Spaßvögel entdecken die WM: Nicht-Sponsoren verboten

Um die Aufmerksamkeit der Fußball-Nation zu erlangen, muss man nicht unbedingt nackt über ein Spielfeld laufen. Eine gefakte Webseite reicht manches Mal schon aus.

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Um die Aufmerksamkeit der Fußball-Nation zu erlangen, muss man nicht unbedingt nackt über ein Spielfeld laufen – im Zeitalter des Internet reicht auch schon eine Webseite. Spaßvögel haben die offiziellen Internetseiten des WM-Büros der Stadt Köln kopiert und sie um einige Hinweise ergänzt, die den Ablauf der Fußballweltmeisterschaft für Sponsoren angenehmer gestalten sollen. Die anonymen Urheber nehmen damit die Kommerzialisierung und die überbordenden Regulierungen rund um die WM auf die Schippe.

In einer offiziell anmutenden Checkliste werden die Kölner aufgefordert, einige Verhaltensregeln einzuhalten. So sollten während der Spielzeit möglichst keine Kleidungsstücke mit Markenzeichen von Nicht-Sponsoren im Bereich der Bannmeile um das WM-Stadion getragen werden. Autos mit Werbeschriftzügen sollten möglichst unauffällig geparkt werden. Die Wohnungsfenster sollten geschlossen werden, wenn aus dem Fernseher Werbung von Nicht-Sponsoren schallt. Auch das Nachpfeifen von nicht-lizenzierten Werbejingles sollte nach Kräften vermieden werden. Diese Checkliste wurde nicht nur ins Internet gestellt, sondern auch in der Nachbarschaft des Müngersdorfer Stadions verteilt.

Die Stadt hat inzwischen reagiert: "Auch nach Rücksprache mit dem OK Köln der FIFA WM 2006" habe man festgestellt, dass sämtliche Ausführungen und Hinweise falsch seien und jeglicher Grundlage entbehrten, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Sportamtsleiter Dieter Sanden sagt: "Die Urheber des Schreibens und die Betreiber der Internetseite wollen die Bevölkerung verunsichern und die Fußball-Weltmeisterschaft in ein negatives Licht stellen." Auf Nachfrage erklärte die Pressestelle der Stadt, dass sich zwar mehrere Dutzend Bürger beim Sportamt gemeldet hätten, die meisten hätten die Anweisungen aber nicht für bare Münze genommen. Die Stadt Köln sieht das Treiben nicht ganz so humorvoll: Zurzeit wird ermittelt, wer hinter dem Scherz steckt und ob man die Urheber strafrechtlich verfolgen kann. Die Webseite bleibt vorerst online – sie wurde anonym bei einem Provider in den USA registriert.

Nach dem gleichen Prinzip betätigte sich auch ein Spaßvogel in Dortmund. Mehrere hundert Anwohner des WM-Stadions haben dort ein ähnliches Flugblatt in ihren Briefkästen gefunden. Auch hier wurde den Anwohnern empfohlen, jede Werbung von Nicht-Sponsoren aus dem Stadtbild zu entfernen. Darüber hinaus sei der Zutritt zu dem Sperrring rund um das Stadion nur noch mit einer Sondergehmigung der Stadt möglich – und die sei für 10 Euro im Bürgerbüro zu bekommen. Auch hier ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen unbekannt. (Torsten Kleinz) / (jk)