Spekulationen um Nachfolger der Intel-Prozessorfamilie Atom Z500

Ursprünglich zielte der Atom Z500 auf Mobile Internet Devices und Embedded Systems; reüssiert hat er aber in Netbooks und ultraleichten Subnotebooks.

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Sony Vaio X mit Atom Z500: Moorestown eignet sich nicht für solche Prestige-Subnotebooks.

(Bild: Sony)

Rätselraten um Intels Atom-Pläne: Die japanische Webseite Impress PC Watch meldet, dass Intel im Laufe des Jahres noch eine vierte Plattform mit Atom-Prozessoren vorstellen will, die den Namen Oak Trail tragen soll. Dabei handele es sich um den besonders sparsamen 45-Nanometer-Kombiprozessor Lincroft in Kombination mit einem bisher nicht erwähnten Chipsatz-Baustein, der den Einsatz unter Windows sowie unter "normalem" Linux ermöglichen soll. Bisher hatte Intel den Lincroft ausschließlich im Verbund mit dem Ein-Chip-"Chipsatz" Langwell als Moorestown-Plattform angekündigt; weil diesem Langwell-Chip allerdings Funktionen fehlen, die ein normales BIOS oder eine UEFI-Firmware benötigen, läuft er nur mit einem Spezial-Linux, welches das Simple Firmware Interface unterstützt.

Eine BIOS-taugliche Oak-Trail-Plattform wäre neben dem seit 2007 angekündigten Moorestown sowie Pine Trail für Netbooks (mit Atom N450) und Pine Trail für Nettops (mit Atom D410 oder D510) eine vierte Atom-Baureihe. Diese Vielfalt wirft ein Schlaglicht auf die Nachteile von hoch integrierten Kombiprozessoren, die sich nicht mehr so leicht durch die Kombination mit unterschiedlichen Chipsätzen an die Bedürfnisse unterschiedlicher Marktsegmente anpassen lassen. Diese Einschränkung ist im Bereich der x86-Standardprozessoren ungewohnt, aber etwa bei den Systems-on-Chip mit ARM-Kernen für Handys und Smartphones, gegen die Intels Atoms antreten, üblich.

Falls die Plattform Oak Trail wirklich kommt, wäre sie mit Moorestown eine zweite Nachfolgerin von Menlow, der noch aktuellen Kombination aus Atom Z500 alias Silverthorne im Verbund mit dem für x86-Verhältnisse extrem sparsamen Chipsatz US15W (Poulsbo). Diese 2008 erschienene Plattform hatte Intel-Chef Paul Otellini als seit Jahren Wichtigste bezeichnet. Damit will er sein Unternehmen gegen die erstarkende Konkurrenz der ARM-Prozessoren wappnen.

Moorestown-Plattform: Lincroft plus Langwell

(Bild: Intel)

Die Silverthornes als "eigentliche" Atom-Prozessoren sollten ursprünglich – außer Embedded Systems – die sogenannten Mobile Internet Devices (MIDs) antreiben. Nach dem kläglich gescheiterten Experiment der Ultra-Mobile PCs (UMPCs), das Intel gemeinsam mit Microsoft ab 2006 durchgeführt hatte, sollten die vorwiegend mit Linux betriebenen MIDs genau jene Lücke zwischen Smartphones und Netbooks füllen, in die nun Apples iPad vorstoßen will. Doch noch immer gibt es so gut wie keine "echten" MIDs im ursprünglich gedachten Sinne, stattdessen aber haufenweise Netbooks mit Atom N270 (Diamondville) und dessen Nachfolger N450 (Pineview).

Die wenigen bisher tatsächlich existierenden MIDs von Firmen wie Umid oder Viliv sind wirtschaftlich nahezu unbedeutend und laufen durchweg nicht unter Linux, sondern unter Windows XP oder auch Windows 7. Außer in lüfterlosen Embedded Systems kommen die Z500-Atoms aber auch in manchen 12-Zoll-Netbooks sowie vor allem in einigen superleichten und teuren Luxusgeräten wie Sony Vaio P oder Vaio X sowie dem nur in Japan verkauften Fujitsu Loox U zum Einsatz. Ein BIOS-untauglicher Moorestown hätte diesen Windows-Subnotebooks den Garaus gemacht. Zwar stehen einige der Z500-Atoms auf Intels Embedded-Roadmap, sind also noch jahrelang lieferbar, doch erscheinen höchst selten neue x86-Systeme mit bereits 2 Jahre alten Prozessoren.

Auf dem Mobile World Congress deuteten Intel-Vertreter eine Windows-taugliche Version von Moorestown im Gespräch mit heise online an, gaben aber keine weiteren Details preis. Laut Robby Swinnen läuft aber etwa auch Android auf solchen Systemen. (ciw)