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Spionage-Chips: Amerikanische und britische Behörden glauben Apple und Amazon

Chinesische Chips sollen Server infiltriert haben. Der US-Heimatschutz und die britische IT-Sicherheitsbehörde glauben den Dementis von Apple und Amazon.

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Spionage-Chips: Amerikanische und britische Behörden glauben Apple und Amazon

(Bild: pixabay.com)

Winzige Chips auf den Mainboards von Supermicro sollen in großem Umfang die Serverfarmen von Apple und Amazon Web Services für die chinesische Regierung ausspioniert haben, behauptet ein Bericht des US-Wirtschaftsmagazins Bloomberg vom Donnerstag. Die betroffenen Firmen dementierten dies umgehend und ungewohnt deutlich.

Nun äußern sich die US-amerikanische Heimatschutzbehörde Department of Homeland Security (DHS) und die britische Behörde für IT-Sicherheit National Cyber Security Centre (NCSC) und sehen keinen Grund, an den Dementis von Apple und Amazon zu zweifeln, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters.

Das DHS teilte am Samstag mit, man habe die Medienberichte über eine Kompromittierung der Lieferkette bei den Server-Mainboards von Supermicro zur Kenntnis genommen, sehe aber jedenfalls zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Grund, die Darstellungen der von der Angelegenheit betroffenen Unternehmen anzuzweifeln. Dies sei auch beim britischen NCSC der Fall, schreibt Reuters.

Am Donnerstag hatte der Bloomberg-Bericht über Spionage in den Serverfarmen von Apple und Amazon seit 2015 große Aufregung in Politik, IT-Industrie und Öffentlichkeit verursacht – nicht zuletzt wegen des enormen Umfangs der Spionage, sollte sie denn so wie dargestellt stattgefunden haben, und wegen der prompten und detaillierten Entgegnungen von Apple, Amazon und Supermicro. Da die Quellen des Bloomberg-Reports nach wie vor anonym und keine greifbaren Beweise verfügbar sind (oder zumindest bislang nicht öffentlich gemacht wurden), ist eine Einschätzung der Situation derzeit schwer möglich – es gibt Argumente für beide Darstellungen des Falles.

Die Äußerungen von DHS und NCSC lassen sich nun zumindest in die Richtung deuten, dass die noch laufenden Untersuchungen der Geheimdienste bislang weder Belege noch ernstzunehmende Anhaltspunkte für Spionage geliefert haben. Bereits bloße Befürchtungen, chinesische IT-Produkte könnten US-Bürger oder -Firmen ausspionieren, hatten erst vor einiger Zeit etwa zur Warnung vor Smartphones der chinesischen Hersteller ZTE und Huawei geführt.

Reuters berichtet außerdem, Apples früherer Leiter der Rechtsabteilung, Bruce Sewell, habe bereits 2017 von Bloomberg die Information erhalten, Mainboards von Supermicro würden chinesische Spionage-Chips enthalten. Daraufhin habe er den damaligen Leiter der Rechtsabteilung des FBI, James Baker, telefonisch dazu befragt. Baker habe ihm geantwortet, er wisse davon nichts, und er bestätigte nach interner Rücksprache, dass beim FBI niemand von diesem Spionagevorwurf Kenntnis habe. (tiw)

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