Spieleverbot durch CSU eine Ente

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Eine im Internet kursierende Meldung, nach der Bayerns Innenminister Günther Beckstein gefordert haben soll, einige Strategie-Spiele auf den Index zu setzen, ist eine Ente. Die Meldung war unter anderem vom Mediendienst Teleschau verbreitet worden, der am Freitag eine entsprechende Tickermeldung an die Abonnenten, darunter auch die Online-Ausgabe der Süddeutschen Zeitung (SZ), verschickt hatte. In einer soeben veröffentlichen Erklärung bezeichnet die Teleschau die Meldung jetzt selbst als "unrichtig".

Laut der inzwischen entlarvten Zeitungsente wollte der Teleschau-Redakteur erfahren haben, dass Bayerns Innenminister Beckstein den Vorschlag des Staatssekretärs Bodmeier -- der allerdings überhaupt nicht existiert -- unterstützen will, der die Indizierung von Strategie-Spielen wie Patrizier 2, Anno 1503 und Sim City vorsieht. Als Begründung hieß es in der mittlerweile von der SZ-Website entfernten Meldung, die Spiele würden aufgrund ihres hohen Suchtpotenzials volkswirtschaftlichen Schaden anrichten, da die User kaum mehr zum Schlafen kämen.

Die Teleschau ist derzeit um Schadensbegrenzung bemüht, verspricht aber auch Aufklärung darüber, wie es zu dieser Falschmeldung kommen konnte. Der Teleschau-Chefredakteur Kai-Oliver Derks erklärte gegenüber heise online, dass sich der Redakteur, der diese Meldung geschrieben habe, derzeit im Urlaub befinde.

Wie diese Zeitungsente überhaupt entstanden ist, darüber konnte Kai-Oliver Derks nur mutmaßen. Seiner Meinung nach spricht aber alles dafür, dass die Meldung auf einen Forumsbeitrag basiert -- möglicherweise auf dem Ascaron-Forum, in dem ein User namens PeterPyro bereits am 20. November über den angeblichen Vorschlag des bayrischen Staatssekretärs Manfred Bodmeier berichtet hatte. Gleich darauf hatte PeterPyro aber zugegegeben, alles nur erfunden zu haben. Trotzdem verbreitetet sich die Meldung schnell durchs Internet. Unter anderem haben die Spielewebseiten GamesWeb und Gamigo den Forumsbeitrag nicht weiter überprüft und in den News gebracht.

Der Sprecher des Bayrischen Innenministeriums Christopher Hillenbrand ist über die mangelnde Recherche der Teleschau und auch der Süddeutschen Zeitung enttäuscht. "Dies beweist nur, dass die Verantwortlichen jetzt die schnelle Verbreitung von Meldungen übers Netz auch austragen müssen", sagte Hillenbrandt gegenüber heise online. Seiner Meinung nach habe der alte Ausspruch von Mark Twain auch im Zeitalter des Internets immer noch Gültigkeit: "Das Gerücht muss erst drei Mal um die Welt gehen, bis sich die Wahrheit die Schuhe anzieht." (daa)