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Stallman: Freie Software ist die Basis für IT-Sicherheit

Der Vater der Freien-Software-Gemeinde, Richard Stallman, hat auf dem 31C3 freie Software zum "notwendigen Fundament der Cybersicherheit" erklärt. Proprietäre Programme entwickelten sich immer mehr zu Malware.

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Ohne freie Software können IT-Geräte und Online-Dienste nicht sicher sein. Diese Gleichung stellte der streitbare Gründer der Free Software Foundation, Richard Stallman, am Montag auf dem 31. Chaos Communication Congress in Hamburg auf. "Man kann sonst Fehler nicht beheben und nicht herausfinden, ob Hintertüren eingebaut sind", erläuterte Stallman. Nutzer könnten sich ohne Einblick in den Quellcode auch nicht gegenüber dem Entwickler sicher fühlen.

Freie Software sei zwar kein Allheilmittel gegen die massive Netzüberwachung durch Geheimdienste wie die NSA oder Internetkonzerne, räumte Stallman ein. Sie könne aber verhindern, dass ein Nutzer vom eigenen Rechner ausgespäht werde. Generell müssten Systeme so gestaltet werden, dass sie möglichst wenig Daten über ihre Anwender sammelten.

Proprietärer Software unterstellte Gründer des GNU-Projekts einen Hang zur Malware, die den Nutzer ausspionieren wolle. Sie lege es letztlich darauf an, dem Anwender zu schaden. Apple-Geräte wie das iPhone seien Gefängnisse, aus denen man per Jailbreak erst ausbrechen müsse. Amazon habe in sein Lesegerät Kindle, das Stallman nur als "Swindle" bezeichnete, eine universelle Hintertür eingebaut –­ genau wie Microsoft in Windows. Die Redmonder klärten zudem zunächst die NSA über Sicherheitslücken auf, bevor sie diese abdichteten.

DRM-Systeme zum digitalen Rechtemanagement – für Stallman bedeutet DRM "digital restriction management" – würden zur Kontrolle von Inhalten missbraucht, holte Stallman weiter aus. Cloud-Dienste in Form von "Software as a Service" (SaaS) übermittelten alle essenziellen Daten an einen externen Server und handelten stellvertretend für den Anwender. Sie seien gleichbedeutend mit Spyware. Rechtliche Maßnahmen gegen die "Misshandlung" der Nutzer gebe es kaum, da diese ihr OK zu undurchsichtigen Gängel-Geschäftsbedingungen per Mausklick geben müssten.

Die versammelte Hackergemeinde rief der FSF-Gründer dazu auf, "die Freiheit des Codes aktiv zu verteidigen". Dies fange damit an, freie Software beim Namen zu nennen und nicht als beliebige, ohne ethisches Fundament daherkommende Open.Source-Software zu bezeichnen. Aufklärung habe an Schulen zu beginnen: Wer Software dorthiun mitbringe, müsse diese mit anderen teilen dürfen.

Um auch freie Hardware voranzubringen, sollte Reverse Engineering als Reaktion auf geheim gehaltene Spezifikationen an jeder Universität gelehrt werden. Der Schutz von Whistleblowern müsse ausgebaut werden, "da wir sonst keine Demokratie haben". Ein von ihm signiertes GNU-Maskottchen versteigerte Stallman am Ende seines Vortrags spontan für 300 Euro. (odi)