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Stapeln, was das Zeug hält: Landwirtschafts-Simulator bekommt eine E-Sports-Liga

"Wettbewerbsfähige Landwirtschaft": Der Farming-Simulator 19 bekommt eine E-Sports-Liga mit Teams, Sponsoren – und hohen Preisgeldern.

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Landiwrtschafts-Simulator bekommt eine E-Sports-Liga

(Bild: Giants Software)

Es gibt Menschen, die schwer nachvollziehen können, warum sich jemand in seiner Freizeit an den PC setzt und mit dem virtuellen Traktor durch die ebenso virtuelle Landschaft fährt. Diesen Menschen wird es wohl besonders schwer zu vermitteln sein, dass die Begabtesten dieser Hobby-Farmer davon nun sogar leben können: Entwickler Giants Software hat eine E-Sports-Liga für den Landwirtschafts-Simulator 19 angekündigt.

Die Farming Simulator League besteht aus 10 Einzelturnieren, die über Europa verteilt ausgetragen werden. Den Gewinnern dieser Agrar-Schlachten winken Preisgelder in Höhe von 150.000 Euro, die Gesamtsieger bekommen am Ende noch einmal 100.000 Euro. Zu den Sponsoren der Landwirtschafts-Liga gehören unter anderem Logitech und Intel. Agrarunternehmen sponsern außerdem die einzelnen Teams.

Dass der Landwirtschafts-Simulator kompetitiv gespielt wird, ist nicht einmal ganz neu: Schon in den Jahrgängen 17 und 18 gab es einzelne Turniere, in denen Spieler ihr Können unter Beweis stellen konnten. Mit der Farming Simulator League professionalisiert sich der landwirtschaftliche E-Sports-Bereich so weit, dass die Spieler das nun eigentlich auch hauptberuflich machen können.

Die Farming Simulator League umfasst 10 Turniere und ein Preisgeld von 250.000 Euro.

(Bild: Giants Software)

Im Gegensatz zu vielen anderen E-Sport-Spielen ist der Landwirtschafts-Simulator eigentlich nicht darauf ausgelegt, gegeneinander gespielt zu werden. Es gibt aber einen Mehrspieler-Modus und eine kreative Community: Sie hat einen Modus entwickelt, in dem man in kooperativer Arbeit Heuballen stapeln muss. Das Team, das in kürzerer Zeit 20 Heuballen angehäuft hat, gewinnt den Wettbewerb.

Das klingt nun schon sehr aufregend, die volle Dröhnung E-Sports-Adrenalin entfaltet sich aber erst, wenn man das mal in Aktion gesehen hat. Das folgende Video zeigt einen Farming-Simulator-Wettbewerb vom Oktober 2018, bei dem noch mit einer älteren Spielversion gestapelt wird. Die Aufmachung wirkt schon recht E-sportlich: Junge Typen sitzen da sauber gereiht in Kapuzenpulli-Uniform und Gaming-Headsets, das Geschehen wird von einem etwas verloren wirkenden Kommentatoren-Duo mit Fachwissen unterfüttert und im Hintergrund huschen die Techniker umher.

Der sehenswerte Run des Teams "Landtechnik Oberpfalz", das sich hier ganz offensichtlich für die turniererprobte 2-Bale-1-Telehandler-Taktik entschieden hat, beginnt ab Minute 8. Richtig dramatisch wird es ab Minute 11, als ein Heuhaufen vom Ladewagen rutscht und die Erfolgsaussichten der Oberpfälzer zu torpedieren droht. "Die spielen viel riskanter als sonst!", quittiert einer der Shoutcaster diesen Fehltritt.

Im Landwirtschafts-Simulator 19 wird dann aber mit einem neuen Modus gespielt, schreibt Entwickler Giants Software. Das Spiel soll demnach vom bisherigen Ballenstapeln zu einem 3-gegen-3-Modus übergehen, bei dem sich die Teams gegenseitig herausfordern. Details will das Studio aber erst später nennen.

Für die meisten Spiele-Entwickler ist es attraktiv, ihr Spiel als E-Sport zu etablieren: Auch die normalen Spieler bekommen so Redestoff, können Strategien nachstellen und Vorbildern nacheifern. Eine erfolgreiche E-Sports-Szene kann Spiele über Jahre am Leben halten – siehe etwa Starcraft oder das mittlerweile auch schon fast 10 Jahre alte League of Legends. Sponsoren und Werbung sorgen außerdem für zusätzliche Einnahmen.

Der Landwirtschafts-Simulator ist aber ein Sonderfall: Der eigentliche Kern des Spiels ist die Entspannung, die viele Spieler beim virtuellen Farmen empfinden. Da einen zappeligen Versus-Modus draus zu machen, bei dem auch noch auf Zeit gespielt wird, wirkt erst einmal kontraproduktiv.

Christian Ammann, CEO von GIANTS Software, ist trotzdem optimistisch: "Wettbewerbsfähige Landwirtschaft ist etwas, das die Menschen seit Jahren genießen, das aber im eSport bisher einzigartig ist. Wir haben viele eSports-Enthusiasten in unserem Unternehmen, die es kaum erwarten können, der Welt zu zeigen, dass Landwirtschaft tatsächlich Spaß machen und gleichzeitig wettbewerbsfähig sein kann", schreibt er auf der Webseite zum Spiel.

(Quelle: Farming Simulator)

Immerhin ist Heuballen-Stapeln nicht gewalttätig: Bei IOC-Präsident Bach würde das dem Landwirtschafts-Simulator schon Pluspunkte einbringen. Ungeachtet der Bedenken, die bei vielen Verbänden und Funktionären noch herrschen, kommt E-Sport immer mehr im Mainstream an. EA und die DFL haben gerade erst eine FIFA-19-Bundesliga gestartet, an denen sich viele Fußball-Clubs aus der 1. und 2. Bundesliga beteiligen.

Der TV-Sender Sport1 bietet nun außerdem einen Kanal an, der rund um die Uhr E-Sport-Inhalte zeigt. Der Pay-TV-Kanal kann über die Plattformen von Vodafone Deutschland, Telekom, Unitymedia, 1&1, T-Mobile Austria, A1 Telekom, UPC Schweiz und Zattoo empfangen werden. eSPORTS1 startet am 24. Januar um 19:30 mit der Übertragung des Dota-2-Turniers "The Chongqing Major", außerdem sollen Partien aus den Spielen FIFA 19, League of Legends, Hearthstone und Overwatch gezeigt werden. Der Landwirtschafts-Simulator findet sich (noch) nicht in dieser Liste. (dahe)

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