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Sperr-Skandal bei Blizzard: Profis und Mitarbeiter protestieren

Hearthstone-Kommentator Brian Kibler tritt aus Protest gegen den Ausschluss eines Hongkonger E-Sportlers zurück. Auch Angestellte von Blizzard protestieren.

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Activision Blizzard zählt zu den erfolgreichsten Spieleanbietern der Welt mit Hits wie «Call of Duty», «World of Warcraft» oder «Diablo».

(Bild: dpa, Michael Nelson)

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Der Protest gegen Blizzard zieht immer weitere Kreise, nachdem die US-Spielefirma einen Hongkonger Hearthstone-E-Sportler für politische Äußerungen gesperrt hat. Mit Brian Kibler hat nun die erste prominente Persönlichkeit der Hearthstone-Szene Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen: Wie der Profi-Spieler und Kommentator auf seiner Homepage mitteilte, werde er nicht mehr für die Übertragungen der "Grandmasters"-Serie zur Verfügung stehen, "so lange [Blizzard] nichts ändert."

In seinem Statement erklärte der 39-Jährige, er könne zwar verstehen, dass Blizzard aufgrund seiner eigenen Turnierregeln keine politischen Äußerungen erlaube, doch die Höhe der Strafe für Ng "blitzchung" Wai Chung halte er für unverhältnismäßig.

"Es scheint, als habe jemand darauf bestanden, an blitzchung ein Exempel zu statuieren", so Kibler. "Blitzchung" hatte in einem Interview während eines von Blizzard übertragenen Turnierlivestreams die Worte "Befreit Hongkong, Revolution unseres Zeitalters" gerufen. Blizzard hatte dem Hongkonger E-Sportler daraufhin für ein Jahr von allen Hearthstone-Turnieren ausgeschlossen und sein Preisgeld einbehalten. Auch den beiden taiwanischen Kommentatoren, die das Interview auf Mandarin geführt hatten, wurde ohne Umschweife gekündigt. Sie hatten sich während des Vorfalls unter ihrem Tisch versteckt. Brian Kibler gehört zu den bekanntesten Persönlichkeiten der Hearthstone- und Sammelkartenspielszene. Der US-Amerikaner trat seit 2015 immer wieder als Kommentator großer Hearthstone-Turniere auf und gewann davor selbst mehrere Turniere. Zuvor war er als Profi im Hearthstone-Vorbild Magic: The Gathering bekannt geworden und wurde 2010 in die "Hall of Fame" des traditionsreichen Sammelkartenspiels aufgenommen.

In die Kritik an Blizzard stimmte am Mittwoch mit Octavian Morosan, bekannt als "Kripparrian", ein weiterer prominenter Gaming-Influencer ein. "Kripparrian" forderte das Unternehmen auf Twitter auf, den Ausschluss von "blitzchung" zu überdenken. "Jeder von uns, der einen Großteil seines Lebens auf Battlenet (Blizzards Online-Plattform, Anm. d. Red.) verbracht hat, erwartet Besseres von Blizzard", so der Kanadier. Er selbst unterstütze die Proteste in Hongkong. "Kripparrian" ist vor allem mit Livestreams von Blizzard-Titeln bekannt geworden und gehört mit aktuell über 1,2 Millionen Followern zu den Hearthstone-Influencern mit dem größten Publikum.

Bereits am Dienstagnachmittag hatten darüber hinaus Angestellte von Blizzard am kalifornischen Firmensitz ihre Arbeit niedergelegt und sich zu einer Protestkundgebung vor dem Unternehmensgebäude versammelt. Wie die US-Nachrichtenseite The Daily Beast berichtet, habe es sich um bis zu 30 Personen gehandelt, die sich mit Regenschirmen, einem Symbol der Hongkonger Protestbewegung gegen die chinesische Regierung, in Sichtweite der Blizzard-Büros aufgestellt hätten. Ein Mitarbeiter, der anonym bleiben wollte, erklärte gegenüber The Daily Beast, er sei von der Entscheidung nicht überrascht gewesen, da Blizzard in China viel Geld verdiene, doch nun könne die Firma ihren eigenen Werten nicht mehr folgen. Ein weiterer Angestellter äußerte sich enttäuscht: "Solch eine Entscheidung kann nicht politisch neutral getroffen werden."

Bereits am Dienstag und Mittwoch hatten Boykottaufrufe gegen Blizzard in sozialen Netzwerken die Runde gemacht. Zahlreiche Nutzer teilten Screenshots von gelöschten Blizzard-Accounts und gekündigten Bezahlabonnements. Mehrere US-Politiker kritisierten die Sperre von Ng "blitzchung" Wai Chung, der Vorfall wurde auch von großen Medien wie der New York Times und CNN thematisiert. Blizzard vertreibt Spiele wie Hearthstone auch in China mit eigenen Servern, wo sich das Sammelkartenspiel großer Beliebtheit erfreut. Rund fünf Prozent der Anteile von Blizzards Muttergesellschaft Activision gehören darüber hinaus dem chinesischen Internet-Giganten Tencent. (siko)