spam-Quellen und von Spam-Unternehmen verzeichnet sind. Auch ein Wechsel der IP-Adressen half nic.at nicht, da auch der neue Bereich von Spamhaus.org umgehend gelistet wurde.

Seit Januar wurde nic.at von verschiedenen Seiten aufgefordert, insgesamt 15 bestimmte .at-Domains zu löschen. Unter diesen Domains sollen auf fünfter oder sechster Ebene Subdomains angelegt worden sein, die auf Phishing-Seiten verwiesen haben sollen (Beispiel: http://phishing.das.ist.ein.beispiel.at/irgendwas). Nic.at will die 15 Domains allerdings nicht löschen. Dies wäre rechtswidrig und verstoße gegen die Vertragsbestimmungen der Domainregistrierungen sowie die Rechtsprechung des österreichischen Obersten Gerichtshofs (OGH). Auch andere Länderdomain-Registrierungsstellen, wie etwa DENIC, würden in gleichartigen Fällen keine Domains löschen. Spamhaus.org meint, dass die Löschungen unproblematisch wären. Noch nie habe ein Phisher Klage erhoben, wenn eine seiner Domains deaktiviert worden sei.

Im Mai trafen sich Vertreter von nic.at und Spamhaus.org zufällig auf einem Kongress in Wien. Dabei erörterten sie ihre jeweiligen Standpunkte, fanden jedoch keine gemeinsamen Nenner. In der Folge informierte Spamhaus.org den Provider von nic.at und drohte damit, dass dieser die Internetverbindungen kappen würde. Als nic.at die Domaindelegierungen weiterhin nicht löschte, wurden die IP-Adressen der E-Mail-Server von nic.at mit dem Vermerk "Spam support" auf die Spamblock-Liste gesetzt. Das Angebot von nic.at, die Domainregistrierungen aufzuheben, wenn sich Registrierungsdaten (etwa die Anschrift) als falsch erwiesen würden, lehnte Spamhaus.org ab.

"Wir sind selbstverständlich gegen Phishing und Spam", erklärte nic.at-Geschäftsführer Richard Wein gegenüber heise online, "Aber in diesen Fällen sind uns die Hände gebunden. Wir sind kein Gericht." Kein Verständnis hat Wein dafür, dass die Mailserver seines Unternehmens auf eine Spam-Sperrliste gesetzt wurden: "Wir spammen nicht und unterstützen das auch nicht." Da Spamhaus.org in Großbritannien beheimatet ist, sucht nic.at nun Rat bei britischen Anwälten. (Daniel AJ Sokolov) / (Daniel AJ Sokolov) / (pmz)

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