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Sparkassen starten Mobiles Bezahlen

Nur wenige Menschen in Deutschland zahlen bislang per Smartphone. Nun haben die Sparkassen ihre Mobile-Payment-App freigeschaltet.

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Sparkassen starten Mobiles Bezahlen

(Bild: Deutscher Sparkassen- und Giroverband)

Sparkassen-Kunden können an der Ladenkasse jetzt auch per Android-App bezahlen. Knapp fünf Wochen nach Google Pay starteten am heutigen Montag mehr als 300 Sparkassen in Deutschland ihr Smartphone-Bezahlsystem. "Sparkassen erweitern so das Angebot an sicheren Bezahlmöglichkeiten", erklärte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes (DSGV), Helmut Schleweis, in Berlin. Bis zum Jahresende sollen alle rund 390 Institute der Gruppe den Dienst anbieten.

Zum Bezahlen hält man das Smartphone im Laden an das Kartenterminal der Kasse. Die Kassentechnik muss dafür kontaktloses Bezahlen per NFC-Funk unterstützen – ein großer Teil der Terminals in Deutschland wurde bereits entsprechend umgerüstet. Kunden mit einem ebenfalls NFC-fähigen Android-Smartphone ab Android 5.0 könnten an solchen Terminals ab sofort mobil bezahlen, erklärte der DSGV. Die Zahlungen werden anschließend wie eine herkömmliche Kartenzahlung vom Girokonto abgebucht respektive das Kreditkartenkonto entsprechend belastet.

Allerdings weisen die Sparkassen darauf hin, das einige NFC-Terminals im Markt noch nicht mit einer Girocard funktionieren. Dies sei zum Beispiel an Tankstellen zu beobachten. Zwar seien rund 600.000 der etwa. 817.000 Terminals in Deutschland bereits mit einer NFC-Schnittstelle ausgestattet, erklärt ein Sprecher: „Damit Kunden auch mit ihrer girocard kontaktlos an den Terminals bezahlen können, benötigen die Terminals ein Software-Update.“ Dieses Update hätten bereits 475.000 Terminals erhalten, die Anzahl steige aber stetig weiter an.

Wer den mobilen Service der Sparkassen nutzen will, muss mindestens 18 Jahre alt sein, das Online-Banking aktiviert haben und die App "Mobiles Bezahlen" aus dem Google-Play-Store auf sein Smartphone laden. In dieser App können dann sowohl die Sparkassen-Card (Girocard) als auch eine Sparkassen-Mastercard hinterlegt werden. Letztere ist insbesondere dann zwingend erforderlich, wenn im Ausland bezahlt werden soll. Visa-Cards funktionieren derzeit noch nicht, sollen aber künftig ebenfalls hinterlegt werden können. Das erklärte uns ein DSGV-Sprecher auf Anfrage, ohne bereits einen genauen Zeitpunkt nennen zu können.

Um eine Karte in die App einspeisen zu können, muss der Nutzer die Zugangsdaten für das Online-Banking sowie eine TAN eingeben. Wer das chipTAN-Verfahren nutzt, bekommt die TAN in beiden Fällen (Girocard und Mastercard) über seine Girocard – jedenfalls war das bei unserem Versuch mit einem Konto und einer Girocard der Sparkasse Lüneburg so. Im Laufe des Vormittags kam es zwar nach Eingabe der TAN noch zu mehreren Abbrüchen. Nachdem uns die Aktivierung gegen Mittag aber schließlich gelang, funktionierte auch das Bezahlen an der Kasse eines benachbarten Supermarktes reibungslos. Hier und da gibt es nach unseren Informationen indessen noch Startschwierigkeiten.

Ob das Mobile Payment gebührenpflichtig ist und wie hoch die Gebühren sind, müssen Nutzer bei ihrer jeweiligen Sparkasse erfragen – die einzelnen Sparkassen gestalten ihre Gebührenordnung grundsätzlich selbst. Sind Lastschriften auf das Girokonto generell gebührenpflichtig, gilt dies natürlich auch für Zahlungen mit dem Smartphone.

In den Einstellungen der App lässt sich festlegen, ob zum Bezahlen lediglich der Bildschirm aktiv, das Handy bereits entsperrt oder sogar die App gestartet sein muss. Die letzten beiden Möglichkeiten schaffen etwas mehr Sicherheit, denn bis zu einem Betrag von 24,99 Euro muss im Normalfall keine PIN am Terminal eingegeben werden. Ab 25 Euro ist sie grundsätzlich erforderlich. Für missbräuchliche Zahlungen durch Dritte, die unter 25 Euro liegen und damit keine PIN benötigen, stehen die Sparkassen für den Verlust gerade Voraussetzung ist allerdings wie bei einer Karte, dass der Nutzer nicht grob fahrlässig gehandelt hat und die Karte zudem sofort sperren lässt.

In den Einstellungen lässt sich wählen, in welchem Gerätestatus das Bezahlen möglich ist.

(Bild: Deutscher Sparkassen- und Giroverband / Google Play)

Die Daten der Kunden blieben bei der Sparkasse und würden nicht an Dritte weitergegeben oder verkauft, versicherte der Verband. In seiner Pressemitteilung betonte er überdies, dass "die hohen Sicherheitsstandards der Deutschen Kreditwirtschaft für Kartenzahlungen hinsichtlich Datenschutz, Transaktionssicherheit und Missbrauchsschutz in vollem Umfang" erfüllt seien.

Das iPhone kann den Angaben des DSGV zufolge noch nicht als elektronische Geldbörse genutzt werden. Apple habe die nötige Schnittstelle in den Geräten bisher nicht freigegeben. Über einen anstehenden Start des Apple-eigenen Dienstes Apple Pay in Deutschland war mehrfach spekuliert worden, er blieb jedoch bislang aus.

Google hatte seinen Smartphone-Bezahldienst Google Pay bereits am 26. Juni nach Deutschland gebracht. Partner sind hier unter anderem die Kreditkarten-Riesen Mastercard und Visa; benötigt wird ein Konto bei der Commerzbank, ihrer Direktbank-Tochter comdirect oder dem Direktbank-Start-up N26. Alternativ lässt sich für Google Pay auch eine (kostenpflichtige) virtuelle Prepaid-Mastercard von boon verwenden.

Von den großen deutschen Instituten stellen die Deutsche Bank und die Postbank ihren Kunden bereits eigene Apps für das mobile Bezahlen zur Verfügung. Ab Mitte August wollen außerdem rund 85 Prozent der Volks- und Raiffeisenbanken ihren Kunden das mobile Bezahlen per Smartphone ermöglichen. Die restlichen Institute sollen schrittweise bis 2019 folgen.

Noch ist das Smartphone als elektronische Geldbörse in Deutschland ein Nischenmarkt. Bei einer Umfrage der Bundesbank gaben im vergangenen Jahr lediglich 7 Prozent der Verbraucher an, schon einmal mit dem Handy bezahlt zu haben. Als häufigsten Grund für die Zurückhaltung nannten die Befragten fehlenden Bedarf. Auf Rang zwei folgten Sicherheitsbedenken.

Beliebtestes Zahlungsmittel der Verbraucher in Deutschland ist der Bundesbank zufolge weiterhin Bargeld, auch wenn die Menschen immer häufiger mit der Girocard ("EC-Karte") zahlen. Drei von vier Einkäufen an der Ladenkasse (74 Prozent) tätigen die Menschen hierzulande nach wie vor mit Schein und Münze. Gemessen am Umsatz sank der Anteil der Barzahlungen im deutschen Handel allerdings 2017 erstmals knapp unter die 50-Prozent-Marke. (Mit Material von dpa)

Update 31.07.2018: Details zu Girocards und nötigen Updates für NFC-Terminals im dritten Absatz ergänzt. Hinweis zum chipTAN-Verfahren im fünften Absatz und Bedingungen für missbräuchliche Zahlungen im siebten Absatz ergänzt. (mon)

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