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Sprache und Musik gehorchen ähnlichen Regeln

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Die Sprache der Musik versteht jeder, aber warum ist dieses Kommunikationsmittel so universell? Damián Zanette, statistischer Physiker am argentinischen Centro Atómico Bariloche, geht dieser Frage nach: Aufbauend auf der Hypothese, dass Musik und Sprache als hoch strukturierte menschliche Kommunikationsmittel im Gehirn ähnlichen Mechanismen entspringen, wendet er das Zipfsche Gesetz zur Beschreibung von Worthäufigkeiten auf die Musik an.

George Kingsley Zipf ordnete die Wörter eines Textes nach ihrer Anzahl und traf so relativ genaue Voraussagen über die Verteilung der Wörter in einem Text: Wenige Funktionswörter sind extrem häufig, viele andere treten nur einmal auf. In Zanettes Übertragung der Textlinguistik auf die Klangwelt entsprechen den Wörtern Noten, der Text ist das Musikstück.

Die Resultate der Studie entsprechen den Erwartungen: Mit jüngerem Datum haben die Musikstücke immer weniger mit der Sprache gemein. Die Werke Bachs, Mozarts und Debussys erweisen sich als stark strukturiert mit einer relativ textähnlichen Verteilung der Noten, also mit einem festen Vokabular, das häufig wiederholt wird. Schönbergs atonale Kompositionen, die den klassischen musikalischen Kontext absichtlich vermeiden, offenbaren nur mehr eine lockere Anordnung vieler verschiedener Noten.

Diesen Zusammenhang zwischen Sprache und Musik fassbar zu machen, war das Ziel von Zanettes Arbeit, praktische Anwendungen schließt der Physiker jedoch nicht aus. Die quantitative Definition des Kontextes könnte zur Beschreibung der musikalischen Epoche dienen. Kombiniert mit anderen Informationen wäre auch eine Zuweisung des Komponisten, verschiedener Stile oder der Instrumentierung denkbar. (akr)