Spotify-Plays: Musikbranche geht gegen Manipulationen vor

100.000 Song-Abrufe für 330 Euro – Angebote wie dieses findet man im Netz zahlreich. Ein Gericht hat nun einem Anbieter den Saft abgedreht.

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(Bild: natmac stock/Shutterstock.com)

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Der Bundesverband Musikindustrie (BVMI) hat nach eigenen Angaben einen juristischen Erfolg gegen Manipulationen beim Musik-Streaming erzielt. Das Landgericht Berlin habe eine einstweilige Verfügung gegen den Betreiber einer Webseite erlassen, auf der man Abrufe für Musikstreaming und Follower für Social-Media-Plattformen kaufen konnte. Dies teilte der Verband, der rund 200 Produzenten und Unternehmen mit rund 80 Prozent Anteil am deutschen Musikmarkt vertritt, am Dienstag in Berlin mit. Die betroffene Website "Followerschmiede" ist inzwischen offline.

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Gekaufte Follower für Facebook, Twitter oder Instagram sind ein schon vergleichsweise altes Geschäftsmodell. Mit der zunehmenden Verbreitung von Musikstreamingdiensten wie Spotify oder Deezer hat die "Branche" eine neue Zielgruppe ins Visier genommen: Künstler, die ihre Sichtbarkeit auf der Streamingplattformen steigern wollen. Auch die nun nach der gerichtlichen Unterlassungsverfügung vom Netz gegangene Website hatte so ein Angebot für die Reichweitensteigerung beim Musikstreaming.

Der Branchenverband spricht dabei von "Fake Streams", mit der die Abrufzahlen "in illegaler Weise in die Höhe" getrieben würden. Die vor dem Berliner Landgericht erstrittene Verfügung sei Teil einer Strategie der Musikindustrie, aktiv gegen Streaming-Manipulation vorzugehen, warnt BVMI-Vorstandschef Florian Drücke auch die Nachahmer: "Das aktuelle Verfahren sollte von vergleichbaren Diensten als Signal verstanden werden." Denn es gibt noch mehr Anbieter im Netz, die 100.000 Streaming-Abrufe für ein paar hundert Euro verkaufen.

"Diejenigen, die Musik schaffen, müssen für ihre Arbeit und ihre Investitionen fair und korrekt entlohnt werden", meint Frances Moore vom internationalen Musikindustrie-Dachverband IFPI. "Dies wird durch die Manipulation von Streams verhindert – unter anderem, indem die Genauigkeit der Charts beschädigt und Lizenzzahlungen an Musikschaffende verhindert werden." Die Musikbranche leite rechtliche Schritte gegen solche Webseiten ein, "wo immer es notwendig ist".

Spotify-Plays gegen Knete: Zahlreiche "Diensteister" bieten solche Services im Netz an.

(Bild: Screenshot)

Was die Verbände, in denen vor allem die großen Labels organisiert sind, nicht erwähnen: Den Markt für gekaufte Streams gibt es auch deshalb, weil sie die Kenngröße bei der Verteilung der Streamingeinnahmen von Spotify und anderen Anbietern sind – und davon profitieren vor allem die Weltstars und Major Labels. Bei der "Pro Rata"-Abrechnung wird alles in einen Topf geschmissen. Die Künstler mit den meisten Streams bekommen auch das dickste Stück vom Kuchen. So geht auch ein Teil der Monatsgebühr von Hardcore-Metal-Heads an Lady Gaga und ihr Label.

Allerdings regt sich inzwischen deutlicher Widerstand gegen das "Pro Rata"-System. Der französische Streaminganbieter Deezer hatte im vergangenen Jahr die Initiative für ein User Centric Payment System (UCPS) ergriffen, die zuletzt auch von zahlreichen deutschen Künstlern unterstützt wurde. Bei dem Abrechungssystem ist die Anzahl der Hörer entscheidend und nicht die der Streams. Nebeneffekt: Der Betrug mit Bots und "Fake Streams" wird unterbunden. (vbr)