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State of Mind durchgespielt: Von Big Brother und elektrischen Schafen

Das Science-Fiction-Abenteuer State of Mind zeigt eine düstere Zukunftsvision, die verzweifelt nach dem Spielwitz sucht.

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State of Mind durchgespielt: Von Big Brother und elektrischen Schafen

(Bild: Daedalic)

State of Mind zeigt ein Berlin der nahen Zukunft, in der es keine Privatsphäre mehr gibt. Der Mensch lebt in einer hochtechnologisierten Welt, lädt alles in die Cloud hoch und lässt sich von Robotern bedienen. Als ein Großkonzern den digitalen Übermenschen erschaffen will, droht die Fassade zu bröckeln. George Orwell und Philip K. Dick lassen im neuen Daedalic-Adventure grüßen.

Nach einem schweren Unfall erwacht der ehemalige Starreporter Richard Nolan in seiner Luxuswohnung und kann sich an die letzten Tage nicht mehr erinnern. Er vermisst seine Frau und seinen Sohn und macht sich auf die Suche nach ihnen. Schnell stößt er auf die Machenschaften eines genialen, wie rücksichtslosen Wissenschaftlers und findet sich plötzlich in einer Art Bürgerkrieg wieder.

State of Mind durchgespielt (5 Bilder)

Schöne neue Welt. State of Mind zeigt ein düsteres Berlin der Zukunft.

(Bild: heise online)

Das Spielprinzip dieses Science-Fiction-Thrillers ist schnell erklärt – es gibt nämlich keins. Der Spieler läuft in der Schulterperspektive durch die wenigen Handlungsorte, klickt sich durch Dialoge und zockt ein paar Minispiele: Kleine Mosaikpuzzle lösen oder per Geschicklichkeitstest Computer hacken – viel mehr passiert nicht. Es ist bezeichnend, dass die größte spielerische Herausforderung in den ersten acht Stunden des Spiels die Steuerung einer Drohne durch einen engen Lüftungsschacht ist.

Erst im letzten Drittel ziehen Story und Spiel an. Drei Stündchen dürfen die Spieler dann erleben, wie Richard hinter das Geheimnis einer Verschwörung kommt. Perspektiven werden gewechselt, manchmal muss der Spieler mit seinem K.I.-Partner ein Hindernis überwinden oder mit Kisten die Sicht der Überwachungskameras blockieren. Kopfschüttelnd fragt man sich: Warum denn nicht gleich so? Leider mündet die Story in zahllosen offenen Fragen, die auf eine Fortsetzung hindeuten.

Ein packender SF-Thriller über unsere Zukunft sollte es wohl werden: Vom Überwachungsstaat, bis zum Transhumanismus werden brisante Fragen gestellt: Wo liegen die Grenzen der transhumanen Philosophie, in der sich der Mensch durch technische Implantate weiter entwickeln will? Welche Gefahren bringt das digitale Zeitalter? Wo endet die Privatsphäre? Das Spiel stellt vielschichtige moralische Fragen zu unserer Zukunft und bedient das Kernthema der Science-Fiction: das Menschsein in einer hochtechnologisierten Welt. Schade, dass State of Mind nur widerwillig dazu einlädt, bis zum Ende durchzuhalten. Viel vom Diskussionspotenzial verpufft durch die langweilige Story und die lauen Minispielchen.

Der eigene Anspruch wird dem Spiel zum Verhängnis. Emotionen wollen nicht aufkommen, weil durch den originellen Low-Poly-Look die Gesichtsmimik fehlt, die Perspektivenwechsel lenken von der eigentlichen Geschichte ab und die Story langweilt durch inhaltlichen Stillstand. Die Minispiele wirken dann wie eine Zwangsverordnung zum Spielspaß, um von den inhaltlichen Problemen abzulenken. Homogen ist das nicht. Es ist eher ein dystopischer Rundumschlag, der ins Leere trifft. In Ansätzen interessant, ambitioniert und zu lang, aber ein guter Wille reicht nicht immer.

State of Mind ist am 15. August für Windows, macOS, Linux, PS4, Nintendo Switch und Xbox One erschienen und kostet ca. 30 Euro. USK ab 12. Für unseren Artikel haben wir die Windows-Version durchgespielt. (dahe)

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