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Staatlicher Kulturpreis für Computerspiele: 300.000 Euro jährlich

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Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) ließ in Berlin mitteilen, er plane die jährliche Vergabe eines mit insgesamt 300.000 Euro dotierten "Deutschen Computerspielpreises" in verschiedenen Kategorien. Damit hat die Bundesregierung auf die Aufforderung von Bundestagsabgeordneten der großen Koalition reagiert, "qualitativ hochwertige sowie kulturell und pädagogisch wertvolle" Computerspiele aus Deutschland zu prämieren.

Der Award, von dem Industrie und Kulturpolitik sich versprechen, dass er die einheimische Computerspielbranche stärkt und ein Gegengewicht zur immer wieder aufkommenden "Killerspiele"-Diskussion setzt, soll bereits 2008 erstmalig verliehen werden.

Ganz überraschend kommt die Sache nicht: Neumann hatte ein solches Vorhaben bereits in seinem Kulturinvestitionsplan für die nächsten Jahre verankert, für den ihm der Haushaltsausschuss im November überraschend zusätzliche 400 Millionen Euro bewilligte.

Harsche Kritik aus der etablierten Kulturszene ließ nicht lange auf sich warten: Der Deutsche Musikrat kritisierte Überlegungen, "Computerspiele zum Kulturgut zu erheben", als "abstrus". Es sei ein einmaliger Vorgang, "eine neue Erscheinungsform kultureller Selbstäußerung per ordre de mufti zum Kulturgut zu erklären", meinte der Generalsekretär des Musikrates, Christian Höppner, in einer Presseerklärung. Angeblich wiesen derzeit rund sechs Prozent aller Computerspiele gewaltverherrlichende Inhalte auf – angesichts dessen sei zwar jede Initiative, die die Aufmerksamkeit auf künstlerisch und pädagogisch wertvolle Spiele lenke, sehr willkommen. Höppner zufolge wäre es jedoch verfrüht, diese aus Steuermitteln zu fördern, weil durch öffentliche Sparmaßnahmen "noch immer vielen Kindern und Jugendlichen der Zugang zu einer qualitätsgesicherten und kontinuierlichen musikalischen Bildung verwehrt" werde. Das Musizieren solle aber "immer noch erste Wahl bei der kulturellen Prägung von Kindern und Jugendlichen sein".

Der Deutsche Kulturrat als Spitzenverband der Bundeskulturverbände sieht die Einstufung geeigneter Computerspiele als Kulturgut weniger kritisch. In gewisser Weise ist die nun festgeklopfte Prämierung eine Art späte Belohnung für einen sehr ehrgeizigen Vorstoß des seinerzeit noch wenig bekannten Spieleentwicklerverbands G.A.M.E. e.V., der Anfang 2005 mit der Forderung Aufsehen erregt hatte, Computerspiele aus deutschen Landen müssten auf gesetzlicher Grundlage ähnlich wie Filme gefördert werden, da sie in gleicher Weise als kulturelles Ausdrucksmittel anzusehen und ernstzunehmen seien.

Siehe dazu auch:

Siehe dazu auch den Online-Artikel in c't-Hintergrund zur bisherigen Berichterstattung über die Diskussion um das Jugendmedienschutzrecht, Gewaltspiele, Verbotsforderungen und Beschränkungen für Jugendliche bei Spielen:

(dpa) / (dpa) / (psz)

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