Speicher-Schmiede Rambus will mehr Lizenzgebühren

Die kalifornische Firma Rambus will auch von Chipsatz- und Prozessorherstellern wie AMD und Transmeta Lizenzgebühren für die Nutzung von patentierten Speichertechniken eintreiben.

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Die kalifornische Firma Rambus will auch von Chipsatz- und Prozessorherstellern Lizenzgebühren für die Nutzung von patentierten Speichertechniken eintreiben. Nach Klagen gegen einzelne Firmen auf der einen und Lizenzabkommen mit Herstellern von DDR-SDRAM-Speicherchips auf der anderen Seite nimmt Rambus nun AMD und Transmeta aufs Korn: Beide Firmen entwickeln oder liefern Produkte, die einen Speichercontroller enthalten, der DDR-SDRAM ansprechen kann. Rambus fertigt Halbleiter nicht selbst, sondern verdient sein Geld zu großen Teilen durch Lizenzeinnahmen für spezielle Speichertechniken. Unstrittig ist, dass für die in der Sony Playstation 2 oder in einigen Mainboards mit Intel-Chipsatz verwendete Direct-Rambus-Speichertechnik Lizenzabgaben fällig sind.

Seit Anfang dieses Jahres mahnt Rambus jedoch auch für die Nutzung der heute üblichen SDRAM-Speichertechnik Lizenzgebühren an. Mit den Halbleiterfirmen Hitachi, NEC, Oki und Toshiba hat Rambus bereits eine Einigung erzielt; gegen andere, wie Micron und Infineon, hat Rambus geklagt. Die Patente aus dem Jahre 1996, auf die sich Rambus beruft, sind jedoch nicht nur auf die Speicherchips, sondern auf die gesamte SDRAM-Technik anwendbar – also auch auf den Memory Controller, das Bindeglied zwischen Chipsatz oder Prozessor und den Speicherchips.

Nach Berichten in US-Medien verhandelt Rambus zurzeit mit AMD und Transmeta über Lizenzabgaben. AMDs neuer 760-Chipsatz wird DDR-SDRAM unterstützen, Transmetas Prozessoren enthalten ein DDR-SDRAM-Interface.

Hitachi hatte zunächst erwogen, sich gegen die Rambus-Lizenzgebühren zu wehren, dann aber Lizenzgebühren zugestimmt. Diese sind nicht sehr hoch und im Vergleich zu den ständigen Schwankungen der Speicherpreise vernachlässigbar. Micron, Hyundai und Infineon wollen sich den Lizenzforderungen jedoch nicht beugen und klagen gegen Rambus. Die Rambus-Patente auf die SDRAM- und DDR-SDRAM-Technik sind deshalb umstritten, weil der Industrieverband Jedec die entsprechende Technik in einem eigenen, offenen Normenwerk beschreibt. In diesem Gremium saß bis 1995 auch Rambus. Die Rambus-Gegner werfen dem Unternehmen vor, die in der Jedec gemeinsam erarbeiteten technischen Lösungen nun wettbewerbswidrig alleine ausschlachten zu wollen.

Die schnelle und weltweite Verbreitung neuer Halbleiterprodukte steht in starkem Kontrast zu den komplizierten und langwierigen Patentierungsverfahren. Angesichts der zunehmenden Aufteilung von Halbleiter-Entwicklung und -Produktion auf verschiedene Unternehmen ist der Streit um die Rambus-Patente daher für die gesamte Chip-Industrie von Bedeutung. Bekannte und erfolgreiche Halbleiterfirmen wie Nvidia oder VIA haben keine eigenen Fertigungsanlagen, sondern lassen ihre Chips bei Foundries wie TSMC oder UMC fertigen. Dabei lizenzieren sie an vielen Stellen das Know-how anderer Firmen, um Zeit zu sparen und die Eigenentwicklungen schnell auf den Markt bringen zu können. Ohne den funktionierenden Schutz von geistigem Eigentum können innovative Firmen kein Geld verdienen, was die Entwicklung langfristig bremst. Rambus hatte 1998 einen Umsatz von knapp 38 Millionen US-Dollar und machte einen Gewinn von 6,8 Millionen US-Dollar. (ciw)