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Spionage-Anklage gegen ehemalige Twitter-Mitarbeiter

Zwei Twitter-Mitarbeiter sollen im Auftrag eines saudischen Agenten in Konten von Regimekritikern eingedrungen sein. Ziel war unter anderem, sie aufzustöbern.

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Graustufen-Screenshot des offiziellen Twitter-Profils Saudi Arabiens

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Zwei ehemalige Twitter-Mitarbeiter und ein hochrangiger saudischer Beamter sind in den USA angeklagt. Sie sollen für Saudi-Arabien respektive dessen Königshaus spioniert haben. Ziel war demnach die Ausforschung von Regime- und Korruptionskritikern über deren Twitter-Konten um das Jahr 2015. Einer der beiden Angeklagten konnte in den USA verhaftet werden, die beiden anderen werden in Saudi-Arabien vermutet.

Einer der Angeklagten, ein US-Staatsbürger mit offenbar libanesischen Wurzeln, soll über seinen Mitarbeiterzugang unberechtigt die Twitter-Konten dreier Regimekritiker ausgekundschaftet haben. Dafür soll er mehrere hunderttausend US-Dollar sowie eine sehr teure Uhr bekommen haben. Er ist außerdem angeklagt, eine Rechnung gefälscht zu haben, um das FBI in die Irre zu führen.

Der zweite Angeklagte, ein Saudi, soll über seinen Mitarbeiterzugang sogar mehrmals auf tausende Twitter-Konten zugegriffen haben. Später hat er wiederholt eine Belohnung gefordert und sich schließlich einen Posten bei einem saudischen Dienst, der offiziell als Wohltätigkeitseinrichtung geführt wird, gewünscht. Nachdem er sich in das Königreich abgesetzt hatte, dürfte dem Mann sein Wunsch erfüllt worden sein. Außerdem gibt es einen Hinweis darauf, dass er dem Königshaus schon früher Dienste geleistet hat.

Der ebenfalls belangte saudische Beamte hat aus Sicht der Anklage die beiden anderen Männer angeworben und angeleitet. Der Verhaftete ist zum Sachverhalt teilweise geständig. Ansonsten gilt für alle drei Angeklagten die Unschuldsvermutung. Das Strafverfahren ist unter dem Az. 3:19-71824 am US-Bundesbezirksgericht für das nördliche Kalifornien anhängig.

Einer der betroffenen Regimekritiker ist Omar Abdulaziz. Er hat in Kanada Asyl erhalten. Abdulaziz hat Twitter im Oktober zivilrechtlich verklagt, weil das Unternehmen die rechtswidrigen Zugriffe auf sein Konto zwar entdeckt, ihn als Opfer aber nicht darüber informiert habe. Dabei könnte über seine Twitter-Logs sein Aufenthaltsort verraten worden sein, was lebensbedrohliche Folgen für ihn, seine Angehörigen oder Mitstreiter hätte haben können. Abdulaziz war befreundet mit dem am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi (korrekt ins Deutsche transkribiert: Dschamal Chaschukdschi).

Vom selben Datum stammt der jüngste Tweet, der im Twitter-Feed des inzwischen verhafteten Angeklagten zu sehen ist. 18 Tage später wurde der Mann zum ersten Mal vom FBI verhört. Das Zivilverfahren Abdulaziz v. Twitter ist unter dem Az. 3:19-cv-06694 ebenfalls am US-Bundesbezirksgericht für das nördliche Kalifornien anhängig. Laut dieser Klage ist ein Cousin des saudischen Kronprinzen zu 5,2 Prozent an Twitter beteiligt, was ihn zu einem der größten Teilhaber machen würde.

(ds)