Spionageprozess: Oracle-Chef präsentiert SAP die Rechnung

Im Datenklau-Prozess gegen SAP hatte Oracle-Chef Larry Ellison seinen großen Auftritt. Im Zeugenstand wetterte er gegen den deutschen Rivalen und präsentierte eine saftige Rechnung.

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  • dpa

Für den deutschen Softwarekonzern SAP wird es im Industriespionageprozess vor einem kalifornischen Gericht brenzlig: Der Chef des klagenden US-Konkurrenten Oracle, Larry Ellison, hat am Montag im Zeugenstand mit milliardenschweren Schadenssummen hantiert. Ellison ist für seine aufbrausende Art und seine scharfe Zunge bekannt. Sein Auftritt war deshalb mit Spannung erwartet worden.

Ellison wirft dem Erzrivalen aus dem baden-württembergischen Walldorf schweren Datendiebstahl und sogar Industriespionage vor. Die grundlegenden Fakten sind dabei mittlerweile unstrittig: Mitarbeiter der inzwischen geschlossenen SAP-Wartungstochter TomorrowNow hatten mehrfach unrechtmäßig Daten von der Website des Konkurrenten heruntergeladen, um dessen Software im Auftrag von Firmenkunden pflegen zu können.

Ellison bezifferte den Wert einer Lizenz, wenn SAP diese regulär erworben hätte, auf rund 4 Milliarden Dollar. "Wenn sie die Software gratis bekommen könnten, hätten wir große Schwierigkeiten, unsere Mitarbeiter zu bezahlen", sagte Ellison nach Angaben der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg vor Gericht. Er muss eine Jury von seiner Sicht der Dinge überzeugen; in etwa vier Wochen wird ein Urteil erwartet.

SAP wollte über den Umweg einer günstigen Wartung Oracle die Kunden abspenstig machen. Beide Konzerne stellen Programme für Firmen her, mit denen diese etwa ihre Buchhaltung erledigen oder Kunden verwalten. Das Unterfangen scheiterte allerdings, SAP machte die erst 2005 übernommene TomorrowNow letztlich dicht.

Fraglich ist, inwiefern die SAP-Führung von den Umtrieben der Tochterfirma wusste. Oracle wirft dem Vorstand vor, eingeweiht gewesen zu sein, dieser streitet den Vorwurf ab. Für den finanziellen Schaden will SAP auf jeden Fall geradestehen. Mit den gebotenen Millionen sind die Deutschen aber weit von den Forderungen der Gegenseite entfernt.

Oracle will als Zeugen auch den ehemaligen SAP-Chef Léo Apotheker, der seit Anfang des Monats den Computerkonzern Hewlett-Packard führt. Doch HP lehnt ab. Die beiden US-Konzerne liegen seit einigen Monaten über Kreuz, was auch durch eine neu entdeckte Friedfertigkeit nur mühsam kaschiert wird.

Der Streit zwischen SAP und Oracle dauert schon drei Jahre. Vor wenigen Tagen hatten sich beide Seiten erstmals aufeinander zu beweg. Die Walldorfer haben nach dpa-Informationen zugesagt, die Anwaltskosten der Gegenseite zu übernehmen. Dabei geht es um rund 120 Millionen Dollar (85 Millionen Euro). Die Vereinbarung könnte die Basis für einen Vergleich bilden. SAP hat vorsorglich schon mal 160 Millionen Dollar beiseitegelegt. (jk)