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Spotify-Betrüger sollen mit Fake-Accounts Tantiemen in Millionenhöhe gefarmt haben

Ein paar kurze Musikstücke, 1200 Spotify-Accounts und zwei wahnsinnig erfolgreiche Playlists – so wird man heute Internet-Millionär. Das Vorgehen der mutmaßlichen Tantiemen-Betrüger war dabei wohl sogar legal.

Spotify

(Bild: dpa, Ole Spata/Archiv)

Die Playlists "Soulful Music" und "Music from the Heart" klingen erstmal nach austauschbaurem Spotify-Einheitsbrei: Gefühlsduseliges Kitsch-Gestöhne in Dauerschleife, danach muss man bei der schwedischen Musik-Plattform wirklich nicht allzu lange suchen. Erst auf den zweiten Blick wären dem achtsamen Nutzer bei diesen Playlists Ungereimtheiten aufgefallen. Die enorm hohe Anzahl der Songs etwa, fast 500 sollen es gewesen sein. Oder die Tatsache, dass alle Songs in der Liste nur knapp über 30 Sekunden dauern – die Mindestdauer, um noch Gewinnausschüttungen von Spotify zu bekommen.

Genau das war wohl der Zweck dieser beiden Playlists, berichtet das Branchenmagazin Music Business Worldwide: Sie sollten dem Schöpfer der Musiktitel Tantiemen im großen Stil bescheren, vollkommen effizient, vollkommen automatisiert. Dem Bericht zufolge stecken hinter dem gewitzten Betrug wohl Personen aus Bulgarien. Sie luden demnach wohl eigene, kurze Musikstücke auf Spotify hoch und packten sie in die Playlists, möglicherweise gab es neben den beiden bekannten noch weitere.

Um diesen Songs zur notwendigen Beliebtheit zu verhelfen, wollten sich die Betrüger nicht auf den Musik-Geschmack der Spotify-Nutzerschaft verlassen. Sie wurden selbst tätig, legten laut Schätzungen von Music Business Worldwide für eine Playlist etwa 1200 Accounts an und abonnierten für alle Spotify Premium, um dann ganz automatisiert rund um die Uhr Musik zu genießen, die vom Herzen/aus der Seele kommt.

Wie viel die Scammer mit dieser Masche verdient haben könnten, lässt sich zumindest schätzen. Laut Music Business Worldwide lag die durchschnittliche Abspieldauer eines Songs in den Playlisten bei 43 Sekunden. In einem Monat könnte ein einzelner Spotify-Account einen solchen Durchschnitts-Song also gut 60.000 Mal abspielen. Bei einer konservativen Tantiemen-Schätzung von 0,004 US-Dollar pro Wiedergabe kommt man mit 1200 Accounts auf einen Betrag von knapp 300.000 US-Dollar, die monatlich "erwirtschaftet" werden konnten. Kämen Bots zum Einsatz, die Songs ab Sekunde 30 überspringen, könnte die Summe noch höher liegen. Dafür nimmt man dann auch die 12.000 US-Dollar in Kauf, die für die Premium-Abos gezahlt werden müssen. Alle genannten Zahlen beziehen sich nur auf eine einzelne Playlist.

Die Berechnungen sind mit Vorsicht zu genießen. Eine offizielle Bestätigung für die Vorfälle gibt es nicht. Unklar ist auch, ob die Betrüger wirklich illegal handelten, wenn sich die Masche wirklich wie beschrieben abspielte. Ein Insider, der sich gegenüber Music Business Worldwide äußerte, sieht im Tantiemen-Farming keinen Rechtsverstoß.

Vier Monate lang soll der Spotify-Betrug angedauert haben, bevor einem Major Label der Schwindel im September 2017 auffiel und die Playlists gesperrt wurden. Die Song-Listen waren schlicht zu populär geworden, um weiterhin unter dem Radar fliegen zu können. "Soulful Music" soll es in den USA bis auf Platz 11 der meistgespielten Playlists geschafft haben. Den mutmaßlichen Betrügern wurde ihr eigener Erfolg zum Verhängnis – das versprüht mehr Romantik als viele echte Spotify-Playlists.

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