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Sprint bläst Übernahme von T-Mobile US offenbar ab

Wende im Poker um die US-Tochter der Deutschen Telekom: Kaum meldet die französische Iliad Interesse an, macht der angebliche Wunschpartner einen Rückzieher. Bei Sprint steht ein Umbau an – und der beginnt an der Spitze.

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Der US-Mobilfunker Sprint will die US-Tochter der Deutschen Telekom nach Angaben aus informierten Kreisen nicht mehr übernehmen. Die Hürden durch die Kartellbehörden seien dem Unternehmen zu hoch, meldete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Mittwoch unter Berufung auf Insider. Zuvor hatte bereits das Wall Street Journal über einen Kurswechsel von Sprint gegenüber T-Mobile US berichtet. Die Deutsche Telekom wollte sich nicht dazu äußern.

Bekommt vorerst keine neue Mutter: T-Mobile-Chef John Legere.

(Bild: dpa)

Seit rund neun Monaten gab es Spekulationen, der mehrheitlich zur japanischen Softbank gehörende Sprint-Konzern wolle T-Mobile US für 32 Milliarden Dollar schlucken. Softbank-Chef Masayoshi Son wollte die Nummern drei und vier am US-Mobilfunkmarkt zusammenlegen, um Kosten zu sparen und einen schlagkräftigen Gegenpol zu den Platzhirschen Verizon und AT&T zu schmieden.

Allerdings galt es ohnehin als fraglich, ob die US-Wettbewerbshüter einen solchen Megadeal durchgewunken hätten. Denn dadurch wäre ein neuer Mobilfunkriese mit mehr als 100 Millionen Kunden entstanden. Öffentlich hatten das US-Justizministerium und die Telekom-Regulierungsbehörde FCC mehrfach durchblicken lassen, im Sinne eines stärkeren Wettbewerbs mit vier Anbietern glücklicher zu sein. 2011 war deshalb schon der Verkauf von T-Mobile US an AT&T gescheitert.

Vielleicht hat auch das überraschende Gebot von Iliad eine Rolle gespielt: Die Franzosen boten 15 Milliarden Dollar für einen Anteil von 56,6 Prozent - rechnerisch deutlich unter dem mutmaßlichen Angebot von Softbank und Sprint. Trotzdem dürfte Iliad dem Japaner Son damit in die Parade gefahren sein: Die US-Regulierer hätten das Angebot wohl als Beleg dafür gewertet, dass auch vier Anbieter am Markt bestehen können.

Jedoch soll das Iliad-Angebot für die Deutsche Telekom nicht attraktiv genug sein. Börsianer rechnen mit einer Ablehnung. Für diesen Fall tun sich neue Optionen auf: Der US-Satellitenanbieter Dish könnte wieder Appetit bekommen, wird spekuliert – schon um Sprint hatte dessen Chef Charlie Ergen im vorigen Jahr mitgeboten. Auch ein gemeinsames Gebot von Dish und Iliad ist im Gespräch.

Analysten halten der Telekom zu Gute, bei einem Verkauf der US-Tochter nicht unter Zeitdruck zu stehen. Das US-Geschäft hat durch die Fusion mit dem regionalen Anbieter MetroPCS im vergangenen Frühjahr Fuß gefasst. T-Mobile-US-Chef John Legere buhlt mit Rabatten erfolgreich um Kundschaft. Die niedrigen Preise halten allerdings die Gewinnspanne niedrig, die weiter deutlich unter derjenigen in Deutschland und Europa liegt.

Bei Sprint tauscht der Großaktionär Softbank indes den Chef – den 60 Jahre alten Dan Hesse – aus, wie das Unternehmen mitteilte. Nachfolger wird der 43-jährige Marcelo Claure, ein Manager aus dem Imperium von Softbank-Chef Masayoshi Son. Schon in der kommenden Woche tritt der bisherige Chef und Gründer des Mobilgerätevertriebs Brightstar seinen Dienst an. Brightstar wird ebenfalls von Softbank kontrolliert. Hesse leitete Sprint seit Dezember 2007. (vbr)