Start für intelligente Messsysteme – Mehr Kosten für Stromkunden

Die Energiewende kommt in die Haushalte. Intelligente Messsysteme sollen den Stromverbrauch aufzeichnen, übertragen und im Idealfall steuern.

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Verbraucher müssen im Zuge der Umrüstung auf digitale Stromzähler tiefer in die Tasche greifen. An diesem Montag beginnt bundesweit der Pflichteinbau von intelligenten Messsystemen, bei denen gesetzlich für Betrieb und Einbau zwischen 100 und 200 Euro pro Jahr festgelegt ist. Das geht aus Informationen der Bundesnetzagentur hervor. Diese Smart Meter erhalten Stromkunden mit einem Verbrauch von mehr als 6000 Kilowattstunden pro Jahr.

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Wer weniger Strom verbraucht, wird mit einer modernen Messeinrichtung ausgestattet. Laut Bundesnetzagentur liegen dafür die Betriebs- und Einbaukosten bei maximal 20 Euro jährlich. Allerdings kann der für den Zählerwechsel zuständige Messstellenbetreiber ein intelligentes Messsystem installieren. Bei diesem optionalen Einbau sind laut Bundesnetzagentur 23 bis 60 Euro pro Jahr fällig.

Wie der ostdeutsche Netzbetreiber Mitnetz mitteilte, mussten seine Kunden bisher weniger als 10 Euro pro Jahr für den Zählerbetrieb zahlen. Bundesweit liegt der Preis bislang zwischen neun bis 14 Euro. Das Unternehmen betonte, dass in seinem Netzgebiet in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg der Austausch der Zähler kostenlos erfolgt.

Laut der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sind die intelligenten Messsysteme – auch Smart Meter – ein wichtiger Bestandteil der Energiewende. Durch sie sollen Stromnetze besser genutzt, der Energieverbrauch gesenkt und stromfressende Geräte ausgemacht werden.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband sieht die Umrüstung dennoch auch kritisch. Grund ist, dass Kunden durch mögliche Zusatzkosten wie Umbauten belastet werden könnten. "Der Einbau der Smart Meter darf aber nicht zu Lasten der Verbraucherinnen und Verbraucher gehen", sagte Thomas Engelke, Teamleiter Energie und Bauen.

Intelligente Messsysteme bestehen aus dem digitalen Zähler und einem Gerät, das die Messdaten empfangen und versenden kann. Dies geschieht täglich. Es findet keine Ablesung mehr statt. Der Messstellenbetreiber muss dann "eine kostenlose monatliche Aufstellung über den Energieverbrauch und die entstandenen Kosten zur Verfügung stellen", informierte die Bundesnetzagentur. Mitnetz will dies für Kunden auf der Homepage ermöglichen. Die Stromkunden könnten ihre Zählerstände im Kundenportal einsehen, hieß es.

Das intelligente Messsystem wird auch Kunden eingebaut, die eine Solaranlage mit mehr als 7 Kilowatt Leistung Strom betreiben, sowie denen, die ein verringertes Netzentgelt für eine Wärmepumpe oder eine Nachtspeicherheizung zahlen. Nach Angaben der Bundesnetzagentur sind das insgesamt rund fünf Millionen Verbraucher.

Im Gegensatz zum Messsystem können die Messeinrichtungen keine Daten austauschen. Dort erfolgt die Ablesung wie bisher einmal im Jahr. Ein durchschnittlicher privater Haushalt in Deutschland verbraucht rund 3500 Kilowattstunden pro Jahr. Für diese Kunden läuft der Einbau bereits. Mitnetz hat nach eigenen Angaben seit April 2017 rund 250.000 neue Zähler in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg eingebaut. Bis 2032 sollen in den vier Ländern insgesamt rund 1,5 Millionen Stromzähler ausgetauscht werden. Davon sind den Angaben zufolge gut 200.000 intelligente Messsysteme. (bme)