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Technology Review

Spiel dich gesund

Computerspiele sind längst mehr als purer Spaß. Erste Studien zeigen, dass sie unter anderem bei Krankheiten wie Krebsleiden helfen und psychische Störungen heilen können.

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Spiel dich gesund

Im Computerspiel "Re-Mission" bekämpfen krebskranke Kinder Tumore.

„Computerspiele werden eine immer wichtigere Rolle im Gesundheitsbereich spielen“, sagt Linda Breitlauch, Professorin für Game Design an der Hochschule Trier. Von Schmerz bis Krebs – Mediziner hoffen, mit ihnen Symptome zu lindern oder die Regeneration des Körpers zu fördern, schreibt Technology Review in seiner aktuellen Ausgabe (am Kiosk und im Heise Shop erhältlich). Erste Studien zeigen, dass Health Games tatsächlich die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen können. Zwar halten sich die Krankenkassen noch mit der Erstattung zurück, weil sich auf dem wachsenden Markt auch etliche Nieten tummeln. Doch einige Beispiele haben in Tests bereits vielversprechende Wirkung gezeigt.

In dem Shooter-Spiel „Re-Mission“ etwa bekämpfen krebskranke Kinder mit dem Nanoroboter Roxxi auf 20 Levels verschiedene Tumorarten von Leukämie bis Gehirnkarzinom. Dabei nutzen sie das gleiche Waffenarsenal wie die Ärzte: Strahlen- und Chemotherapie. In einem silbernen Roboterkampfanzug schwebt Roxxi durch Adern und Gedärme, immer im Einsatz gegen viele kleine Monster, die dem virtuellen Körper zu Leibe rücken. Die Non-Profit-Organisation HopeLab, eine Gemeinschaft aus Spieleentwicklern, Onkologen und Psychologen, hat das Health Game für rund 4,5 Millionen Dollar entwickelt. Eine Studie der Stanford University zeigte, dass sich die jungen Patienten durch das Spiel motivierter an der Chemotherapie beteiligten und regelmäßiger ihre Medikamente einnahmen. Auch die Selbstheilungskräfte fördert Re-Mission offenbar. Die Konzentration eingenommener Medikamente im Blut der kranken Kinder stieg signifikant. Der Körper nahm also mehr Wirkstoffe auf.

Bei Sparx (Smart, Positive, Active, Realistic, X-factor thoughts), einem Fantasy-Rollenspiel für Jugendliche mit depressiven Symptomen, schießen die Spieler mit Feuerbällen auf negative Gedanken und zerstören sie. Durch Aufgaben über sieben Levels hinweg lernen sie in vier bis sieben Wochen, ohne die Unterstützung von Therapeuten mit depressiven Gefühlen umzugehen. Die Software wurde in Neuseeland an 94 Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren getestet. Weitere 93 Patienten absolvierten zum Vergleich eine konventionelle kognitive Verhaltenstherapie in Einzelsitzungen mit einem Psychotherapeuten. Das Ergebnis: 44 Prozent der Sparx-Spieler erholten sich vollständig von ihrer Depression, in der Kontrollgruppe waren es nur 26 Prozent.

Mehr dazu in der aktuellen Ausgabe von Technology Review (im Heise Shop erhältlich). (vsz)

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