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Spekulationen über Verzögerungen von AMD-Prozessoren reißen nicht ab

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Die Hiobsbotschaften über AMD reißen nicht ab. Immer neue Berichte über mögliche Verzögerungen bei der neuen Prozessorgeneration führen das Bemühen des Chipherstellers ad absurdum, den Barcelona-Erscheinungstermin im öffentlichen Bewusstsein festzuklopfen.

Das Unternehmen hatte Ende vergangener Woche versucht, Gerüchte und Spekulationen mit einer Klarstellung des Erscheinungstermins der ersten AMD64-Vierkernprozessoren (Barcelona) mit neuer K10-Architektur zum Verstummen zu bringen. Auch zwischenzeitliche Berichte über angeblich verschobene Starttermine für die Desktop-PC-Versionen Phenom FX, Phenom X4 und Phenom X2 der K10-Baureihe hat AMD klar dementiert – sie sollen nach wie vor im zweiten Halbjahr 2007 erscheinen.

Mittlerweile sind aber neue Nachrichten aufgetaucht, die Zweifel daran wecken, ob es AMD so schnell wie bisher erwartet gelingt, deutlich leistungsfähigere Prozessoren in großen Stückzahlen auf den Markt zu bringen, die Intels Core-2- und Xeon-Chips Paroli bieten können. Erst dann kann AMD dem Preisdruck entkommen und wieder höhere Verkaufspreise realisieren, die die Ertragsmargen wieder in den profitablen Bereich heben.

In seinem Blog äußert nun aber Mark Osborne, Chefredakteur der Fachzeitschrift Semiconductor Fabtech, seine Einschätzung, dass die Großserienproduktion der AMD64-K10-Prozessoren erst deutlich später als ursprünglich erhofft anläuft (Volume Ramp). Diese These stützt sich auf Unternehmensmeldungen des Waferherstellers Soitec, der Chiphersteller wie AMD, IBM und Freescale mit Silicon-on-Insulator- (SOI-)Wafern beliefert.

Soitec hat nun eine Umsatzwarnung veröffentlicht; diese begründet Soitec damit, dass es bei "neuen Produkten, die wichtige Kunden im zweiten Halbjahr einführen", noch Unsicherheiten gebe mit dem Zeitplan für den Volume Ramp. Mark Osborne ist der Ansicht, dass damit nur die AMD-Prozessoren gemeint sein könnten – bei IBM (und dem Auftragsfertiger Chartered) stehe schließlich keine Einführung eines neuen Hochvolumenproduktes an, und der Waferbedarf für die zahlreichen Spielkonsolenprozessoren (Cell für die Playstation 3, Xbox-360-Prozessor, Broadway für die Wii) dürfte eher konstant bleiben.

Bereits gestern hatte das Bankhaus UBS in einer Aktienbewertung die Einschätzung veröffentlicht, dass die neuen AMD-Vierkerne zunächst nicht an Intels konkurrierenden Prozessoren vorbeziehen könnten – dafür liege die für den Start angekündigte Taktfrequenz von 2 GHz zu niedrig. Deshalb werde AMD die Prozessoren recht günstig verkaufen müssen, und es gebe nur wenig Spielraum für eine Verbesserung der Bruttomarge.

Die UBS-Analysten halten es zudem für wahrscheinlich, dass AMD beim 2008/2009 erwarteten Kombiprozessor Fusion mit TSMC kooperiert; damit könne AMD zwar möglicherweise seinen Marktanteil steigern, aber die Margen würden darunter leiden. Kürzlich war von anderen Analysten darüber spekuliert worden, dass AMD künftig stärker außer Haus produzieren lassen wolle.

Mittlerweile sind auch Spekulationen über weitere Entlassungen bei AMD aufgetaucht. Bereits im Mai hatte AMD die Streichung von 430 Stellen angekündigt; nach Abschluss der ATI-Übernahme hatte man allerdings bereits eine stärkere Reduktion der Mitarbeiterzahl erwartet, die Ende März 2007 bei 16.745 Personen lag. (ciw)