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Sparkurs und Daumenschrauben bei Yahoo

Wer nicht performt, wird versetzt oder zum Weggang "gecoacht". Ein Consulter gibt Spartipps. Und nächstes Jahr könnte Yahoo einen Spinoff ankündigen.

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Anlässlich der Vorstellung der Quartalszahlen wandte sich Yahoo-Chefin Marissa Mayer via Videostream an die Finanzanalysten und andere Interessierte. In ihrer wortreichen Ansprache betonte sie ihre Anstrengungen im Interesse der Aktionäre: Sparen, intensivierte Fron und noch mehr Aktienrückkauf.

Beim Sparen soll ein großes Consulting-Unternehmen helfen, dessen Dienste Yahoo neuerdings bemüht. Eine ganze Reihe an Yahoo-Niederlassungen auf mehreren Kontinenten wurde bereits geschlossen oder zusammengelegt. Zudem wurde die Zahl der Leiharbeiter "aggressiv" reduziert, wie Yahoos Finanzchef Ken Goldman beisteuerte.

Ein Schlaraffenland (hier in der Darstellung Pieter Brueghel des Älteren) baut Yahoo für seine Belegschaft eher nicht.

(Bild: Pieter Brueghel der Ältere (gemeinfrei))

Die verbliebenen Mitarbeiter werden zu härterer Arbeit angehalten. Ihre Ergebnisse werden jedes Quartal überprüft, und zwar genauer als früher. Wer nicht performt, wird versetzt oder zum Verlassen des Unternehmens "gecoacht".

Seit ihrem Amtsantritt im Juli 2012 mussten schon mehr als 2.000 Mitarbeiter wegen schlechter Leistungen gehen, berichtete Mayer. Das sind im Schnitt mindestens zweieinhalb Personen pro Kalendertag. Ende September hatte Yahoo übrigens 12.500 fest angestellte Mitarbeiter.

Alldieweil steckt Yahoo Milliarden in den Rückkauf eigener Aktien, was auch als stille Dividende bezeichnet wird. Unter Mayers Ägide wurde schon fast ein Viertel der Yahoo-Aktien vom Markt gekauft. Das stützt den Aktienkurs und erhöht den statischen Wert "Gewinn je Aktie". Eine echte Dividende ist zwar nicht grundsätzlich ausgeschlossen, gegenwärtig aber nicht geplant.

Apropos Aktien: Im Zuge des Alibaba-Börsengangs musste sich Yahoo von 140 Millionen Alibaba-Aktien trennen. Jetzt gehören Yahoo noch 15 Prozent der Alibaba Group. Diese Anteile darf Yahoo aufgrund eines Stillhalteabkommens mit Alibaba frühestens ein Jahr nach dem Börsengang verkaufen. Das würde Yahoo dann auch gerne tun, doch zöge das eine neuerliche Milliardenzahlung an den US-Fiskus nach sich.

Daher arbeitet Yahoo an einer Konstruktion zur Vermeidung dieser Steuerbelastung. Aufgrund des Stillhalteabkommens werden dazu aber noch keine Details verrate. Möglich wäre ein Spinoff eines kleinen Teils von Yahoo samt den Alibaba-Aktien. Die Yahoo-Aktionäre würden dann die Aktien dieser abgespaltenen Firma erhalten. In den Vereinigten Staaten kann das steuerfrei sein.

Schon das zweite Quartal in Folge hat Yahoo einen Rückgang der durschnittlichen Erlöse aus Werbeclicks (CPC) von fast einem Viertel hinnehmen müssen. Bei Google blieben sie zuletzt fast gleich während Facebooks Durchschnittspreise deutlich stiegen.

Daraus lässt sich ableiten, dass Yahoos Webangebote entweder Augenpaare anziehen, die für die Werbetreibenden wenig wert sind. Oder Yahoo gelingt es nicht, die Reklame passend zuzuordnen. Entsprechend kündigte Mayer an, in besseres Targeting zu investieren.

Zum Geschäft mit der Internetsuche berichtete die Managerin, dass Yahoo die von Microsoft zugekauften Suchergebnisse nicht bloß übernimmt. Vielmehr werden sie mit eigenen Funktionen veredelt. Beispielsweise wertet Yahoo die Inhalte von Emails aus, die unter Yahoo-Emailadressen eingehen (und wohl auch ausgehen). Die dabei gewonnenen Informationen haben dann Einfluss auf die Suchergebnisse, die der jeweilige Yahoo-User zu sehen bekommt. (ds)

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