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Star Trek Discovery: In der 2. Staffel den Plot versemmelt

Unsere erbarmungslose Zusammenfassung der 2. Staffel von Star Trek Discovery. ACHTUNG SPOILER!

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Captain Christopher Pike: Im Staffelfinale trägt er wieder die Enterprise-Uniform. Warum die anders aussieht, als das Discovery-Outfit, wird nicht erklärt.

(Bild: CBS)

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Diese Zusammenfassung der zweiten Staffel von Star Trek Discovery enthält viele Spoiler für die gesamte Serie und besonders für die letzten vier oder fünf Folgen von Staffel 2.

Star Trek Discovery kriegt ganz am Ende der zweiten Staffel die Kurve ins kanonische Star-Trek-Universum. Leider bleibt für diese Retcon-Meisterleistung alles auf der Strecke, was man sich zuvor mühevoll erarbeitet hatte: Charakterentwicklung, Spannung und jegliches Investment des Zuschauers in die Figuren der Serie. Vor allem aber leidet die Handlung der letzten vier Folgen der Serie dermaßen unter dem erzwungenen Ausgang der Geschichte, dass die Dialoge zum Teil kaum zu ertragen sind – man hat das Gefühl, dass die Autoren hier mit an den Haaren herbeigezogenem Drama versucht haben zu vertuschen, dass der Plot absolut sinnfrei ist.

Das ist vor allem auch deswegen schade, weil die Macher bisher auch viel richtig gemacht haben. Die Talos-IV-Folge war auf dem richtigen Weg, Discovery auf eine Art in den Star-Trek-Kanon einzuflechten, die bedeutungsvoll gewesen wäre. Darüber hinaus haben die Discovery-Schöpfer viel Geld zur Verfügung und können ohne Frage wirklich gute Sets bauen. Die neue Brücke der Original-Enterprise sieht atemberaubend aus; dort wurde genau die richtige Kombination aus alt und neu getroffen. Auch die CGI-Effekte und das filmische Handwerk (unter anderem mit Trek-Alumnis wie Jonathan Frakes hinter der Kamera), können sich sehen lassen.

Letztlich scheitert die aktuelle Staffel von Discovery aber an einer Handlung, die so zusammengeschustert ist, dass man von Plot-Löchern gar nicht mehr reden kann. Bei Discovery ist mehr Loch als Plot. Wieso weiß Pike am Anfang der Staffel, dass es sieben Lichtsignale gibt, wenn Burnham sie offensichtlich zu verschiedenen Zeitpunkten auslöst, von denen sechs im Moment von Pikes Aussage in der Zukunft liegen? Wieso führt die Discovery den finalen Sprung aus, wenn Georgiou es vorher offensichtlich schafft, Control zu vernichten? Warum explodiert das eine Torpedo, das durch die Schilde der Enterprise kommt, nicht? Und wieso zieht sich der Admiral nicht einfach einen Raumanzug an, macht das Schott von innen zu und bahnt sich mit Gewalt einen Weg durch die inneren Trennwände zum nächsten Fenster und läuft dann außen auf der Hülle lang bis sie in Sicherheit ist?

Warum haben Discovery und Enterprise zusammen plötzlich mehr als 30 Shuttles und Shuttle Pods an Bord, wenn die Standard-Ausrüstung der Constitution-Klasse lediglich vier Shuttles vorschreibt? Wie sind Sarek und Amanda schneller als die Enterprise zur Discovery gekommen? Warum sind die Daten der Weltraum-Sphere in der Zukunft sicher? Warum wartet Control nicht einfach ab und empfängt Discovery nach dem Wurmloch-Sprung? All diese Details, und viele mehr, zeugen von Autoren, die mit ihrer Geschichte heillos überfordert waren und unbedingt zu dem einen Punkt im Finale kommen mussten – egal wie viel Plot-Logik und Dialoge dabei vor die Hunde gehen.

Nun haben fast alle Star-Trek-Folgen Plot-Löcher, vor allem die, in denen es um Zeitsprünge geht. Schwerer wiegt da allerdings, dass die Autoren dieser Serie bei fast jeder Gelegenheit zum Deus ex machina greifen. Der Widersacher der Staffel taucht genauso aus dem Nichts auf, wie sein Mittel zur Vernichtung der Menschheit und die albernen Zeitkristalle, die ohne jeglichen Sinn und Verstand die magische Zeitmaschine betreiben. Wir brauchen eine Supernova? Unmöglich! Ach nein, doch nicht. Plötzlich taucht die Königin eines bis dato völlig unbekannten Planeten auf, der Dilithium ohne Ende hat und dessen Herrscherin natürlich durch Zufall eine magische Maschine gebaut hat, die daraus die vergleichbare Energie einer Supernova gewinnt. Und irgendwie – Magie! – nutzbar macht. Und natürlich ist die Königin die beste Freundin von unserem nerdigen Ensign. Warum würde das nicht so sein?

Discovery hatte schon von Anfang an einen Hang zu diesen unerklärlichen, magischen Techniken wie dem Sporenantrieb, die mit Science Fiction im eigentlichen Sinne nichts zu tun haben. Und bisher war das halbwegs erträglich. Aber wenn so etwas, wie in Staffel 2, die komplette Handlung übernimmt, vernichtet es jeglichen guten Willen, den wohl jeder auch noch so hartgesottene Trek-Liebhaber aufbringen kann. Zeitkristalle und magische Pilze sind eben kein John de Lancie, der den eigenen, absurden Deus-Ex-Machina-Auftritt mit viel Schauspielkunst und einer gesunden Portion Charme, dem Publikum zugewandt, mit einem Augenzwinkern abtun kann.