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Star Wars – Die letzten Jedi: Die Space-Operette geht weiter

Dass die Rebellen immer noch nicht geschlagen sind, haben sich die dunklen Mächte selbst zuzuschreiben: Weil sie immer noch Todessterne mit zentralen Schwachstellen bauen, geht die Saga weiter.

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Star Wars – Die letzten Jedi

(Bild: Lucasfilm/Disney)

Es läuft nicht gut für die Resistance. Zwar ist das Imperium nicht mehr, aber die Erste Ordnung unter ihrem Obersten Anführer Snoke hat das Erbe von Emperor Palpatine und Darth Vader angetreten. Snoke und sein Ziehsohn Kylo Ren wollen die Rebellen endgültig vernichten. Dass ihnen das in "Das Erwachen der Macht", dem ersten Teil des Reboots dieses mittlerweile vierzig Jahre alten Star-Wars-Franchises, noch nicht gelungen ist, liegt auch der vom Imperium übernommenen Tradition, strategisch wichtige Infrastruktur mit einem Single Point of Failure zu bauen.

Es geht in "Star Wars: Die letzten Jedi" also weiter mit Rey (Daisy Ridley), der jungen Schrottsammlerin, in der die Macht erwacht, und Finn, dem ehemaligen Sturmtruppler, dessen Gewissen sich gemeldet hat. Episode VIII, "The Last Jedi", schließt direkt an Episode VII an. Rey hat Luke Skywalker (Mark Hamill) gefunden, sie will den letzten Jedi-Ritter re-aktivieren und von ihm lernen. Doch Luke hat mit den Jedi abgeschlossen: mit ihm soll der Orden und das Wissen über die Macht aussterben.

Das hat auch mit Kylo Ren (Adam Driver) zu tun. Hinter der vaderesquen Maske steckt Ben Solo, der Sohn von Han und Leia. Eigentlich sollte Luke ihn ausbilden und als Jedi für die gute Sache gewinnen. Doch offenbar haben die Eltern versagt: der Oberste Anführer bietet sich als Ersatzvater und dem jungen Ben eine Karriere im Unternehmen an. Leider muss Kylo Ren die bittere Erfahrung machen, dass auch Snoke (Andy Serkis) eine eher abwesende und gefühlskalte Vaterfigur ist. Das ist nichts, was man mit ein paar Stunden Therapie nicht hinbekommen könnte, aber Ben wählt den anderen Weg: Die Rebellen und mit ihnen das Erbe seiner Eltern auslöschen.

Kylo Ren ist damit eine der interessanteren Figuren in diesem Star-Wars-Universum, das ansonsten von knuffigen Aliens, alten Bekannten und neuen Projektionsflächen für jüngere Zielgruppen bevölkert ist. Mehr als das Klischee des zornigen jungen Mannes darf aber auch Adam Driver nicht geben. Das ist schade, denn Kylo und Rey verbindet eine besondere Beziehung. Trotz der stolzen Laufzeit von 152 Minuten lässt das Drehbuch von "Die letzten Jedi" zwischen parallelen Erzählsträngen und knackiger Space-Action nicht viel Zeit für Nuancen.

Das liegt auch am Sandwich-Syndrom: Als zweiter Teil einer schon vorgezeichneten Trilogie entwickelt Episode 8 mehrere Geschichten parallel weiter – "Die Zwei Türme (ab 7,20 €)" lässt grüßen. Während Rey bei Luke auf der Insel ist, geht Finn auf eine Mission, die offenbar nur einen Zweck erfüllt: Screentime für Finn (John Boyega) und seinen neuen Love-Interest Rose (Kelly Marie Tran). Die Flucht der beiden ruft schlimme Erinnerungen an die Pod-Race aus "Die dunkle Bedrohung" wach.

Star Wars 8 – Die letzten Jedi (40 Bilder)

Betreten auf eigene Gefahr: Ein paar klitzekleine Spoilerchen in der Bilderstrecke.
(Bild: Lucasfilm/Disney)

Weil "Die letzten Jedi" im Mittelteil zu lang ist, wäre hier ein guter Ansatz für die Schere gewesen. Damit hätte Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson, Genre-Fans bisher vielleicht mit "Looper" aufgefallen, auch Zeit gewonnen, den Rest der Geschichte ein bisschen plausibler zu machen: "Die letzten Jedi" ist auch eine Studie der Ökonomie eines Drehbuchs, in dem sich die Figuren ungehindert durch innere Logik von Plot-Point zu Plot-Point hangeln. Dabei verstößt Johnson immer wieder gegen die eherne Regel "show, don't tell" und lässt seine Figuren erzählen, was passiert ist.

“Sometimes the best teacher failure is”, sagt Yoda. Doch scheint im Star-Wars-Universum nie jemand etwas zu lernen: So unfähig, wie sich Imperium und First Order trotz ihrer materiellen Überlegenheit immer wieder anstellen, wundert man sich, dass die Rebellen es auch nicht so richtig gebacken kriegen. Am Ende müssen sie sich, nach schweren Verlusten und einigen Endgegner-Fights der verschiedenen Protagonisten, der Entscheidungsschlacht auf dem Salzplaneten Crait stellen.

Die Schlacht auf Crait ist nicht der einzige Moment, an dem "Die letzten Jedi" Motive aus "Das Imperium schlägt zurück (ab 17,99 €)" aufgreift. Anders als J.J. Abrams, dessen "Erwachen der Macht" eher ein Remake des Ur-Texts ist, hat sich Johnson für den Re-Mix entschieden. "Die letzen Jedi" hat viel Vertrautes, mutet dem Fan aber auch einiges zu. Immer wieder verlässt Johnson die ausgetretenen Pfade dieses Universums und führt den Zuschauer an neue Orte.

Was fehlt? Han Solo. Der Weltraum-Schmuggler war in dieser Märchenwelt immer der Anker der Normalität – eine Rolle, die jetzt Finn zugedacht ist, aber eine Nummer zu groß für John Boyega. Ohne Han bekommt die im Star-Wars-Universum schon immer präsente Esoterik ein Übergewicht. Johnson schafft hier die Balance nicht immer und lässt seine Geschichte in harten Kitsch abgleiten.

Doch trotz solcher Schwächen wird "Die letzten Jedi" die Fans begeistern – und an der Kinokasse ordentlich absahnen. Um Episode 9 muss man sich also keine Sorgen machen. Die kann dann auch die Frage beantworten, ob Chewie jetzt Veganer ist.

Quelle: Lucasfilm / Walt Disney

"Star Wars: Die letzen Jedi" ist ab 14. Dezember 2017 im Kino. Vor dem Kinobesuch kann man sich mit unserem Star-Wars-Quiz schon mal eingrooven:

(vbr)

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