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Spielkonsole Xbox sorgt für negative Schlagzeilen

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Microsoft wird nach Ansichten von Analyten und Experten der Spielebranche den Start seiner Spielkonsole Xbox von Ende 2001 auf das Jahr 2002 verschieben. Schuld daran soll vor allem die zögerliche Haltung der japanischen Spielehersteller sein. So hat nach Angaben des US-Finanzdiensts Bloomberg bislang lediglich Konami Titel genannt, die das Unternehmen für die Xbox entwickeln will.

Microsoft braucht jedoch japanische Spiele für seine Konsole, da sich der asiatische vom amerikanischen Geschmack erfahrungsgemäß stark unterscheidet, sodass das Unternehmen nicht alleine mit US-Titeln in Japan an den Start gehen kann. Immerhin macht die Videospiel-Branche 25 bis 30 Prozent des jährlichen Umsatzes von 20 Milliarden US-Dollar alleine im Land des Lächelns. Zu den Experten, die nicht an einen planmäßigen Start der Xbox in Japan glauben, gehört mittlerweile sogar Stan McKee, beim Spielehersteller Electronic Arts zuständig für die Finanzen.

Die Haltung der japanischen Spieleentwickler begründete Keiji Inafune, Manager der in Osaka ansässigen Firma Capcom, damit, dass Microsoft es versäumt habe, klärende Gespräche mit den japanischen Spieleentwicklern zu führen. "Ohne zu wissen, welche Ziele Microsoft verfolgt, kann man es sich aber nicht leisten, in Spiele für das neue System zu investieren", teilte er der Presse mit.

Microsoft selbst weist die Behauptung, das Unternehmen verschiebe den Japan-Start der Spielkonsole auf das nächste Jahr, energisch zurück. Während seiner Keynote auf der am 30. März beginnenden Tokyo Game Show werde Firmengründer Bill Gates vielmehr die Öffentlichkeit ausführlich über die kommenden Xbox-Spiele japanischer Entwickler informieren.

Auch Gerüchte, das Unternehmen schließe seine Spieleabteilung beziehungsweise plane in diesem Bereich die ersten Entlassungen, bezeichnete Sprecher David Hufford als absolut falsch. "Kein Teil wird geschlossen, vielmehr wächst unser Team rasant". Bislang sollen über 1000 Angestellte alleine an der Xbox arbeiten.

Henry Blodget, Analyst bei Merrill Lynch, hat währenddessen errechnet, dass Microsoft mit dem Start der Xbox anfangs zwei Milliaren US-Dollar Miese machen wird. Erst 2005 werde der Konzern mit dem Verkauf der Spielkonsole die schwarze Null erreichen. Und selbst, wenn Microsoft mit der Xbox 2006 erstmals Geld einnehmen sollte, darf das Unternehmen nach Blodgets Ansichten höchstens auf eine Summe zwischen 500 Millionen und einer Milliarde US-Dollar hoffen – dies entspräche gerade einmal fünf Prozent der Gesamteinnahmen des Konzerns.

Nach Blodgets Berechnungen wird der Konzern aufgrund der Kosten für die verbauten Komponenten anfangs 125 US-Dollar Verlust pro Konsole einfahren. Damit würde sich Microsoft in guter Gesellschaft befinden: Auch Sony zahlt bei der Playstation 2 drauf, hofft aber die Verluste durch selbstentwickelte Spiele und Lizenz-Einnahmen ausgleichen zu können und über die Jahre sogar Gewinne einzufahren.

Sega hat sich mittlerweile vom unprofitablen Konsolenmarkt mehr oder minder verabschiedet – die Dreamcast-Produktion wurde eingestellt, zukünftig wird die Technologie in Settop-Boxen eingebaut. Analysten befürchten nun vor allem, dass sich Sonys Playstation 2 bis zum Start der Xbox einen uneinholbaren Vorsprung herausarbeiten wird. Auch Nintendos Gamecube, der im Juli auf den japanischen Markt kommen soll, könnte dann bereits eine gute Position aufgebaut haben. (nij)

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