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Spy Museum Berlin: Die Welt der Spione in der Welthauptstadt der Spionage

Am kommenden Samstag wird das Spy Museum Berlin am Potsdamer Platz eröffnet. Das privatwirtschaftlich betriebene Museum erzählt die Geschichte vom zweitältesten Metier der Welt.

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Requisiten aus "James Bond"

Requisiten aus "James Bond"

(Bild: heise online / Detlef Borchers)

Neben seinem Dalí-Museum kann Ausstellungsmacher Carsten Kollmeier nun ein zweites Museum in Betrieb nehmen, das Deutsche Spionagemuseum Berlin. Auf einer Fläche von 3000 Quadratmetern bietet es einen Blick in die Geschichte der Spionage als "zweitältestes Metier der Welt", wie es Kurator Franz Michael Günther formulierte. Konzipiert wurde die Ausstellung von der Firma Ars Electronica Solutions als Museum 3.0: Hunderte von Touchscreens, auf denen alle Ausstellungsstücke vom Besucher gedreht werden können, Oculus-Rift-Projektionen und Laserwände sollen das Thema interaktiv erfahrbar machen.

Seit den Spionen der Hethiter, die die Ägypter folterten, umdrehten und als eigene Spione einsetzten, ist das Auskundschaften des Gegners, das Austauschen verschlüsselter Informationen fester Bestandteil jeder staatlichen Organisation. Von den biblischen Spionen in Jericho bis zu den Enthüllungen von Edward Snowden über die Machenschaften des US-amerikanischen Geheimdienstes NSA rankt sich eine Geschichte, die das Spy Museum Berlin erzählen will.

Spy Museum Berlin (15 Bilder)

Videoinstallation mit Anonymous-Masken (Bild: heise online / Detlef Borchers)

Von 1000 gesammelten Exponaten und Leihgaben werden 300 gezeigt. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf der Spionage im Kalten Krieg, als Berlin die Welthauptstadt der Spionage war. Über Touchscreens können Interviews mit Zeitzeugen abgerufen werden, die für Ost und West spionierten. Sie werden von zusätzlichen Informationstexten ergänzt, die "ausgewiesene" Historiker verfasst haben. "Alles in unserem Museum ist objektiviert, die jeweilige Wertung liegt im Auge des Betrachters", erklärte Museums-Geschäftsführer Joachim E. Thomas das Konzept.

Der Besucher betritt das Museum durch einen Zeittunnel, der die Geschichte der Spionage bis zum Zweiten Weltkrieg zusammenfasst. Im ersten Stock werden die Werkzeuge der Spione gezeigt, angefangen mit der verschlüsselten Kommunikation mittels Codebüchern, One-Time-Pads und natürlich der Enigma. An einem Rechner können Besucher ihr Login-Passwort eingeben und bekommen zur Antwort, wie schnell diese Verschlüsselung vom Rechner gebrochen werden kann – wie man selbst Nachrichten verschlüsseln kann, wird nicht erklärt. Vitrinen mit Mini-Kameras, Tonbandgeräten und toten Briefkästen in Form von Grasnägeln und sowie Geheimsendern vervollständigen das Bild der Arbeitsmittel eines Spions. Zu sehen unter anderem ein Taschenrechner von Texas Instrument, den der Top-Spion Rainer Rupp an den Akustikkoppler anschloss, um Nachrichten zu verschicken.

Eine interaktive Installation zum Treiben der Geheimdienste in Berlin ist das Kernstück der Ausstellung. Auf Knopfdruck ist beispielsweise zu erfahren, welcher Geheimdienst welches Hotel verwanzte und überwachte, wo welche Agenten ausgetauscht wurden oder wo die Orte lagen, an denen sich Geheimagent und Agentenführer trafen.

Wie zeitnah das Thema der Spionagehauptstadt heute noch ist, zeigt die jüngste Veröffentlichung von 2500 Lageberichten des US-amerikanischen Geheimdienstes CIA, in denen alle Geschehnisse rund um den Bau der Berliner Mauer immer noch geschwärzt sind. Ein großer Rundbogen erzählt außen die Lebensgeschichte bekannter Spione, innen die Geschichte von Geheimdienst-Aktionen wie die der gescheiterten Invasion der Schweinebucht.

Weiter innen werden die verschiedenen Geheimdienste der Welt vorgestellt. Trockene Kost, besonders für jugendliche Besucher, die es eher in die Ausstellungsecke mit Requisiten aus James-Bond-Filmen ziehen wird. Auch die Geschichte vom aufregenden Agentenleben mit schönen Frauen und harten Drinks hat mit dem neuesten Bond-Roman ihren Moment der Aktualität.

Am Ende wagt sich das Museum dank Snowden, Anonymous und tatkräftiger Hackerhilfe auch an moderne Themen: Es gibt eine Max-Schrems-Installation, die sich mit dem Problem der kommerziellen Datenspionage durch Facebook beschäftigt. Der Hacker Felix "FX" Lindner erklärt im Interview das Internet und ganz zum Schluss steht man vor einer "Hackerstation" mit eingelassener Anonymous-Maske. Damit schließt sich ein Kreis, denn der Eingang des Museums besteht aus einer Videoinstallation, auf der die Anonymous-Masken auf vielen Bildschirmen flimmern. Die geheime Botschaft ist wohl, dass heute allein die Hacker und Whistleblower über die Arbeit von übergriffigen Geheimdiensten informieren, während die Spione wie üblich ihrem Alltagsgeschäft von Verrat und Gegenverrat nachgehen, wie es die Schüsseln auf den Botschaftsdächern künden.

Nach der Schließung des Spionagemuseums Oberhausen und vor der Eröffnung der Sonderausstellung Detektive, Agenten und Spione in Speyer schmückt sich das Spy Museum Berlin mit dem Titel "einziges Spionagemuseum in Deutschland". Wer das privatwirtschaftlich betriebene, von 10 bis 20 Uhr geöffnete Museum besuchen will, muss 18,00 Euro bezahlen. Schüler, Studierende und Azubis können für 14 Euro, Familien für 49 Euro das Museum besuchen. Die ersten 50 Besucher am 19. September erhalten freien Eintritt. (Detlef Borchers) / (anw)

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