Spekulationen über Google Phone werden konkreter

Nach dem spektakulären Einstieg von Apple in den Markt für Mobiltelefone haben Mitarbeiter des Suchmaschinen-Primus und Beobachter bestätigt, dass die Internetgröße an der Entwicklung einer Handy-Software arbeitet.

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Von
  • Stefan Krempl

Nach dem spektakulären Einstieg von Apple in den Markt für Mobiltelefone haben Mitarbeiter von Google und der Firma nahe stehende Beobachter jetzt Gerüchte bestätigt, dass der Suchmaschinen-Primus zumindest die Entwicklung einer eigenen Handy-Software vorantreibt. Mitte der Woche zitierte der spanische Nachrichtendienst Noticias.com die Google-Landesmanagerin von Spanien und Portugal, Isabel Aguilera, dahingehend, dass ihr Haus "unter anderem an einem Mobiltelefon" arbeite. Die Idee sei erwachsen aus einem Projekt, auf das Google-Ingenieure in den ihnen zur Verfügung gestellten Zeit für freie Entwicklungen und Spielereien gekommen seien. Das Vorhaben passe aber auch zum Grundanliegen des Konzerns, die weltweit verfügbaren Informationen leichter zugänglich zu machen. Über ein Mobiltelefon könne die Informationsgesellschaft etwa auf weniger entwickelte Gebiete ausgebreitet werden.

Das Wall Street Journal beruft sich jetzt zudem auf gut informierte Kreise, wonach die Entwicklung von Software maßgeschneidert für Handys bei Google in vollem Gange sei. Die Arbeiten würden weit über die Applikationen hinausgehen, mit denen die Internetgröße schon heute ihre Suchseite und ihre Kartendienste für Mobiltelefone adaptiere. Vielmehr gehe es um eine vollständige Softwareplattform beziehungsweise ein Betriebssystem für Handys, in das die bestehenden Internet-Anwendungen des kalifornischen Konzerns integriert würden.

Ob Google nach dem Vorbild von Apples iPhone auch bei der Hardware mit Hand anlegen und damit unter die Hersteller von Verbraucherelektronikartikeln gehen will, ist noch Gegenstand wilder Spekulationen. Die Gerüchteküche brodelt auch über der Frage, welcher Hardware-Produzent als Partner auserkoren werden könnte. Der Risikokapitalgeber Simeon Simeonov hatte Anfang März bereits erste konkrete Gesichtspunkte eines Google Phone in seinem Blog veröffentlicht. Demnach könnte es sich um ein an den Blackberry im Design angepasstes Gerät handeln, auf dem eventuell Linux installiert ist und das auf das Abspielen von webbasierten Anwendungen und Java-Code optimiert sein könnte. Bei den Diensten brachte Simeonov unter anderem eine VoIP-Applikation zum kostengünstigen Telefonieren über das Internet ins Spiel.

Mittlerweile hat der Glaskugelschauer noch einmal nachgelegt und eine Reihe von Gründen dargelegt, warum es bei dem Google Phone wahrscheinlich zunächst um eine Softwarelösung handeln dürfte. So sitze Google-Geschäftsführer Eric Schmidt etwa auch im Aufsichtsrat von Apple, sodass es seine Firma wohl eher nicht direkt auf einen Wettbewerb mit dem iPhone anlegen wolle. Google dürfte bei der Hardware aber ein Wörtchen mitreden wollen, um das Geschäft mit Werbung im Mobilbereich auszubauen. Als Hardwarepartner hält Simeonov unter anderem Samsung für wahrscheinlich, weil die Koreaner bereits eine Kooperation mit Google am Laufen hätten. Beim Gerät selbst rechnet der Geldgeber mit dem angeblich heißen Draht zu dem Netzgiganten mit einer Berührungssteuerung über einen großen Touchscreen wie beim iPhone sowie der Unterstützung von GSM und darauf aufbauenden schnellen Datendiensten und WLAN-Fähigkeiten. (Stefan Krempl). / (jo)