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Star Wars: "Der Aufstieg Skywalkers" ist das Ende einer Ära

Mit Episode IX bringt Disney den "Krieg der Sterne" und über 40 Jahre Kult dann doch noch einigermaßen anständig zu Ende (Spoiler: Minimal).

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(Bild: Lucasfilm/Disney)

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This is the end. (Col. Kurtz)

Das ist es also. Das Ende. Mit Episode IX bringt Disney eine Saga zu Ende, die 1977 von George Lucas begonnen und über mehrere Jahrzehnte erzählt wurde. Wer "Krieg der Sterne" damals im Kino gesehen hat und Fan geblieben ist, geht heute mit seinen Kindern und Enkeln in "Der Aufstieg Skywalkers". Der Nachwuchs wird es wahrscheinlich toll finden. Für die Veteranen ist dafür zu viel passiert. Doch immerhin können sie mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus dem Kino gehen.

Nach den vielen negativen Reaktionen auf Rian Johnsons "Die letzten Jedi" hat bei der letzten Folge der Saga wieder J.J. Abrams auf dem Regiestuhl Platz genommen. Eigentlich sollte das Colin Trevorrow machen, der mit zwei "Jurassic World"-Filmen schon einschlägige Erfahrungen mit der Wiederbelebung alter Blockbuster sammeln konnte. Doch nach dem Backlash gegen Johnson schien Disney das Risiko, das Franchise auf den letzten Metern an die Wand zu fahren, dann wohl doch zu groß. Trevorrow musste gehen. "Kreative Differenzen", mal wieder.

Abrams, dessen "Erwachen der Macht" zwar auch nicht unbedingt geliebt wurde, aber deutlich weniger kontrovers war, sollte es also richten. Der wohlwollende Fan wird ihm attestieren, sich redlich bemüht zu haben. Auch wenn Episode IX Längen und Schwächen hat, liefert Abrams: Rey und Kylo Ren, Chewie, C-3PO, R2-D2 und ein noch paar alte Bekannte. Dazu gibt es wunderbare Welten, epische Raumschlachten, tolle Effekte.

Nicht zuletzt beantwortet "Der Aufstieg Skywalkers" ein paar Fragen, die noch offen sind – wirft aber auch neue auf. Wie können Rey und Kylo ständig irgendwie miteinander kämpfen, obwohl sie Lichtjahre voneinander entfernt sind? Wieso reiten die auf dem Sternenzerstörer? Und warum liegt da Stroh? Doch wenn die Fragen zu drängend werden, hilft sich Abrams mit einem tollen Effekt-Set-Piece über die Logiklöcher des Drehbuchs hinweg. Seit der Erfindung der Midi-Chlorianer sind die Fans einiges gewöhnt und lassen das großzügig durchgehen.

Wobei man sich über die mehr als 40 Jahre ohnehin gefragt hat, wie oft Lucas und seine Epigonen die immer gleiche Geschichte von den Lichtgestalten, die gegen eine dunkle Macht antreten, noch erzählen wollen. Das gilt besonders für die jüngsten zwei Episoden, die – irgendwo zwischen Remake und Remix der Original-Trilogie angelegt – ein neues Publikum für das Franchise erobern sollten. Und auch in den über zwei Stunden, die Episode IX dauert, wird man das Gefühl nicht los, dass man das alles schon mal gesehen hat.

Der Falke fliegt wieder.

(Bild: Lucasfilm/Disney)

Episode IX schließt mit Motiven und Figuren ab, die den Fan seit 1977 begleiten. Es gibt ein paar überraschende Kurzauftritte von alten Kampfgefährten (Jar Jar ist nicht dabei). Und mitten drin dirigiert Generalin Leia Organa die Rebellentruppen, als wäre nichts passiert. Dabei ist Carrie Fisher, die Prinzessin Leia seit "Episode IV" verkörpert hat, Ende 2016 verstorben. In "Der Aufstieg Skywalkers" haben Abrams und sein Co-Autor Chris Terrio die Szenen mit Leia um Aufnahmen konstruiert, die noch von "Das Erwachen der Macht" übrig waren.

Abrams wollte Fisher nicht durch eine computeranimierte Figur ersetzen. In einer Zeit, in der sich alte Kino-Haudegen von Digitaleffektkünstlern verjüngen lassen, um es noch mal so wie früher krachen zu lassen, oder CGI waschechte Legenden auferstehen lässt, ist das aller Ehren wert. Doch die Prinzessin aus dem Archiv ist nicht viel besser. Leia Organa irrlichtert durch ihre Szenen, weil sie buchstäblich im falschen Film ist. So bleibt von "Star Wars 9" auch die Erkenntnis: Nicht mal der Tod eines Menschen kann die Verwertungsmaschine stoppen. The show must go on.

Disney kann mit dem Abschluss der Saga alle narrativen Fesseln ablegen und hat nun freie Bahn für seinen Masterplan mit dem Franchise. Der ist allerdings zuletzt etwas durcheinander geraten. Nach dem erfolgreichen "Rogue One" sowie dem kommerziell und auch sonst ziemlich enttäuschenden "Solo" hat der Konzern seine Pläne für weitere Ableger geändert. Aus der mal für Boba Fett geplanten "Star Wars Story" wurde "The Mandalorian" und wohl auch Obi-Wan Kenobi geht demnächst für den hauseigenen Streamingdienst in Serie.

(Bild: Lucasfilm/Disney)

Für die nächsten Filme hat sich Disney Verstärkung geholt – jemanden, der sich mit der Verwertungslogik eines Milliarden-Dollar-Franchises gut auskennt: Kevin Feige, Master of the Marvel Cinematic Universe. Ob allerdings die mit Rian Johnson geplante Filmtrilogie nach dem Backlash gegen "The Last Jedi" noch realisiert wird, darf trotz der mehrfachen Beteuerungen aller Beteiligten zumindest bezweifelt werden.

"Der Aufstieg Skywalkers" markiert damit vorerst das Ende einer Ära. Die Saga endet, wo sie begonnen hat: Im Sand von Tatooine vergräbt Rey die Insignien der Macht. Sie hat eine Entscheidung getroffen. Denn eins hat die junge Jedi durch ihre Abenteuer gelernt: Es sind die Entscheidungen im Leben, die eine Persönlichkeit definieren, nicht die Herkunft. Blut ist eben doch nicht dicker als Wasser.

Mit der letzten Szene gelingt Abrams dann doch noch ein authentisch emotionaler Moment, der die Saga würdig abschließt. Die Jedi haben ihre Schuldigkeit getan. Die dunkle Seite der Macht ist besiegt. Für immer? Wer weiß das schon. Unserer weit, weit entfernten Galaxie – und dem Zuschauer – bleibt eins: Eine neue Hoffnung.

(Quelle: Disney)

"Star Wars 9: Der Aufstieg Skywalkers". USA 2019. Regie: J.J. Abrams. Buch: J.J. Abrams, Chris Terrio. Story: J. J. Abrams, Chris Terrio, Colin Treverrow, Derek Connolly. Kamera: Dan Mindel. Musik: John Williams. Mit: Daisy Ridley, Adam Driver, John Boyega, Oscar Isaac, Domhnall Gleeson, Kelly Marie Tran, Joonas Suotamo, Carrie Fisher, Anthony Daniels, Richard E. Grant, Dominic Monaghan u.a. 142 Minuten. Ab 19. Dezember 2019 im Kino (FSK 12).

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(vbr)