Spielebranche kritisiert Giffeys Pläne für Jugendschutzreform

Der Verband der deutschen Spielebranche kritisiert Giffeys Jugendschutzreform. Diese sieht unter anderem mehr Bewertungskriterien vor.

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(Bild: Lenscap Photography/Shutterstock.com)

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Der Verband der deutschen Games-Branche (Game) hat den Gesetzentwurf von Familienministerin Franziska Giffey (SPD) für mehr Jugend- und Kinderschutz im Netz kritisiert. Game-Geschäftsführer Felix Falk nannte ihn am Dienstag enttäuschend: "Der Jugendschutz in Deutschland steckt seit vielen Jahren in der prädigitalen Phase fest und muss dringend reformiert werden. Der aktuelle Entwurf ist kein Schritt nach vorn, sondern zwei zurück", sagte er. Die Spielebranche kritisiert unter anderem die Pläne zur Alterskennzeichnung.

Giffey will das Jugendschutzgesetz so ändern, dass Spiele- und auch Filmplattformen mit mehr als einer Million Nutzern ihre Inhalte künftig mit einer "deutlichen" Alterskennzeichnung versehen müssen. Dabei soll nicht nur der Inhalt der Clips oder Spiele berücksichtigt werden – also zum Beispiel, ob Gewalt darin vorkommt – sondern auch, ob bestimmte sogenannte Interaktionsrisiken bestehen und ob die "Medien eine exzessive Nutzungsweise fördern", wie es in der Begründung zum Gesetzentwurf heißt. Gemeint sind etwa uneingeschränkte Chats, über die Fremde Kontakt zu Kindern aufnehmen könnten, In-Game-Käufe oder sogenannte Lootboxen. Dabei handelt es sich um virtuelle Kisten mit oft zufälligen Belohnungen, wie Waffen oder Fähigkeiten, die vom Spieler zum Teil nur gegen Bezahlung geöffnet werden können.

Die gelernten Alterskennzeichen würden überladen und drohten an Aussagekraft für Eltern zu verlieren, kritisierte Game. Der Verband forderte außerdem eine größere Vermittlung von Medienkompetenz. Nur dadurch "können Kinder und Jugendliche eine Mediensouveränität erlangen, die den besten Jugendschutz ermöglicht", sagte er zur Begründung. Der Entwurf liefere darauf keinerlei Antworten.

Die Familienministerin hatte zuvor anlässlich des Safer Internet Days an diesem Dienstag zu den Zielen ihres Gesetzes erklärt: Es gehe dabei um Lösungen für sichere, altersgerechte Voreinstellungen, die Kinder und Jugendliche systematisch vor Belästigung, Übergriffen, Datenklau oder finanzieller Abzocke schützten. "Die Konzerne müssen hier mehr Verantwortung übernehmen und Sicherheitsnetze einbauen – so wie es auch eine Pflicht für Sicherheitsgurte in jedem Auto gibt." Giffey will ihr Gesetz spätestens im Sommer auf den parlamentarischen Weg bringen. (mjo)