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Sparkurs der Regierung treibt FIZ Technik in Insolvenz

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Das Fachinformationszentrum (FIZ) Technik muss nach eigenen Angaben (PDF-Datei) in die Insolvenz. Zuvor habe das Bundeswirtschaftsministerium mit sofortiger Wirkung die Subvention des Datenbankanbieters in Höhe von 1 Million Euro gestrichen. Bricht das FIZ Technik weg, sehen Beobachter den Fachinformationsverbund Deutschland gefährdet, zu dem die Technische Informationsbibliothek Hannover, das FIZ Karlsruhe und das FIZ Chemie in Berlin gehören.

Das FIZ Technik in Frankfurt am Main beschäftigt 50 Angestellte für die Betreuung von Datenbanken und die Progammierung der semantischen Suchmaschine TecFinder. Die Datenbanken des Fachinformationszentrums werden von 250 Universitäten und Hochschulen genutzt, aber auch von Privatpersonen, für die zumindest die Basisinformationen kostenlos sind. Einen wichtigen Pfeiler im Geschäft bildet die Privatwirtschaft, für die die Nutzung kostenpflichtig ist.

Firmen wie Bosch, Daimler und Siemens tragen als Großkunden zwei Drittel des Etats, ein Drittel kam bisher vom Wirtschaftsministerium, das im laufenden Wirtschaftsjahr noch 1 Million Euro zahlen sollte. Für 2011 und 2012 waren die Zuschüsse mit jeweils 2,2 Millionen veranschlagt worden, ab 2013 sollte sich das FIZ Technik eigenständig tragen. Mit dem nun eingeleiteten Insolvenzverfahren ist der Weg frei, neue Strukturen zu finden, in denen sich die Privatwirtschaft stärker am FIZ beteiligt oder die angeschlossenen Universitäten mit hohen Nutzungsgebühren die Finanzierungslücke füllen.

Im gesamtdeutschen Verbund der Fachinformationszentren würde ein Konkurs des FIZ Technik die Leistungsfähigkeit der "Informationsgesellschaft Deutschland" deutlich schwächen. Erst vor drei Jahren hatte das FIZ im Verbund mit den anderen Fachinformationszentren eine Initiative gestartet, den wissenschaftlichen Umgang mit Suchmaschinen und Datenbanken beim Nachwuchs zu verbessern. Mit einem kräftigen Tritt gegen Wikipedia hieß es damals: "Fundierte Informationen sind nicht zum Nulltarif zu haben, das übersieht der Nutzer nur allzu leicht. Es mangelt oft an Kritikfähigkeit – gerade bei Schülern und Studenten." Das Informationsportal Getinfo, über das auch die Bestände des FIZ Technik abrufbar sind, sollte diesem Defizit in der wissenschaftlichen Forschung begegnen.

Beim FIZ Technik ist man optimistisch, mit dem Insolvenzverfahren den richtigen Weg eingeschlagen zu haben. Eigentlich sei man finanziell gesund und nur durch den nicht angekündigten, sehr kurzfristigen Entzug von Fördergeldern in eine Schieflage geraten. "Wir verfügen über viel Erfahrung und Know-how, haben mit unseren Fachdatenbanken, der Suchmaschine 'TecFinder' und unseren semantischen Technologien ein einzigartiges Angebot mit langjährig gewachsenen Kundenbeziehungen," erklärt Geschäftsführerin Ursula Deriu. Unterdessen wächst in der Dokumentations- und Bibliothekenszene die Furcht, dass im Zuge der Sparmaßnahmen weitere kurzfristige Streichungen von Fördergeldern kommen. (vbr)

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