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Spitzelaffäre: Telekom nutzte möglicherweise auch Daten der Konkurrenz

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Ein Journalist, der von der Telekom bespitzelt wurde, hatte nach Informationen der Frankfurter Rundschau (FR) ein E-Plus-Handy. Sollte die Telekom ihn umfassend überwacht haben, müsste sie sich demnach auch der Daten eines anderen Telekommunikationsunternehmens bedient haben, heißt es in dem Bericht. Ein E-Plus-Sprecher sagte laut FR, es sei keine Anfrage bei der Telekom eingegangen. Zu Abrechnungszwecken müsse sein Unternehmen aber Daten an die Telekom liefern. Da ein Großteil der Telefonate in Deutschland das Netz der Telekom berühre, bekomme die Telekom zur Abrechnung auch fast alle Daten.

Telekom-Chef René Obermann beteuerte laut dem Bericht, sein Unternehmen begrenze die Zugriffsberechtigungen auf die Daten, die notwendig sind, ohne den Service zu beeinträchtigen. Die Sicherheitskonzepte würden regelmäßig fortentwickelt, überprüft und mit den zuständigen Aufsichtsbehörden abgestimmt. Allerdings geht heute aus einem Artikel der Financial Times Deutschland hervor, dass Telekom-Mitarbeiter unerlaubt vertrauliche Informationen aus jenem Teil des Telekom-Netzwerks abrufen könnten, der laut Gesetz allein staatlichen Ermittlern offensteht. Diese Sicherheitslücken bei T-Mobile habe es schon 2006 gegeben, als Obermann noch Chef des Mobilfunkers war.

Auch auf Aufsichtsbehörden könnten es die Telekom-Spitzel abgesehen haben, berichtet die FR weiter. "Konkret geplant und beauftragt" sei auch die Überwachung einer "nicht unwichtigen Regulierungsbehörde mit Sitz in Bonn" – also der Bundesnetzagentur – gewesen, habe der Geschäftsführer der Firma Network Ende April an die Telekom geschrieben. Die Projekte seien "direkt vom Vorstand beauftragt" und über das Büro des Aufsichtsrats bezahlt worden, heißt es in dem Schreiben, das der FR nach eigenen Angaben vorliegt.

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(anw)