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StartupCon in Köln: "Datenschutz ist etwas für Gesunde"

Während die Sendung "Die Höhle des Löwen" mit Unternehmer-Casting Quoten macht, war die Konferenz für Startups in Köln weniger erfolgreich. Ein Vertreter der Bundesregierung versprach bessere Bedingungen für Risikokapital.

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StartupCon in Köln: "Datenschutz ist etwas für Gesunde"

(Bild: startupcon.de)

Einer der gerne wiederholten Slogans der Startup-Szene lautet "Fail Fast". Statt auf Nummer Sicher zu gehen, sollten junge Gründer in die Vollen gehen und lieber schnell scheitern, als viel Zeit mit einer Idee zu verschwenden, die nicht den erwünschten Milliardengewinn einbringt. Einen Vorgeschmack auf dieses Scheitern konnten die Besucher der dritten Auflage der Konferenz StartupCon am Donnerstag in Köln erleben, als sie mehr als eine Stunde vor verschlossenen Türen standen. Probleme mit der Bauaufsicht verhinderten einen rechtzeitigen Beginn und stürzten das Kongress-Programm ins Chaos.

Jens Spahn, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister der Finanzen, eröffnete das Programm schließlich mit einer positiven Bilanz der Arbeit der Bundesregierung. Zwar habe diese kein eigenes Startup-Gesetz auf die Beine gestellt, mit Initiativen wie dem High-Tech-Gründerfonds aber wesentlich zur Startfinanzierung junger Unternehmen beigetragen. Defizite sieht Spahn vor allem noch in der Wachstumsfinanzierung. Hierzu kündigte er eine weitere Gesetzesinitiative an, die es Unternehmen ermöglichen soll, Verlustvorträge flexibler einzusetzen: So sollen auch neue Anteilseigner eines Startups die zuvor angelaufenen Verluste steuerlich geltend machen können.

Um den Startup-Standort zu stärken, würde Spahn gerne die Regulierungen für die Unternehmen senken. "Ich habe eine provokante These: Datenschutz ist etwas für Gesunde", erklärte der Staatssekretär. Gerade Kranke könnten von der Kombination von verschiedenen Datenquellen profitieren. Zudem sei der Datenschutz ein Hemmnis für die Fortentwicklung europäischer Unternehmen: Während US-Konkurrenten riesige Datenberge anhäuften, für die sie später Geschäftsmodelle finden könnten, müsste hierzulande jede Datennutzung im vorhinein genehmigt werden.

Einer der Haupt-Anziehungspunkte der StartupCon waren die 500 Pitches, die die Veranstalter den Teilnehmern versprochen hatten. Startup-Gründer konnten sich für einen Gesprächsslot mit Investoren und Business-Angels bewerben, in denen sie 15 Minuten lang ihre Ideen vorstellen konnten. Auf der Hauptbühne der Lanxess Arena erklärten Investoren unterdessen, dass Blindbewerbungen fast nie zum Vertragsabschluss führen. So erklärte Jörg Binnenbrücker, Chef des Wagniskapitalfonds Capnamic Ventures: "Die meisten Abschlüsse bekomme ich über Netzwerke." So bauen Investoren und Business-Angels Kontakte in die Startup-Szene aus und versuchen auf die Art die geeigneten Kandidaten für Investments zu finden.

Der Traum von der Millionen-Finanzierung erfüllt sich für die wenigsten Unternehmen. Sedo-Gründer und Business-Angel Tim Schumacher empfahl Gründern, sich zuerst im persönlichen Umfeld Geld zu besorgen und klein anzufangen. Wenn Jungunternehmer nicht mehr präsentieren könnten als eine vage Idee, seien auch Investoren schwer zu begeistern. "Man kann als Unternehmer Monate mit dem Versuch verschwenden, Risikokapital zu bekommen", sagte Schumacher. Die Zeit sollten Gründer lieber nutzen, erst einmal eine funktionierende Website aufzubauen und erste Kunden von dem eigenen Produkt zu überzeugen.

Gleichzeitig wollen die Risikokapitalgeber in keine Unternehmen investieren, die lediglich gute Gewinne machen – da acht von zehn Startups scheiterten, seien sie darauf angewiesen, dass die wenigen erfolgreichen Unternehmen ein Vielfaches des Investments einspielen. Daher eignen sich für die großen Finanziers nur Konzepte, die bundesweit, wenn nicht gar weltweit Märkte anvisieren. Wer sich bei den Venture-Töchter von RTL oder ProSiebenSat1 bewirbt, sollte obendrein bereits seine Lieferketten aufgebaut haben. Die Sender investieren zwar wenig Geld in die Unternehmen, stellen aber Werbespots zur Verfügung – gegen entsprechende Unternehmensanteile.

Während in den Vorräumen der Lanxess-Arena Produktideen wie Speiseeis mit Alkohol und Fruchtgummis mit Koffein angeboten werden, konnten sich die Teilnehmer in der überdimensionierten Halle motivierende Vorträge von verschiedenen Unternehmertypen anhören. So führte RealityTV- und LinkedIn-Star Dave Kerpen seinen Erfolg darauf zurück, dass er Bedürfnisse erfülle, die richtigen Prioritäten setze und zudem orangefarbene Schuhe trage. Im Kontrast dazu plädierte der angebliche Milliardär Arun Pudur dafür, sich gar nicht um Kunden zu bemühen und sich stattdessen nur um Investoren und Angestellte zu kümmern. Als Zukunftsmärkte mit Erfolgsgarantie präsentierte Pudur Internetzugänge für schwach besiedelte Landstriche, das Investment in Entsalzungstechnik und eine Idee, an der schon Nikola Tesla gescheitert war: Die Entwicklung eines drahtlosen Stromnetzes. (Torsten Kleinz) / (anw)

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