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Spionageaffäre um Supermicro: Apple-CEO fordert Widerruf des Bloomberg-Berichts

Tim Cook weist die Bericht über angebliche Spionagechips auf Serverbords von Supermicro erneut zurück – und geht noch einen Schritt weiter.

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Tim Cook

(Bild: dpa, Robin Van Lonkhuijsen)

Apple-CEO Tim Cook legt in der Affäre um angeblich mit einem Spionage-Chip manipulierte Supermicro-Server nach und fordert die Wirtschaftsnachrichtenagentur Bloomberg auf, die Geschichte zurückziehen. "An der Geschichte über Apple ist nichts Wahres dran", sagte Cook gegenüber Buzzfeed News. "Sie sollten jetzt das Richtige tun und sie zurückziehen." Bloomberg bleibt bisher bei seiner Darstellung.

Anfang Oktober hatte Bloomberg unter Berufung auf anonyme Quellen gemeldet, dass auf Server-Mainboards des Herstellers Supermicro im Laufe des Produktionsprozesses winzige Chips aufgebracht wurden, die Netzverkehr mitlesen könnten. Dahinter vermutet Bloomberg den chinesischen Militärgeheimdienst. Insgesamt sollen 30 US-Unternehmen betroffen sein, namentlich nennt der Bericht Apple und Amazon. Beide haben die Darstellung mehrfach vehement dementiert.

Apple hat die Bloomberg-Geschichte bereits in einer Stellungnahme und einem Brief an den US-Kongress zurückgewiesen. Darin betont Sicherheitschef George Stathakopoulos, Apple sei den Vorwürfen nachgegangen und habe keinerlei Beweise für die Existenz solcher Hardware, eingeschleuste Schwachstellen oder eine Übertragung von Daten nach China finden können. Auch habe es die von Bloomberg behauptete Kontaktaufnahme durch die US-Bundespolizei FBI nicht gegeben.

Cook geht nun einen Schritt weiter und verlangt von Bloomberg, die Geschichte zurückzuziehen – und verschärft damit den Ton. Bisher hat das für sehr kontrollierte Medienarbeit bekannte Unternehmen noch nicht öffentlich den Widerruf eines Berichts gefordert. Cook kritisiert Bloomberg auch dafür, dass sie nie Beweise vorgelegt hätten, sondern die Geschichte auf Hörensagen beruhe.

"Ich habe zusammen mit unserem damaligen Justiziar Bruce Sewell persönlich mit den Bloomberg-Reportern gesprochen", sagte Cook. "Wir haben ihnen unmissverständlich klargemacht, dass das nicht passiert ist." Immer, wenn die Reporter mit einer neuen Version ihrere Geschichte ankamen, habe es eine Untersuchung gegeben, bei der nichts gefunden worden sei. "Wir haben das Unternehmen auf den Kopf gestellt", sagte Cook. "Immer mit dem gleichen Ergebnis: Das ist nicht passiert. Da ist nichts Wahres dran."

Bloomberg hat inzwischen nachgelegt und berichtet von einem US-Telekommunikationsanbieter, bei dem ebenfalls Implantate auf Supermicro-Bords gefunden worden sein sollen. Die Nachrichtenagentur bleibt auch hinsichtlich Apple bei ihrer Darstellung. "Wir stehen hinter unserer Geschichte und haben Vertrauen in unsere Berichterstattung und unsere Quellen", teilte das Unternehmen gegenüber Buzzfeed mit. Fragen nach Beweisen für die Darstellung beantwortet Bloomberg nicht. Auch auf Vorwürfe der betroffenen Unternehmen oder von Experten vorgebrachte Zweifel geht Bloomberg nicht ein. (vbr)

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